Page - 255 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Egervári-Füchs, Volume 4
Image of the Page - 255 -
Text of the Page - 255 -
255
geben und ihn sich ganz der Musik wid-
men. Bald wurde er? einer der gesuch-
testen Clavierlehrer Wiens. Schon 1833
ward er zum Professor am Wiener Con-
servatorium ernannt und bildete als sol-
cher manchen tüchtigen Schüler. I n den
letzten Jahren gerieth er aber mit der
Direction in Mißhclligkeiten, welche seine
Entlassung zur Folge hatten, seit welcher
Zeit er zurückgezogen seinen Studien
und dem Unterrichte lebte. Nach drei
Seiten: als Lehrer, Co m p on i
st
und
Schriftsteller entfaltete F. eine be-
merkenswerthe Wirksamkeit. Als Lehrer
war er in manchen Kreisen beliebt, und
gaben ihm seine geselligen Manieren,
seine allgemeine Bildung den Vorzug vor
Allen, welche über der Musik alles Andere
vergessen. Als Componist hat sich
F. in frü-
heren Jahren versucht, Seidls „FlinZrrln
tnr eine Aingstimine mit Begleitung des Pianofurte",
drei Hefte (Wien 1829, Leidesdorf), com-
pouirt; das Bedeutendste leistete er als
ausübender Künstler, als welchen ihn
ein tüchtiger Musiker „unter allen am
Wiener Platze wirkenden Trägern des
Virtuosenthums (im edleren Sinne) ganz
unbedingt den einzigen, seiner Aufgabe
durchaus klar bewußteu, daher pietät-
vollen, streng gewissenhaften B ach-, B e e-
thoven-, Mendelssohn- u. Chopin-
spieler" charakterisirt, wie es F. über-
haupt war, welcher Bach, Mendels-
sohn, Chopin, der jung ern clavierler-
nenden Wiener Generation vorführte.
Als musikalischer Schriftsteller
trug F. zum bessern Verständnisse der
Musik bei. Seme Theorie der Trausfto-
sitionslehre erfordert vorausgegangene
tüchtige Schulung. Kleinere Aufsätze theo-
retischen n. histor. Inhaltes erschienen in
Musik-Journalen u. a.: „Veber dir Aussas-
Znng uün ZnstrllNlentlü-OllMpllSltillnell in Hinsicht
des Sriimlläzes, namentlich bei NeeilMen'Scheil
Verkcu"; selbständig gab er heraus den
„Versnch einer HeHichtr t>r2 6lauielbnne5"(Wien 1854, 8°.) ans Anlaß der großen Lon-
doner Ausstellung 1851, dessen Haupt-
vorzug eiuige schätzbare Daten nach Mit-
theilungen vonLondoner,Pariseru.Wiener
Fabrikanten bilden; und eine „AbtMülnng
nber Geschichte der Musik.", durch seine Vor-
träge im Conservatorium veranlaßt.
F. war Mitglied mehrerer Musik-Ber-
eine und ging bei Gelegenheit des Beet-
hoven-Festes als Deputirter des Wie-
ner Conservatoriums nach Bonn. Seine
reiche, tresslich geordnete Musikalien-
Sammlung und Bibliothek ^vergl.darüber
das Folgendes stand mit großer Bereit-
willigkeit jedem Musikfreunde offen.
Monatschrift für Theater und Musik (Wien, I .
Klemm, 4°.) 1857 (III. Jahrg.) S. 460 leine
scharfe und geistreiche Beurtheilung F.'s). —
Jüd. Plutarch (von Franz Graff er) (Wien
1848, Eurich, 8".) Zweites Alphabet S. 52.
Biographie vou Phi lokales Inach diesem
geb. zu Butfchowitz in Mähren 1804). —
Jüdisches Athenäum (Grimma und Leipzig
1851, 8".) S. 38. — Presse (Wiener Journal,
Fol.) 1857, Nr. 154 im Feuilleton: „Nekro-
loge. Anton Schund und Joseph Fischhof." —
Oestr. National-Encyklopädie (vou Graff er
u. Czilann), (Wien 1835) VI. Bd. Suppl.
S. 438. — Schi l l ing (Gustav Dr.), Das
musikalische Europa (Speyer 1842, Neidhard,
gr. 8".) S. 97. — Allg. Wiener Musikzeitung,
heransgeg. von Aug. Schmidt (Wien, 4".)
1842 (II. Jahrg.) Nr. 89: „Allerlei von Dr.
A. I . Becher" Mer ein an F's Compositio-
nen der „Flinserln" von I . G. Seid l von
einem gewissen H el st i g in London begange-
nes Plagiats — Dieselbe 184? (VU. Ihrg.)
Nr. 148, S. 595 Mhercs über Fischhofs
reich bestellte Bibliothek). — Porträt. Unter-
schrift: Facsimile des Namens; ^os. I^iseli-
kol. Gemalt von A. K. 1857. Druck von
I . Haller, lith. von F. Leybold. gr. 4". —
Neb er F/s Musikalien-Sammlung erschien
August 1858 ein Heft (19 S.) unter dem
Titel: „Die musikalische Bibliothek des ver-
storbenen Professor Joseph Fischhof in Wien"
(Druck von A. Pichlers Witwe u. Sohn, 8«.)
sin derselben ist der musikalische Theil, nämlich
classische Musikwerke, Compositionen aller Art
glänzend vertreten. Unter andern befand sich
darin eine Masse ungedruckter Werke von
Johann Seb. Bach; auch die Autographen-
Sammlung enthält werthvolle Stücke, so
z. B. allein 60 Blätter von Beethov en.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Egervári-Füchs, Volume 4
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Egervári-Füchs
- Volume
- 4
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1858
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 422
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon