Page - 704 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Image of the Page - 704 -
Text of the Page - 704 -
Jahres 1908, die auchnach 1918noch inGeltung standen, sahen jedochkeine
bloße Rechtsanwaltvereinigung vor, sondern bestimmten in Paragraph 1 als
Zweckdes »nichtpolitischenVereines […]dieVermittlung des geselligenVer-
kehresseinerMitglieder,dieAnschaffungderbedeutenderenErscheinungender
Literatur,insbesonderevonZeitschriftendesIn-undAuslandes,diesichmitden
Staatswissenschaften und den damit in Zusammenhang stehenden Fächern
beschäftigen, unddieAbhaltungvonVorträgenüberwissenschaftlicheGegen-
stände.« In der Liste der Lesevereinsbibliothek scheinen schließlich diewich-
tigsten rechts- und staatswissenschaftlichen, d.h. auch (rechts-)historischen,
nationalökonomischenundsozial-wieauchfinanzwissenschaftlichenSchriften
jener Jahre auf. Gelesenwurden Lajos Kossuths Schriften aus der Emigration
ebensowie Pierre-Joseph Proudhons Systemder ökonomischenWidersprüche,
FriedrichEngels’DieLagederarbeitendenKlasse inEnglandoderRudolf von
JheringsGeistdes römischenRechts.Danebenstandenunter vielenanderendie
Jahrbücher fürNationalökonomieundStatistiksowiezumBeispielZeitschriften
wieDerVolkswirt, dasArchiv für Sozialwissenschaft undPolitikoderdieZeit-
schrift fürVerwaltung in ihrenaktuellstenAusgabenzurVerfügung.
Unterjenen,dieab1919unterderneuenAdresseRotenturmstraße13,alsoin
den Räumlichkeiten der Wiener Rechtsanwaltskammer11, zusammenkamen,
fanden sich neben zahlreichenRechtsanwälten auch hochrangige sozialdemo-
kratische Politiker wieOtto Bauer,Michael Hainisch, LudoMoritzHartmann
undKarl Seitz. Die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät warmit Sig-
mundAdler, Karl Brockhausen, Carl Samuel Grünhut, HeinrichKlang, Franz
Klein, Rudolf Laun, Adolf Menzel, Ludwig Mises, Stanislaus Pineles, Rudolf
Pollak,GustavSeidler, LeoStrisowerundFriedrichTezner vertreten.
2. Wiener JuristischeGesellschaft12
Am30.Oktober 1867hattedieWiener JuristischeGesellschaft ihrekonstituie-
rende Generalversammlung abgehalten. Das Ziel dieser Vereinigung war,
Theoretiker und Praktiker des Rechts zusammenzubringen und ihnen insbe-
sonders hinsichtlich bevorstehender Gesetzesvorhaben ein Diskussionsforum
zubieten;oderwieesWalterSchrammelausdrückt: »DieVortragendensollten
aus ihrenberuflichenErfahrungenzurInformationdergesetzgebendenKörper
undzurRechtsbildungbeitragen.«13ZudenMitgliedernderWienerJuristischen
11 In der Rotenturmstraße 13 imErtl’schen Stiftungshauswar seit 1853 dieWiener Rechts-
anwaltskammer untergebracht, die bis heute an dieser Adresse zu finden ist. Vgl. Kübl,
Geschichte.
12 FürDetails sieheOgris, Elemente.
13 Schrammel,VorwortVI.
Extramuros:Vereine,Gesellschaften,KreisundVolksbildung704
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik