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I). 477 zu dem Namen des Dichters einfach
beisetzt: osloore pokts ära.inatig
alismanä äu. XIX. siöolo, so haben sie als
Werke des Auslandes und über ausländische
Literatur mit wenig Worten dem deutschen
Dichter ein Necht widerfahren lassen, das
Gervinus, Hi l lebrand, Mundt u.
demselben widerrechtlich vorenthalten haben).
— Meyer (I.), Das große Conversations-
Lexikon (Hildburghausen 1853, Bibl. Inst.,
Lex. 8°.) XIII. Bd. S. 1028. Eine dürftige
Lebensskizze mit dem falschen Geburtsdatum
15. Jänner 1790. — Kittender?, Ts-P^nl
slovuioek, d. i. Taschen-Wörterbuch (Prag
1850, 12".) I. Bd. S. 520. — Illuftrirtes
Familienbuch des österr. Lloyd (Trieft, 4°.)
I I I . Bd. 1. Heft: „Ein Besuch bei Ludwig
Tieck" Enthält Mehreres über G.). — Ueber
Grillparzers Namen. Frankl (L. A. Dr.),
Sonntagsblätter (Wien, gr. 8".) 1846, S. 671
und wieder gedruckt im „Wienet Courier" 1856
Nr. 263: „Der Name Grillparzer" lHoltei's
Studie, die Entstehung des Namens des Dich-
ters, der das Einzige an ihm war, was
Hol t ei nicht gefällt, zu erklären^. — Die-
selben S. 695 zweiter durch Holtei 's ersten
angeregter Versuch, den Namen G.'s zu er-
klären. Ging Hol t ei philologisch zu Werke,
so schlägt Ar chieophilis, wie sich der For-
scher nennt, den historischen Weg ein). —
Wiener Courier (Bäuerle's Theaterzeitung)
1857, Nr. 187: „Der Name Grillparzer"
von C. A. K. — Zeitung für die elegante
Welt, herausg. von H.Laube 1843, S 1108:
„Grillparzer hat viel Unglück!" Miro erzählt,
wie G. auf seiner Ncise nach Griechenland
sich im österr. Gesandtfchaftshotel verbergen
und italienisch sprechen mußte, weil er ein
Deutscher ist und die Griechen in bester Furie
waren gegen die Deutschen. Der Dichter der
„Sappho" muß dies im Vaterland der Sappho
erleben: Wie gut war es, daß G. die Reise
nach Griechenland erst antrat, nachdem er
schon „das goldene Vließ" und die „Sappho"
gedichtet.) — Frankl (L. A. Dr.), Sonn-
tagsblätter (Wien, gr. 8°.) 1843, S. 103:
„Raimund und Grillparzer." — Dieselben
S. 866: „Reise in den Orient" — und
S 1099: „Rückkehr aus Griechenland." —
Dieselben S. 939: „Gräsin Hahn-Hahn und
Grillparzer." — Dieselben 1844 (III. Jahrg.)
S. 65, 560: „Grillparzers Libussa." —
G.'s Persönlichkeit. Ein treffendes Bild
derselben entwirft Laube: „Porträts helfen
dazu nicht viel, schreibt L., dieser Kopf ist
schwer zu treffen und die ganze Haltung gehört
dazu und der Wechsel gehört dazu, welcher
dies Antlitz und diese Gestalt mit den wech- selnden Gedanken Plötzlich färbt und bewegt.
Die Formen selber nichts Besonderes an die-
sem Manne von mittlerer Größe, der unschein-
bar dahin streift unter der Menge. Nur die
Neigung des Hauptes nach vorwärts und ein
wenig nach der Seite, wie man's Alexander
dem Großen nachsagt, hat etwas Eigenes.
Das immerwährende stille Sinnen und Trach-
ten scheint dieses Haupt mit feinem jetzt er-
grauenden Haare nach vorwärts zu neigen.
Das Auge sieht matt vor sich hin, die Züge
des leicht gerötheten Antlitzes ruhen still, fast
schlaff, und der vor sich hinschauende Dichter
wird der vorübergehenden Bekannten des
Dichters dann erst inne, wenn er vorüber ist.
Da fliegt denn eine liebreiche Theilnahme über
des Dichters Auge und Antlitz und die grü-
ßende Stimme klingt weich und angenehm.
Redet ihr ihn an, so habt ihr den Eindruck,
als hättet ihr ihn gestört und als wäre es
ihm lieber, wenn er unaufgehalten weiter
schreiten könnte. Aber eine wohlwollende Ge-
müthlichkeit gibt ihm ein Paar freundliche
Worte ein, welche fast zerstreut und einzeln
an die Luft kommen. Eine Frage indeß, welche
über den Allragssteg hinausspringt, fesselt ihn
sogleich und angenehm lächelnd und das blaue
Auge nun frei und völlig aufschlagend steht
er Rede. Jetzt sieht der lauschende Dichter mit
seinen anmuthigen weiblichen Eigenschaften
vor euch : dies wunderschöne große Auge ruht
klar und lieb auf Euch und dic weiche Tenor-
stimme verräth ein weiches, antheilvolles Herz.
Er versteht so leicht und so fein, wie ein
geschmeidiger Frauenverstand, er antwortet,
wenn er bei leidlicher Gesundheit ist, so plötz-
lich und schalkhaft wie ein Mädchen, cr drückt
so unwillkührlich seine Besorgniß aus wie ein
weiblicher Mund. Geht ihr mit ihm und
vertieft sich Euer Gespräch, so öffnet sich lang-
sam und immer sicherer und sicherer die reiche
Welt von Gedanken, welche von'der naiven
Frage fort und fort schreitet zur feinen tiefen
Bemerkung, zur weiten und prächtigen An-
schauung, welche in Eifer geräth, in Wärme
und Stärke, ja in Zorn. Jetzt ist dies sanfte
blane Auge fest und nachdrucksvoll, das ge-
beugte Haupt hat sich erhoben, der Fuß steht
still, die Handbcwegung und Stimme wird
scharf und bestimmt, Ihr hört einen Mann,
der nach allen Richtungen genau unterrichtet
ist und genau weiß, was er will, was man
wollen soll." — Oeftcrr. Parnaß, bestiegen
von einem heruntergekommenen Antiquar ..
(Frev-sing IHoffmann <k Campe in Hamburg)
bei Athanasius <k Comp., 8«.) S. 20. lAls
Curiosum setzen wir die Silhouette, welche
dieser Pamphletift von Gri l lparzer ent-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Füger-Gsellhofer, Volume 5
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Füger-Gsellhofer
- Volume
- 5
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1859
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 426
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon