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mit dem Klosternamen Johann Clau-
dius vertauschte. Nachdem er in meh
reren Klöstern seines Ordens zugebracht
und ganz andere philosophische Ansichten
aussprach, als man in seinem Orden
lehrte, wurde er nach Pisa an die Hoch-
schule geschickt, wo er unter Guido Grandi
bald eine solche Liede zur Mathematik
beurkundete, daß ihn dieser zu seinem
Supplenten wählte. Später erhielt er
die Lehrkanzel der Logik und 1745 jene
der Physik. Damals begann das Stu-
dium der Chemie aufzuleben. F.'s Be>
mühungen gelang es, daß ihm eine eigene
Lehrkanzel eigeräumt wurde. Nach Tar
gioni - Tozetti's Werk: „^tissie
war F. der Erste, der die Hilfeleistung
bei Ertrunkenen in Anwendung brachte,
die vordem, ohne einen Versuch sie in's
Leben zurückzurufen, begraben wurden
F. zählte überhaupt zu jener Gattung
von Forschern, welche wenig schreiben
aber viel denken. Bot sich ihm Anlaß zu
Forschungen, so konnte man auch zuver-
lässig auf seine Beobachtungen bauen.
So geschah es, daß ein aus pestbehaf-
teter Gegend mit Oel befrachtetes
Schiff in einen englischen Hafen einlief
und die Ladung verbrannt wurde.
Zweifel, ob das verbrannte Oel nicht
die Luft verpesten könne, veranlaßten
ein ärztliches Gutachten. Das von dem Dr.
Gentili in Livorno erstattete siel dahin
aus, daß dieses Feuer keine Gefahr nach
sich ziehen könne. Als dieses Gutachten
an die Universität nach Pisa zur Prüfung
geschickt worden, war F. der einzige der
Professoren, welcher seine Unterschrift
für dieses Document verweigerte. Pro-
fessor Gentili gab aus diesem Anlaß
eine I6tt6i-N üiosoücg. (zuerst in Lucca,
dann in Florenz) heraus, worin er diese
Weigerung zu widerlegen suchte. Nun
erst schrieb F. die ^Ki^o^a apologstica a^psstati eco. eec.
1745). F.' befolgte in
diesem Werke eine Richtung, wodurch es
ein allgemeines Interesse gewann und
behandelte in den 12 Abschnitten dessel-
ben Ursprung u:id Natur mehrerer Flüs-
sigkeiten. Der Abschnitt über die Bil-
dung des Regens ist einer der gehalt-
vollsten, der die Naturforscher jener Zeit
zum Nachdenken über manche bisher wenig
beobachtete Erscheinungen aufforderte und
manche nützliche Beobachtung zur Folge
hatte. Im Verlaufe seiner Arbeit war
F. auf Ergebnisse in seinen Forschungen
gekommen, welche nicht in den Rahmen
seiner Schrift mehr paßten und die er in
seinen folgenden Arbeiten: ^?>attaw
o 1754);
incipia" (?i83.1753); — „
1759) niederlegte; er stellte darin u. a.
seine Theorien auf über das Streben
nach einer allgemeinen Consolidirung,
über das Zusammenziehen des Herzens
durch eine Physische Kraft, welche Ansicht
jener von L. Bell ini und Boerhave
entgegenstand; und wobei er die chemi-
schen. Einflüsse der Luft im Blute noch
nicht kannte u. dergl. m. Außer diesen
Schriften gab er schon früher heraus:
clsiia nmec/ua cli Via^sM'o" (I>i'8g. 1839) ;
— „Ons lette^s 505,^ i'ottiea clsi^ . Ocr-
in den AovsIIk Istini'g.i'is 6i ki>
des I . 1741, worin er die Theo-
rie Newtons gegen die Angriffe Ca-
stels in Schutz nimmt und welche La mi
ohne Namen des Autors veröffentlichte;
und eine ^Aova et ^ene^aliH i^ t?-ocluetic>
^iam." (VkQkliiA 1748). Die
Akademie der Wissenschaften in Paris
hatte F. (1756) zum Mitgliede ernannt.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Egervári-Füchs, Volume 4
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Egervári-Füchs
- Volume
- 4
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1858
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 422
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon