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polnischen Sprache, was schließlich zu der – bereits erwähnten – Forderung
nach einer ukrainischen Universität führte. Als dritte nichtdeutschsprachige
Universität entwickelte sich die tschechische Universität in Prag. Diese war
durchdieTeilungderKarl-FerdinandsUniversität 1882 in zweiUniversitäten,
eine deutsche und eine tschechische, entstanden.8Eine Stärkungder deutsch-
sprachigen Universitätslandschaft in Österreich stellte demgegenüber die
GründungderdeutschsprachigenUniversitätamöstlichenEndederMonarchie,
inCzernowitz1875,dar.
Diese sprachlicheEntwicklungderUniversitätenzeichnetesichauchbeider
BildungvonKarrierewegen ab. Sie förderte naheliegenderWeise dieMobilität
zwischen gleichsprachigenUniversitäten –was auch dazu führte, dass an der
böhmischenKarl-FerdinandsUniversität ,als der einzigen tschechischsprachi-
gen, die Lehrkanzelnviel seltenernachbesetztwerdenmussten, da esmeist zu
keinenWegberufungen kam.9 Zu Karrierewegen zwischen den deutsch- und
nichtdeutschsprachigenUniversitäten kames demgegenüber wesentlich selte-
ner. Es handelte es sich dabei in der Regel umPersonen nichtdeutscherMut-
tersprache, die ihr StudiumanderUniversitätWienabsolviertenund sich an-
schließendaneinerdernichtdeutschsprachigenUniversitätenhabilitierten.
Innerhalb der deutschsprachigen Universitäten Cisleithaniens gab es vor
allem bis zumErstenWeltkrieg ausgeprägteMigrationswege imRahmen der
Universitätslaufbahn bei Wiener Professoren; im Jahr 1884 beispielsweise
stammte kein einziger ordentlicher Professor derWiener Rechts- und Staats-
wissenschaftlichenFakultät ausdemGebietdesheutigenÖsterreich.10Vonden
14 imJahr1918 lehrendenOrdinarienwarenzehnanzumindest eineranderen
deutschsprachigenUniversität tätig gewesen, bevor sie zumProfessor inWien
ernanntwordenwaren.WährenddesZeitraumes1918–1938hingegennahmdie
Zahldersog.Hausberufungendeutlichzu:Vondeninsgesamtordentlichenund
außerordentlichen 42 Professoren, die in jener Zeit an der Universität Wien
lehrten, hatten»lediglich«25ErfahrungenalsProfessor aneiner anderenUni-
versität gesammelt. Insgesamtwurdenzwischen1918und1938anderWiener
Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät 29 Stellen (ordentliche und au-
ßerordentlicheProfessuren) nachbesetzt. Aus demAuslandwurdenberufen:11
Leopold Wenger (1926/27; 1935 München), Othmar Spann (1919, Brünn),
HeinrichMitteis (1935,München)undFerdinandDegenfeld-Schonburg(1927,
8 Wobei das entsprechendeGesetz das bestehen zweierUniversitäten festsetze, ohnedarauf
einzugehen,welchevonihnendie»ursprüngliche«undwelchedie»neue«war.G28.2. 1882
RGBl24/1882betreffenddiek.k.Karl Ferdinands-Universität inPrag.
9 Vgl. Slapnicka, JuridischeFakultäten64.
10 Ogris, Einhundert JahreRechtswissenschaft 413.
11 InKlammernwirddasBerufungsjahrunddieUniversitäts-bzw.Hochschulstadt, indersie
unmittelbar vorderBerufungnachWienwirkten, angegeben.
ZurMobilität zwischendenösterreichischenUniversitäten 643
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik