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11. Katholisch-deutscher Juristenverein29
DerKatholisch-deutsche JuristenvereinwarebensoeinanerkannterVereinder
UniversitätWien.Erwar imSeptember1912gegründetwordenundbezweckte
laut §1 der Statuten »dieHeranbildung eineswissenschaftlich undmoralisch
ernst strebendenkatholischen Juristenstandes, derbefähigt sein soll, imSinne
christlicherWeltanschauungimberuflichenundöffentlichenLebenzuwirken«.
Dies sollte erreicht werdenmittels Besprechung von Rechtsfällen,Übung öf-
fentlicherBeredsamkeit,ErrichtungvonBüchereiundLesezimmerundHilfe in
Studienangelegenheiten.AußerdemwurdenArbeitsgemeinschaftenabgehalten,
die die an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät angebotenen
Vorlesungen ergänzten. Weiters besuchte man öffentliche Einrichtungen der
Rechtspflege sowie der politischen und sozialenVerwaltung, auch Fabriksbe-
triebeundkaufmännischeUnternehmen. Schließlich solltendieMitglieder so-
ziale Arbeit in Gesellenvereinen sowie in Arbeiter- und Lehrlingskreisen ver-
richten.WichtigwardemVereinzudemdiematerielleFörderungderMitglieder,
etwadurch finanzielleUnterstützungoderdieVermittlungvonStudentenjobs.
Im Untersuchungszeitraum zählten zum Beispiel Eduard Chaloupka und
Robert Mayr-Harting zu denMitgliedern des Katholisch-deutschen Juristen-
vereins.
12. NationalökonomischeGesellschaft
EineGesellschaft gleichenNamenshatte es inWienbereits seit 1908 gegeben,
dochwarsie imKriegnichtaktivgewesen;erstLudwigMisesundJosephAlois
Schumpeter belebten die Nationalökonomische Gesellschaft am 19. Juli 1918
neu. Bei dieserVereinigung konnten dieOrdinarienOthmar SpannundHans
Mayernichtumgegangenwerden,weshalbbeidendiePräsidentschaftangeboten
wurde.30 Spannverzichtete jedoch,weshalbMayer Präsident unddamit einige
JahrespäterauchHerausgeber(unterMitarbeitvonPaulRosenstein-Rodanund
Oskar Morgenstern) der damals wichtigsten deutschsprachigenWirtschafts-
zeitschrift,derZeitschrift fürNationalökonomie,wurde.DietreibendeKraftvon
ZeitschriftundVereinigungwarallerdingsals ihrVizepräsidentLudwigMises,
aus dessen Privatseminar auch diemeistenMitglieder der Nationalökonomi-
schenGesellschaftstammten.WährenddasPrivatseminarjedochhauptsächlich
von jungenGraduiertenderRechts-undStaatswissenschaftlichenFakultät be-
suchtwurde, fanden sich inderNationalökonomischenGesellschaft zusätzlich
29 Vgl.UAW,SenatS164.99.
30 Vgl.Mises, Erinnerungen64 f.
AkademischeVereineundaußeruniversitärewissenschaftlicheVereinigungen 711
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik