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Kossuth belohnte nun Görgei mit
dem Patent als Feldmarschall-Lieutenant
und dem militärischen von der ungar.
Regierung gestifteten Orden xour 1e
m6rit6. G., über diesen Firlefanz des
Dictators in spe lachend, lehnte beide
Ehren ab. Aber nun wendete sich das
Kriegsglück. Die Russen waren über die
Karpathen den Oesterreichern zu Hilfe
gekommen. G. wurde beiZsigard und
P er ed zurückgedrängt, beiRaab geschla-
gen, bei Acs (2. Juli) verwundet. Kos-
fuths alte Eifersucht gegen G. benutzte
diese Verwundung und M e ß aros wurde
zu seinem Stellvertreter ernannt. Aber
G.'s Anhänger widersetzten sich dieser
Maßregel. G. behielt den Oberbefehl,
jedoch die Erfolge stellten
sich nicht besser.
Wohl machte er Schritt für Schritt den
vordringenden Gegnern das Terrain
streitig, hatte noch
siegreiche
Tage bei
Sajo und Hern od, aber die Niederlage
seines Collegen NagySandorbeiDe-
breczin (2. August) eröffnete die Reihe
von unglücklichen Tagen. G. nahm ge-
gen Arad seinen Marsch, um dort die
Verbindung mit der Südarmee zu be-
werkstelligen. Er erreichte Arad (10.
Aug.), als er die Nachricht erhielt, daß
die Südarmee bei Temesv2.r geschla-
gen ward. Das Drama war seiner Lö-
sung nahe gekommen. Görgei hatte sich
entschlossen, die Waffen zu strecken und
sich den Russen zu ergeben. In der Nacht
vom 10. auf den 11. erhielt er von Kos-
suth die Dictatur und schon am 11. be-
gann er mit General Rüdiger wegen
der Capitulation zu unterhandeln. Zwei
Tage später (13. Aug.) fand die Waffen-
streckung bei Vil lagos statt, 20,000
Mann Infanterie, 2000 Mann Caval-
lerie und 130 Kanonen ergaben
sich den
Russen. G., der seine Person gesichert
hatte, erhielt nunmehr Klagenfurt als
künftigen Aufenthaltsort angewiesen und
thatsächlich lebt er seit der Zeit in der freundlichen Hauptstadt Kärntens, mit
dem Studium der Chemie beschäftigt und
in kleineren Kreisen Vorträge über phy-
sikalische Chemie haltend. Die mannig-
fachen Angriffe, die bald nach der Kata-
strophe von Villagos vou Berufenen und
Unberufenen über seine Wirksamkeit in
Ungarn in Zeitungen und Werken er-
schienen waren, mochten ihn bewogen ha-
ben, sein Schweigen zu brechen, und er
gab heraus sein Werk: „Mein Beben und
Wirken in Ungarn", welches eine Reihe von
Gegenschriften zur Folge hatte (vergleiche
die folgende Literatur). Wir lassen für
einen zukünftigen Geschichtschreiber eine
reiche Anzahl von Quellen folgen, welche
für und wider G. sprechen, deren kriti-
sches Ergebniß einer späteren minder be-
fangenen Zeit vorbehalten bleiben muß.
Die obige Darstellung gibt, ohne in die
Motive einzugehen, die festgestellten That-
sachen seiner Auflehnung gegen den recht-
mäßigen König. Sein Charakter wird vou
den verschiedenen Parteien mehr oder we-
niger grell geschildert. In wie weit die
Mittheilungen der „Weser Zeitung" und
nach dieser des Frankfurter Unterhal-
tungsblattes: „Didaskalia" 1851, Nr.
290 auf Wahrheit begründet sind — nach
ihnen bezieht G. österreichischer Seits
eine Iahrespension von 3000 st. und
hätte er von Rußland 60,000 Rubel in
zwei Sendungen: die erste in 20,000,
die zweite in 40,000 Rubel empfangen
— müssen wir dahin gestellt sein lassen
und nur einfach davon Notiz nehmen;
wie auch davon, daß seine Frau ein mäch-
tiger Hebel bei seinen Plänen und seinem
Sturze in Ungarn gewesen. — Einer
seiner Brüder: Stephan (geb. in der
Zips 1825), studirte in Pesth die Rechte,
trat aber, als die Revolution ausbrach,
in die Reihen der Insurgenten, wo er
Hauptmann wurde. Jetzt lebt er als Ad-
vocat in Pesth. Gedichte und Novellen
von ihm befinden sich zerstreut in Iour-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Füger-Gsellhofer, Volume 5
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Füger-Gsellhofer
- Volume
- 5
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1859
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 426
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon