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Methode gewöhnlicher Lebensbeschreibungen
abweichend, mit tiefem Blicke in die Seele
seines Objectes, dessen Leben aus F.'s Tage-
buchblättern, Aufzeichnungen und anderen
hinterlassenen Papieren; der Ausgangspunct
dieser meisterhaften Seelenbeschreibung ift eine
Reflexion F.'s: „Man wird zu Allem gebo-
ren; warum nicht auch zum Reinmenschlichen?
Gewiß, es gibt geborene Menschen, wie
es geborene Poeten gibt", welche im Ganzen
und Großen auf F. selbst und zunächst Paßt.)
— Geist deutscher Classiker. Eine Blumenlese
ihrer geistreichsten und gemüthlichsten Gedan-
ken, Maximen und Aussprüche. Herausgeg.
von Ernst Freih. von Feuchtersleben (Pesth,
Wien 1858, Hartleben). Der erste Theil dieses
nicht genug zu empfehlenden Sammelwerkes:
„Goethe" enthält als Einleitung F.'s Bio-
graphie sdaselbft heißt es wörtlich: „Die
Vorfälle des 6. October erschütterten ihn ge-
waltig, sie waren die letzten Streiche auf sein
tiefverletztes Gemüth. I n ländlicher Einsam-
keit suchte er eine Zeitlang Heilung für sein
schwer verwundetes Inneres, aber er erhob sich
nicht mehr und es ift keine Phrase, wenn
man sagt, F.'s Tod war die Folge des 6.
Octobcrs." Seine letzten an seine Gattin
gerichteten Worte waren: „Es ift Alles ge^ -
ordnet und fertig. Ich muß jetzt gehen. Auf
einem lichteren Sterne beginnt es wieder.")
— Almanach der kais. Akademie der Wissen-
schaften (Wien, 8°.) I I I . Jahrg. (1853) S.
55—69: „Autobiographie" Inach diesem gest.
2. Sept. 1849, was unrichtig i A — Blatter
für literarische Unterhaltung (1858) Nr. 21,
S. 390 - und Nr. 22, S. 399. — Faust.
Herausgegeb. von M. Au er (Wien, gr. 4°.)
1857, Nr. 8 und 9: „Ernst Freih. v< Feuch-
tersleben. Aus brieflichen Mittheilungen von
V5ilh. v. Metzerich" lmit dem mcht ganz gut
getroffenen Bilde des Dichters auf S. 721. —
Neuigkeiten (ein Brünner Blatt, Fol.) 1857,
Nr. 119 im „Historischen Erinnerungs - Ka-
lender" Inach diesen geb. 29. April 1806). —
Wanderer (politisches Blatt in Wien) 1849
im Monat September: „I)r. Ernst Baron
Feuchtersleben" (von Dr. Ludwig August
Frant l) . — Derselbe 1861, Nr. 236:
„Nachricht über das Gedachtnißfeft für Dr.
E. Freiherrn von Feuchtersleben" — und im
Feuilleton: „Naturkunde und Poesie. Vortrag
bei der Gedächtnißfeier für Feuchtersleben"
(von Dr. Ludwig August Fran kl). —
Steger (Dr. Fr.), Ergänzungs-Conversa-
tions-Lexikon (Leipzig u. Meißen, Lex. s°.)
V. Bd. S. 702. — Oestr. Nat.-Encyllopädie
(von Gräffer und Czikann), (Wien 1835)
II . Bd. S. 130 Wer ihn und seinen Bruder Eduards — Frankl (Ludwig Aug.), Sonn-
tagsblätter (Wien, gr. 8".) 1843 (II. Jahrg.)
S. 616: „Ein schwarzer Prinz." — Diesel-
ben 184!. (III. Jahrg.) S. 30: „Briefe von
Karoline Pichler" lauf S. 32 wird aus einem
Briefe des Dichters eine Stelle über F. und
dessen Ansicht über die Rah ei mitgetheilt^.
— Illustrirte (Leipziger) Zeitung 1851, Nr.
132, 133 und in einer der nächsten Nummern:
„Todtenfeier zur Erinnerung an Ernst Frei-
herrn von Feuchtersleben" lbei dieser Gele-
genhnt wurde eine Gedächtniß-Medaille ver-
theilt und Dr. L. A. Frankl , dem Verewig-
ten seit Jahren persönlich nahe stehend, hielt
einen Vortrag, worin er die merkwürdige
Wahlverwandtschaft nachwies, warum gran-
dioses Nachforschen so häusig mit dichterischer
Thätigkeit zusammenhänge). — Urtheile über
Feuchtersleben als Schriftsteller. Gotisch al l
(Rudolph), Die deutsche National - Literatur
in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
(Breslau 1855) II. Bd. S. 205. ^„Weit über
allen diesen Lyrikern (Vogl, Tschabufchnigg,
Nordmann, Bach, Prechtler, Carl Hugo u. A.)
steht in geistiger Beziehung der geniale Diä-
tetiker der Seele Freiherr Ernst v. Feuchters-
leben . . . I n seinen Dichtungen bewegen wir
uns auf der Höhe einer philosophischen Welt-
bildung, die durch ein feines ästhetisches Ge-
wissen geregelt wird. Hier fällt der Schwer-
punct nicht auf Klänge der Empfindung oder
auf bunte Lebensbilder, fondern auf die gedan-
kenvolle Offenbarung einer Weltanschauung,
welcher Ruhe und Frieden der Seele das höchste
Ziel und die Harmonie der „Physis" ein we-
sentliches Mittel, die Psyche ungefährdet zu
erhalten " — Mundt (Theodor I)r.),
Geschichte der Literatur der Gegenwart (Leip-
zig 1853, 8°.) 2. Aufl. S. 697 sEine gehalt-
volle und ansprechende Individualität war F.,
der als Dichter, Arzt und Staatsmann einer
bedeutenden und in dem tiefsten geistigen
Zusammenhang stehenden Wirksamkeit sich
hingegeben hatte. Seine Gedichte sind zu sehr
künstliche Producte der Reflexion, um für
einen erschöpfenden Ausdruck seiner eigenthüm«
lich in sich bewegten Individualität gelten zu
können, die in den „Beiträgen zur Literatur,
Kunst und Lebenstheorie" und in der vielge-
lesenen Schrift zur Diätetik der Seele auf
eine entsprechendere Weise sich zu erkennen
gibt.") -^ Blätter für literarische Unterhaltung
(Leipzig 1858, Brockhalls, 4°.) 3lr. 21, S. 390.
— Handschrift. Adolph Henze in seiner
Schrift: „Die Handschriften der deutschen
Dichter mu Dichterinnen" (Leipzig 1855,8°.)
S. 36 charakterifirt F.'s Schrift: „Kühne
Züge mit Bewußtsein, Klarheit, Selbftver-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Egervári-Füchs, Volume 4
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Egervári-Füchs
- Volume
- 4
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1858
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 422
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon