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1810 in Fontainebleau ein nnd wurde
schon am nächsten Tage von Dnroc dem
Kaiser vorgeführt. Auch Napoleons
Zureden, in Paris zubleiben, blieb frucht-
los. Am 15.Oct.begann C. das Modell der
Kaiserin. Am 10. Nov. 1810wardie Büste
Mar ia Lonisens meisterhaft in Gyps
ausgegossen und erweckte allgemeine Be-
wunderung. Wieder drang N ap o l e o n in
ihn, in Paris zn bleiben. C. blieb unbeug-
sam, und mit einem „amclats come rolete^
fügte sich der sonst unbeugsame Cäsar.
Alle Anliegen aber, die C. im Interesse
der Knust vorgebracht, waren bewilligt:
1) der Akademie in Nom ein eigenes Ge-
bäude; 2) 25,000 Francs jährlich zu ihrer
Verwendung; 75,000 Fr. jährl. Einkom-
men znr Herstellung der alten Denkmäler;
3) 200,000 Francs zn Nachgrabnngen;
100,000 Francs zur Aufmunterung der
Küustler. Bei seiner Rückkehr wnrdeu C.
Huldigungen über Huldigungen erwiesen,
doch ein traurigesEreiguiß sollte sie trüben.
Luiga O iu l i j , die C.'s Hauswesen seit
Jahren geleitet, war an den Folgen einer
längst sie zerstörenden Vcrzehrung ge-
storbeu, und dieser Verlnst ging C. so
nahe, daß er selbst gefährlich erkrankte;
nur die Pflege seines Brnders und die
Tröstungen des Monsiguor Nicolai hiel-
ten ihn aufrecht. Genesen ging er wieder
an die Arbeit und an die Ausführung der
Coueordiastatue mit Mar ia Louiscns
Porträt (1811), des kolossalen Pferdes
für eiueu reitenden Napoleou, an die
Vollendung der seit Jahren begonnenen
„Gtir2en3-Orllpzir" nnd der kolossalen Statue
der „Religion", viele kleinere Arbeiten nicht
gerechnet. Seine Hinneigung zu archäolo-
gischen Studien, die sich auch in seiner
Wahl antiker Stoffe kundgab, erhielt nnn
noch mehr Nahrung, als er 1812 zum
Präsidenten der 1811 erneuerten ^cacls-
nua ai-c/lsciiagit-a ernannt worden, deren
Bestrebungen er auf das Eifrigste selbst aus
eigenen Mitteln förderte. — In dem da^ maligen Wechsel der Zeitereignisse brachte
jeder Tag nene Situationen. Mnrat
hatte sich von Napoleon losgesagt und
Nom besetzt. Durch Auszeichnungen snchte
er alles zu gewinnen. Auch dem Künstler
Canova trug M urats Generalinten-
dant Maeedonio Ehrenstellen aller Art
in seines Herrn Namen au. Aber Ca-
nova bewahrte die Flecken!osigkeit seines
Charakters, die ihn auf gleiche Höhe wie
seine Küustlerschaft stellt; er schlug alles
ans, u. was er erwarb, erwarb er nur zum
Nutzen der Küuste. Als aber am 24. Mai
1814 Pins VII. nach Nom zurückkehrte,
erwirkte C. manche Maßregel, welche die
damals in der Verwirrung der Verhält-
nisse so leicht mögliche Verschleppung vou
Kunstwerken verhinderte. Am glänzendsten
waren aber seine Erfolge, als er als Ab-
gesandter des Papstes am 28. August 1815)
blos von seinem Vrnder begleitet in Pa-
ris eintraf, Roms Interessen zn vertreten
und die aus Rom uach Frankreich ge-
schleppteu Knustschätze zurückzufordern.
Von allen Seiten mit seiuem gerechtcu
Ansuchen — ja selbst vom allerchristlich-
sien Könige — abgewiesen, war es Oester-
reich nnd namentlich Fürst Mette rni ch,
der sich der Angelegenheit so energisch an-
nahm, daß C. unter österreichischer und
preuß. Bedeckung die römischen Kunstwerke
aus den Sälen des Louvre holen konute.
Obgleich sich C. bei der ganzen Angelegen-
heit mit der größten Mäßigung benahm,
die Kunstschätze, welche in die Kircheu
Frankreichs gekommen waren nud alles,
was im königlichen Palaste sich befand,
dort zurückließ, so kouute doch Frankreich
dieß dem Küustler uie vergeben uud die
Rancmie des französischen Volkes hat sich
im abgeschmackten Witzworte eines Mini-
sters, der Canova statt ^mba.?ei«to)'6 cle/
H. 5aH-ü dessen AmbaAatoi's nannte, bis
auf den heutigen Tag erhalten. In der
Wegschaffnng der Kunstwerke, die iu sechs
Tagen vollendet war, hatte iyn sein mitt^
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Bninski-Cordova, Volume 2
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Bninski-Cordova
- Volume
- 2
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1857
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 470
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon