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Carplltli, Joseph (Dichter und
Kunstschriftsteller, geb. zu Vi l lal-
be se in der Briauza bei Mailand 28.
Iänn. 1752, gest. zu Wien 22. Iänn.
1325). Erhielt den ersten Unterricht von
den Jesuiten iu Mailand nnd ging dann
nach Pavia, um die Rechte zu studireu.
Dort verweilte er uichrere Jahre, und
obgleich er, so meldet sein Biograph, nie
ein juridisches Buch angesehen, wnrde er
dennoch Doctor. In Mailand trat er in
das Geschäft eines Advocateu, trieb
aber vorzugsweise Poesie und Musik.
Durch seiue erstcu Arbeiteu im Mai-
länder Dialect uud insbesondere dnrch
seine Elegie auf den Tod der Kaiserin
Maria Theresia wnrde Parini
auf deu Dichter aufmerksam uud ermun-
terte denselben. Seine erstere größere
Arbeit war das Lustspiel: „ I 6on5i cii
^liate", welches längere Zeit dcm da-
mals in Mailand beliebten P. Molina
zugeschrieben wurde. Dieses Lustspiel
wurde in Monza vor dem Erzherzog
Ferdinand und seiner Gemalin Marie
Beatrice d'Este gegeben. Als 1792 die
französ. Revolution ausbrach, wurde C.
Redacteur einer Mailänder Zeitung, in
welcher er scharfe Artikel gegen die Revo-
lution schrieb. Als 1796 die Franzosen
in Italien eindrangen, folgte C. der Re-
gierung uach Wieu. Er wurde nun zum
Censor uud Director der Theater Vene-
digs ernannt, und blieb von 1800—1805
daselbst, dann aber, als dieses Gebiet an
Frankreich abgetreten wurde, giug er nach
Wien zurück, wo er nuu als Dichter am
kaiserl. Theater augestellt wurde. Um
diese Zeit lernte er deu berühmten Haydu
kennen und machte seine Landslente mit
den Composttioneu dieses Tonheros be
kannt, indem er die deutschen Libretti der
Hayd u'schen Oratorien in einer der Com<
Position entsprechendenWeisein seine Mut-
tersprache übersetzte. Ein gleiches nnd mit
großem Geschicke führte er auch mit meh-
v. Wurzbach,biogr.Lexiion. II. reren französischen und deutschen Opern
aus. Als im I . 1809 der Krieg von
Neuem begann, begleitete C. den Erzher-
zog Johann während der ganzen Dauer
dieses Feldznges, von dem er Tag um
Tag alles, was er sah uud hörte, aufzeich-
nete. Aus unbekannter Ursache vernichtete
er 1812 selbst dieses Tagebnch. I n die-
sem letzteren Jahre erschien aber dem An-
denken seines Freundes zu Ehren das
vielbekannte Werk: „1,6 Aai/Hne, ovve?-o
1812, 2. ^uti., ?aäu3. 1820); in's
Französische überfetzt von D. Mondo
(Nivot 1836 und?ai-ig 1838). Dieses
Werk war Veranlassung eines literari-
schen Scandals, worin Beyle bekannt
unter dem Pseudonym Stendhal eine
zweideutige Rolle spielte. Beyle, der
sich öfter auch Alex. Cesar Bombet
nannte, hatte auf einer Reise in Italien
C.'s Werk in's Französische übersetzt und
unter dem Titel: „^eiti-e.? sci-ites cls N-
6N<ns en ^t i ' ic / ls 5«?" ls
HttT't et
et l'etat ^?'65e7tt <Hs la
st en Italie H)«,- ^.. 6.
1815^ Oiäot 2.ine, 8°.) herausgegeben.
Im Texte wareu einige Veränderungeu
angebracht. Der Plagiarius stellte sich,
als wäre er 1808 selbst iu Wien gewesen;
die im Terte vorgenommenen Verände-
rungen verriethen aber, daß er nicht viel
von Musik verstehe und enthielten große
Irrthümer. C. trat nun gegen dieses
Plagiat iu einer Broschüre 1815 öffent-
lich auf, Salieri , Weigl, M. Kurz-
beck u. A. bezeugten, nie einen gewissen
Bombet gesehen, noch je ihm eine Mit-
theilung, wie er dies an mehreren Stel-
len seines Werkes behauptete, gemacht zu
haben. Diese Erklärung wie das Original-
Mauus<:ript C.'s wurdeu bei dem Hof-
capellmeisterSalieri niedergelegt. Alle
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Bninski-Cordova, Volume 2
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Bninski-Cordova
- Volume
- 2
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1857
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 470
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon