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welches noch heute, nach beinahe, einem
Jahrhundert, maßgebend bleibt. Indessen
hatte GluckBailly's Libretto „iFkigenie
en ^ll^icle^ in Musik gesetzt und die Auf-
führung fand am 19. April 1774 in Pa-
ris statt, für welches die Oper geschrie-
ben^ war, und wohin sich G< im Sommer
1773 mit seiner Familie begab. Die —
für die damaligen Pariser Musikzustände
— neue Musik machte in Paris ungeheu-
res Aufsehen. Am 2. Aug. d. I . kam der
umgearbeitete „Oi/eo ' zur Aufführung,
und als im Jänner 1775 die ^kigenie"
mit noch größerer Sorgsalt in die Scene
gesetzt wurde, theilte sich das Pariser
Musit'pudlicum in zwei Lager und es
entstanden, wie eiust durch die Liebe:
Uokt^cki k OäMietti, nun durch die
Musik zwei Parteien: Gluckiften und
Piccinisten, welche in der Geschichte der
Musik ein Ereigniß bilden, und deren
Uebertreibungen, durch die Memoiren-
schreiber jener Zeit erhalten, die uns
eine Fülle von Bonmots und pikanten
Vorfällen dieser Episode erzählen, uns
noch in der Gegenwart anziehen und er-
götzen. ^Der Streit dauerte übrigens
forl oder eigentlich erreichte seinen Höhen-
punct bei G.'s zweiter Anwesenheit in
Paris im I . 1776.) Der Sieg stand auf
G.'s Seite, ruhmgekrönt, mit Gold reich-
lich belohnt, kehrte G. 1775 über Straß-
burg, wo er Klop sto ck persönlich kennen
gelernt, nach Wien zurück. Noch wäh-
rend seiner Triumphe in Paris warb er
aber mittelst Decret vom 18. Oct. 1774
zum kais. Kammermusikus mit 2000 fl.
Iahrgehalt ernannt. Bor seiner Abreise
aus Paris hatte G. die Oper „Kolan<i"
von Quinaul t zur Komposition erhal-
ten. Durch eine Intrigue geschah es, daß
auch P icc in i dasselbe Libretto erhielt.
Glücklicher Weise erfuhr G. dies noch zu
rechter Zeit, legte nun den „Kolanä" bei
Seite und componirte neu für Paris seine
ältere Oper (aus dem Jahre 1767) „^ l - '^ welche aber bei der ersten Auffüh-
rung in Paris (23. April 1776) so zu.
sagen durchfiel; hingegen wuchs der Er-
folg der „H/iigenis < von einer Borstel-
lung zur andern, und der Streit der
Gluckisten und Piccinisten rief eine Fluth
von Tagesschriften, mit mehr oder weni-
ger Geist verfaßt, in's Leben. Unter die-
.seu behaupten die ^ketti-ss äe 1'2.110-
u^iue äi VaüFirarä^) unter welcher
Chiffer sich Suard (geb. 15. Jan. 1734,
gest. 20. Juli 1817, Mitglied der ^og.ä.
I?l.) verbarg, die erste Stelle durch den
Geist und die Feinheit, mit der sie ge-
schrieben sind. I m I . 1777 kam Glucks
,.^m.icla" nach Qu inau l t s Libretto,
in Paris zur Aufführung (23. Sept.),
mit welcher Composition der Tonheros
neue Erfolge feierte. Nach seiner Rück-
kehr aus Paris beschäftigte sich G. mit
einem neuen Werke für Paris, es war die
„HMZenie en. ^ait^icle", mit welcher er
sich am 30. Nov. 1778 nach Paris begab
und deren erste Aufführung am 18. Mai
1779 stattfand. Auch mit ihr feierte G.
den glänzendsten Erfolg; minder gefiel
sein letztes im nämlichen Jahre vollendetes
Tonwerk: „Fcko et I^aT-c^e^^ welches
auch zuerst in Paris zur Aufführung kam.
Seit dem 1.1780 ruhte G. auf Lorbeern
in Wien aus. Als 1783 der Preuß. Hof-
capellmeister, derselbe, den Goethe und
Schi l ler in ihren 3euien hart mitgenom-
men hatten, Wien besuchte, machte er
G.'s persönliche Bekanntschaft und beide
Componisten befreundeten sich. Was G.
außer den angeführten Opern an Kir-
chenmusik und Gesangsstücken componirt
hatte, wird weiter unten, wo G.'s Werke
aufgezählt werden, angeführt. Sein letz-
tes Werk war: „I?e/«genant tisr-nie?-",
Text von Chev. Roger, für die Pariser
6ooi6t6 ä '^o l lon in Musik gesetzt;
bald nach Vollendung desselben erlag er
einem zweiten Schlaganfalle — der erste
hatte ihn im I . 1783 getroffen — im
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Füger-Gsellhofer, Volume 5
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Füger-Gsellhofer
- Volume
- 5
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1859
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 426
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon