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trage, habe Niemand ein Recht, ihm
denselben zu bestreiten, noch weniger
sich ihn ohne seine Zustimmung anzu-
eignen." — Aus Süddeutsch land reist er
wieder nach der Schweiz und dann nach
England, wo aber sein wüstes und ver-
schwenderisches Leben mit schleuniger
Flucht endigte, denn ein falscher Wechsel,
in dessen Besitz er gekommen und für
dessen Verfertiger er gehalten wurde,
nöthigte ihn die Freiheit einer längeren
Untersuchungshaft vorzuziehen, und dazu
als nächstes Mittel: die Flucht zu wählen.
Nun besuchte er Berlin, welches er auf
seinen Irrfahrten noch nicht berührt. Sein
Zusammentreffen mit dem großen Frie-
drich II., der ihm im Garten vonSans-
Souci eine Audienz gab, ist hier der in-
teressanteste Moment; den Antrag, die
Leitung eines Cadetteninstitutes in Pom-
mern zu übernehmen, schlug C. aus.
Nun wanderte er nach Rußland, wo er
mit der Kaiserin Katharina II . im
Sommergarten zusammentraf. Die Er-
wartungen C.'s, die er an dieses Zusam-
mentreffen knüpfte, erfüllten sich nicht
und C. reiste nach Warschau, wo er
die Gunst des Königs Stanislaus Ponia-
towskiin solchem Grade erwarb, daß
C.'s Stellung am Hofe des Polenkönigs
sehr glänzend zu werden versprach; das
berühmte Pistolenduell mit dem Kron-
marschall Branict i aber vereitelte alle
Hoffnungen. Auch hier kam ihm endlich
der Befehl zu, Warschau zu verlassen;
und als er erwiederte, er könne doch
nicht weiter gehen, bis er alle seine Schul-
den bezahlt, schickte ihm der König 1000
Stück Dukaten und C. begann von Neuem
seine abenteuerliche Fahrt. Er ging nach
Dresden, wo seine Mutter als Schau-
spielerin lebte, von dort nach Wien, wo
ihm die Polizei seinen Aufenthalt bean-
ständete , bis es ihm gelang, den Schutz
des Fürsten Kaunitz zu gewinnen, der
ihm von der Kaiserin Gnade erwirkte; doch der Ruf, der dem Abenteurer vor-
ausgegangen, war für seinen Aufenthalt in
der Kaiserstadt nicht günstig und er kehrte
nach Paris zurück, welches er aber auch
bereits nach 24 Stunden wieder verlassen
mußte. Noch blieb ihm ein schönes Land
übrig, wo er sein Glück versuchen und
sich für die Unduldsamkeit der übrigen
Hauptstädte Europa's entschädigen konnte:
Spanien, und er reiste nach Madrid. Sein
Aufenthalt in Spanien ist nur eine neue
Kette vonAbenteuern, die bald fröhlich bald
traurig enden; in Barcellona wurde er
nach einer verunglückten Affaire verhaf-
tet und während seiner 43tägigen Gefan-
genschaft schrieb er seine Widerlegung
der Geschichte Venedigs von Am elot und
Houssaye. Am 31. Dec. 1763 verläßt
er Spanien, begibt sich nach Air. und nach
einer mehrjährigen Wanderung durch
mehrere Städte des Continents Rom,
Florenz, Bologna, Ancona, Trieft, zum
letzten Male (1782) nach Paris. Dort traf
er bei einer Mahlzeit, welche der venetia-
nische Gesandte gab, und wozu auch C.
geladen worden, mit dem Grafen Wald"
stein zusammen, der an C.'s Geist, Wis-
sen und Unterhaltungsgabe Gefallen fand,
und ihm in der Eigenschaft eines Biblio-
thekars sein Schloß Dur in Böhmen zum
Aufenthalte anbot. C. nahm diesen An-
trag an und brachte die letzten 14 Jahre
seines vielbewegten Lebens in Dux zu,
wo er seine Memoiren schrieb und in sei-
ner Grämlichkeit die Humanität seines
Wohlthäters nicht immer mit Dankbarkeit
erwiederte. Eine interessante Episode
dieser letzten Lebensepoche C.'s ist seine
Reise nach Weimar, wo ihn der Herzog
huldvoll aufnahm. Nach Einigen
starb C.
in Dur, nach Anderen in Wien. „Edel
und anständig gegen den Himmel und ge-
gen die Menschen verließ er das Leben",
schreibt Prinz de Ligne, dem wir in
obiger Skizze in den Hauptzügen gefolgt;
er empfing die h. Sterbesakramente und
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Bninski-Cordova, Volume 2
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Bninski-Cordova
- Volume
- 2
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1857
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 470
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon