Page - 652 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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nehmenundalsAngehörigedesd.ö. Staateszuverwenden,dieUebernahmein
den öffentlichenDienstDeutschösterreichs an, umwieder in ihremBeruf Be-
schäftigung zu finden.«44 Die Liste der Professoren umfasste alle zuvor ge-
nannten Personen außer Leonidas Pitamic, da er als Person nichtdeutscher
Nationalität eingestuft wurde. Im Einzelnen gestaltete sich das Schicksal der
CzernowitzerRechtsprofessorenwie folgt:
Julius Roschmann (von Hörburg), der Statistik und politischenÖkonomie
lehrte, wurde 1891 als Privatdozent derUniversitätWien andie Franz-Josephs-
Universität berufen und nach 1919 schließlich von derHochschule für Boden-
kulturübernommen.KarlAdlerhatte sich inWienhabilitiert undwar seit 1898
ProfessordesösterreichischenPrivat-, desHandels- undWechselrechtes ander
UniversitätCzernowitz.ErversuchtenachseinerRückkehr1919nachWienseine
Lehrbefugnis inWienzuerneuern, scheiterte jedochundwandte ich inweiterer
FolgeandenVerwaltungsgerichtshof,dessenEntscheidunger jedochnichtmehr
erlebte.45 FerdinandKogler,46 der sich 1902 bei Alfred Ritter vonWretschko in
Innsbruckhabilitierthatte,wurde1905alsProfessordesdeutschenRechtesund
der österreichischen Reichsgeschichte nach Czernowitz berufen.1919 ging er
zurücknach Innsbruck, ab1924 lehrte erdortdeutschesRecht alsOrdinarius.47
Eugen Ehrlich48 hatte sich inWien habilitiert undwar bereits seit 1896 als au-
ßerordentlicher, seit 1900 ordentlicher Professor des römischen Rechtes in
Czernowitz tätig.1906/07 bekleidete er das Amt des Rektors.1919 versuchte
Ehrlicherfolglos, aneinerdeutschsprachigenUniversität Fußzu fassen, schließ-
lichkehrteerzurücknachCzernowitzundbeantragteeineWiedereinsetzungauf
seinen alten Lehrstuhl.49 Ehrlichwurde zwar wiedereingesetzt, nahm aber den
Dienstnichtmehrauf–dieGründedafür sindunklar,möglicherweisehingdies
mit der Ablehnung seiner Person aufgrund der 1917 publizierten Artikel zu-
sammen.50KurzeZeit später starbEhrlich am5.Mai 1922 in einemWiener Sa-
44 ErlassdesStaatsamtsfürInneresundUnterricht(Unterrichtsamt)vom12.6.1919,Zl. 12231,
ÖStA AVAUnterricht Allg., Univ. Czernowitz, Karton 1185, 5 C 1, GZl. 12231/1919. Zur
Thematik aus dienstrechtlicher Sicht s. Staudigl-Ciechowicz, Universitäten um 1918;
Staudigl-Ciechowicz,Dienst-undDisziplinarrecht.
45 Vgl.zuihmSchmetterer,AmWegvonCzernowitznachWiengescheitert;oben382–385.
46 Vgl.NikolausGrass,KoglerFerdinand, in:ÖBLIV(Wien1966)57 f.
47 Oberkofler /Goller,Universität Innsbruck244.
48 Vgl. zu ihmRehbinder, EugenEhrlich;Rehbinder, Rechts- undStaatswissenschaftliche
Fakultät; Erich Döhring, Ehrlich, Eugen, in: NDB IV (Berlin 1959) 362; N.N., Ehrlich
Eugen,ÖBLI (Wien1956)229.
49 Rehbinder,Rechts-undStaatswissenschaftlicheFakultät 203.
50 Vgl.dazuausführlichmitQuellenbelegenRehbinder,Rechts-undStaatswissenschaftliche
Fakultät204–207.LautStrejcek,Ehrlich74mwN,weigertesichEhrlich,seineVorlesungen
aufRumänischumzustellen.Demgegenüber schreibtHeldrich, Ehrlich475, dassEhrlich
»einen einjährigenUrlaub [erhielt] umsich aufVorlesungen in rumänischer Sprache vor-
zubereiten.«
DieösterreichischeUniversitätslandschaftum1918652
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik