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gegen die Pforte (1737—39) mitgemacht
und nach erhaltenem Abschied zn Czu-
rendorf einen herrschaftlichen Gasthof ge-
pachtet. F. erhielt in der Taufe den
Namen Ignat ius, in Folge der Begei
sterung seiner Mutter für den Stifter
des Ordens der Gesellschaft Jesu. Den
Namen Aurel ius legte er sich selbst bei
ans besonderer Vorliebe für den h. Au-
gustin, der auch diesen Namen trug, und
in dessen Meditationen er eine der seini-
gen ähnliche Geistesrichtung zu fiuden
glaubte. Im Elternhause erhielt F. eine
streng religiöse Erziehung. Die Mutter
schärfte ihm ein, die Beispiele der Heili-
gen nachzuahmen und wiederholte ihm
immer den Grundsatz: „daß alles Wissen
nutzlos sei, wenn es nicht auch das Thun
als nothwendige Folge nach sich zöge".
Als F.'s Vater seinen Pacht mit einem
Dienste bei dem Weihbischofe Gann in
Raab (1764) vertauschte, kam der Knabe
auch dahin und erhielt den ersten Unter-
richt in der lateinischen Sprache; 1768
ging er nach Preßburg zu seinem Oheim
Andreas, um die Ingenieurkunst Zu ler-
nen, aber als dieser als Geometer nach
Croatien reisen mußte, kehrte F. nach
Preßburg zurück. Damals bereits zeigte
sich die mystische Richtung, welche F. iu sei-
nem Leben einschlug und die einen Haupt-
zug seines Charakters bildet; denn da-
mals schon, erst 12 Jahre alt, verfaßte
er ein Gebetbuch in lateinischer Sprache
und widmete besondern Fleiß den kateche°
tischen Uebungen. Im I . 1770 kam F.
in die lateinische Schule nach Preßburg,
im folgenden Jahre nach Raab zurück und
trieb vorzugsweise Philologie unter derLei-
tung des kenntnißreichen Jesuiten Auto-
uius Mancin i . Dabei hielt er an dem
Grundsatze der Mutter fest, nämlich an
einer steten Vereinigung des Thnns mit
dem Wissen und folgte auch ihrem Bei»
spiele in einem bis auf's Höchste getrie-
benen Wuchern mit der Zeit, was er sein ganzes Leben befolgte. Als er 1772
in den Orden der Gesellschaft Jesu ein-
treten wollte, wurde ihm seiner Jugend
wegen — F. zählte 16 Jahre — der Ein-
tritt versagt. Auf den Vorschlag seines
mütterl. Oheims Georg Kneidinger,
der Philosoph. Lector im Kapuzinerkloster
zu Ofen war, trat er 9. Juli 1773 als
Noviz in dcn Orden der Kapnziner; am
9. Juli 1774 legte er das Ordensgelübde
ab. Die Idee, ein Märtyrer für den
Glaubeu zu werden, beschäftigte ihn da-
mals oft. Im Kloster Besnijiö — zwei
Stunden von Pesih — kasteite
sich F. und
lebte seinen Pflichten. Die Bekanntschaft
mit dem Freiherrn Podmanizky, der
auf seiuem Schlosse unweit von dem
Kloster lebte, gab F. Gelegenheit, die Bi-
bliothek des Barons zu benutzen. Fleu-
ry's „Abhandlungen über die Kirchen-
geschichte" und Muratori 's „Tractat
von der wahren Andacht" waren es,
welche F.'s Gedankengängen eine andere
Richtung gaben nnd seinen Mnth, im
Mönchstande auszuharren, brachen; mit
dieser Zeit begann ein beständiger Kampf
seines Glaubens mit seinem Denken, der
durch das Erwacheu des Geschlechtstriebes,
nachdem erHoffmannswaldau's Ge-
dichte gelesen, nur noch heftiger wnrde.
1775 Anfangs September kam er in's
Kloster nach Großwardeiu, wo er schola-
stische Philosophie studirte und
sich
die Liebe
der Domherrn und des Bischofs erwarb,
die ihn reichlich mit Büchern beschenkten.
1776 kam er in's Kloster Schwächat bei
Wien und nun begannen seine trübsten
Tage. Die mitgebrachten strengtheologi-
schen Werke wurdeu ihm abgenommen,
die Benützung der Klosterbibliothek ihm
untersagt. I n seiner Noth wendete sich
F. imIän. 1777 anEybel (s.d.S. 118
d. Bds.), Professor des Kirchenrechtes in
Wien, der ihm heimlich seine Schriften
zu lesen gab. Schwere Klosterstrafen für
kleine Vergehen reizten noch mehr sein
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Egervári-Füchs, Volume 4
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Egervári-Füchs
- Volume
- 4
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1858
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 422
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon