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Frist, Paul (Mathematiker,Phy-
sikeru. Astronom, geb. zu Mailand
13. April 1728, gest. ebenda 22. Nov.
1784). Seine Familie niederer Abkunft
stammt aus Straßburg und ihr Ursprung
lich deutscher Name mochte wohl Friese
geheißen haben. 15 Jahre alt, trat F. in
den Orden der Barnabitcn, wo
sich
bald
seine Vorliebe für Mathematik und Geo
metrie zeigte, er aber von seinen Obern,
welche diesen Hang für weltliches Wissen
todten wollten, alsbald nach Pavia gesandt
wurde, um Theologie zu studiren. Frisi
studirte Theologie, trieb aber nebenbei
fleißig Mathematik, so daß er, 33 Jahre
alt, die Abhandlung über die Gestalt und
Größe der Erde schrieb, wodurch er sich
den Ruf eines der geschicktesten Mathe-
matiker seiner Zeit erwarb. Da ihm
alle Mittel fehlten, seine Arbeit drucken
zu lassen und der Orden davon nichts
wissen wollte, fand er an dem Grafen
Donato Silva einen Mäcen, der den
Druck auf sich nahm, und nun machte
das Werk solches Aufsehen, daß seine
.Klosterobern es nicht länger wagten, ihn
in seinen Lieblingsftudien zu stören. Der
König von Sardinien verlieh nun F. den
Lehrstuhl der Philosophie am Barnabiten-
Collegium zu Casale, wo er mit dem
Mathematiker Nadicati in enge Ver-
bindung trat und durch die Lccture der
neueren philosophischen und historischen
Werke wieder das Misfallen seiner Obern
sich zuzog, die dergleichen für einen Mönch
nicht paffend fandeinund ihm nun das
Predigeramt in Novara übertrugen. Als
ihn aber die Pariser Akademie 1753 zu
ihrem correspond. Mitgliede ernannte,
beriefen ihn seine Obern, den Stolz über
diese Auszeichnung mitempfindend, als
Professor der Philosophie an das große
St. Alexanders-Collegium in Mailand.
Nun fand seine oberwähnte Schrift, die
immer mehr in's Publicum gedrungen
war, einen Gegner; cm Priester der Gesellschaft Jesu erklärte alles darin für
Hypothese und warf ihm vor, durch An-
nahme englischer u. französischer Systeme
den wissenschaftlichen Ruhm Italiens ge-
schmälert zu haben. F. widerlegte seinen
Gegner ftergl. weiter unten die Ueber-
sicht feiner Werke) und schrieb auch noch
ein anderes Werk, worin er den Orden
seines Gegners angriff, welches auf
den Rath seines Bruders Anton Franz
ungedruckt blieb. Alles dies brachte ihn
aber mit den Gelehrten des, Auslandes,
namentlich mit den Encyklopädisten, als
mit Condorcet, Bail ly, La Conda-
mine, K6ralio u. A. in engere Berüh-
rung. Sein neues Lehramt in Mailand
gab ihm Gelegenheit sich hervorzuthun,
er hatte bei seinem Geschicke sich
zu be-
nehmen, Zutritt in die besten Gesellschaf-
ten; was ihm wieder von Seite seines
Ordens Vorwürfe eines weltlichen Lebens-
wandels zuzog. Um den Folgen solcher
Anklagen künftighin zu entgehen, suchte er
auswärts eine Stelle und fand sie
1756
inPisa, an derenUniversitätihnGroßherzog
Leopold vou Toscana berief. Bis 1764
blieb er dafelbst und folgte in diefem
Jahre einer Berufung nach Mailand in
gleicher'Eigenschaft und mit gleichen Be-
zügen. 1768 begab er sich nach Wien,
wo ihm höchsten Ortes die huldvollsten
Beweise der Hochachtung wurden und
man ihn zu den Berathungen zuzog, die
damals über den Zwiespalt zwischen Kai-
ser und Papst gepflogen wurden. Nach
Mailand zurückgekehrt, machte er Anstal-
ten, das Mönchskleid mit dem weltprie-
sterlichen Gewände zu vertauschen, was
ihm auch gelang, da ihm Papst Piu s VI.
die Dispens ertheilte. Bis zu seinem
49. Jahre war F. nicht krank gewesen,
nun befiel ihn ein Leiden, das acht Jahre
später eine chirurgische Operation nöthig
machte, die eincn tödtlichen Ausgang
nahm und den Mann im Alter von 56
Jahren der Wissenschaft entriß. F. hatte
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Egervári-Füchs, Volume 4
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Egervári-Füchs
- Volume
- 4
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1858
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 422
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon