Page - 355 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Füger-Gsellhofer, Volume 5
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des zu gedenken, welcher eine Eigenthum
lichkeit des berüchtigten Rathes der Zehn
beurkundet. Als nämlich G. dieses Blatt
eines Sonntags, wie es damals Sitte
war, an der eben abgebrochenen Kirche
S. Giminiano öffentlich ausstellte, erhielt
er vorerst von dem Nathe der Zehn eine
strenge Verwarnung, weil er es gewagt
hatte, auf dem Blatte auch die Di-omi zu
zeichnen, welche bei der Einfahrt in den
Hafen als Begleiter dienten, wovon aus
politischen Rücksichten nicht Jedermann
Kenntniß zu haben branchte. Acht Tage
später gab ihm aber derselbe Rath zu
wifseu, daß er die Zeichnung für sich
behalten möge, und ließ ihm unter Einem
eine Entschädigung von 200 Ducaten in
Gold für seine Arbeit anweisen. Dadurch
war das Blatt der Benützung von anderer
Seite entzogen. Die Tüchtigkeit seiner
Arbeiten lenkte die Aufmerksamkeit des
berühmten Marco Foscarini (s. d.
IV. Bd. S. 299) auf G., durch dessen
Vermittlung er den ehrenvollen Auftrag
erhielt, die alten auf Leinwand gemalten
Karten im Saale des Dogenpalastes,
genannt äeiio LonäO) zu rcstauriren.
Aus Anlaß dieser Arbeit gab er die Schrift
heraus: „H'ucn'nta cle5c^io?iL clslls bel-
AFn'ms ^ele Feo9?'tt^ <:/l,s c.l'a » '^novate eci
acc-)-65eiuts etc." (VsneäiF 1763). Doch
selbst Foscarini's mächtiger Schutz
sicherte ihn nicht vor den Nachreden sei-
ner Feinde und er erfuhr die Beschuldi-
gung, sich bei der Restauration Eigen-
mächtigkeiten durch Hinzufügung von Ein>
zelheiteu erlaubt zu haben. Erst nach
seinem Tode entlarvte Cardinal Placido
Zurla die Verläumdungen, und ganz
kam die Schuldlosigkcit G.'s zu Tage,
als man in der I^oooltg. Oori-sr die
ersten Entwürfc dieser Karten mit den
genehmigenden Unterschriften der Refor-
matoren des Unterrichts in Padua und
des Dogen selbst entdeckte. Ein anderes
Kartenblatt: „^alaeslinas ü'almla <3so- i et novo
et
<He/)?'0MFta etc. ete.
a Slan'o Agolini et a> Francisco
lini ciskneata" (II. 1 Uster
2 2l6t6r 12) befand sich noch vor meh-
reren Jahren im Besitze der Erben des
Architekten Angelo Fossati. Das Blatt
enthält außerdem eine große Menge sorg-
fältig gezeichneter Trachtenbilder und
ethnographischeSkizzen. G. verstand über-
dies auch mit dem Grabstichel umzuge-
hen ; Beweis dafür sind
die vielen Kupfer-
tafeln , welche
sich bei seinen Werken be-
finden, und die von ihm selbst gestochen
sind; unter anderen das gut gestochene
Porträt des Paolo Sarpi. Die bisher
angeführten Arbeiten G.'s sind es jedoch
nicht, welche seinen Namen allgemein be-
kannt und ihn selbst in die Reihe der um
die Menschheit verdienten Männer gestellt
haben. G. war vorzugsweise als Schrift-
steller thätig, und die Geographie, Ge-
schichte , Land- und Volkswirthschaft nnd
Naturgeschichte, verdanken ihm mannig»
fache, theils selbständig, theils in periodi-
schen Werken seiner Zeit gedruckte Werke
und Abhandlungen, u. z. aus dem Ge-
biete der Land- und Volks wirth-
schaft: 5)Ii Keti/isic). I/emoi-is ciockici"
1763, ?0l.); — im „6101--
ä'It2.Ua." 1765:
clsiis Batate 0
) c/ls/aT' ne HX^ebbero con. m<olto
utiie gl'Italiani" (I. Lä.); — „I,6tte,'ll
tarole
. 1768); — „
23"
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Füger-Gsellhofer, Volume 5
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Füger-Gsellhofer
- Volume
- 5
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1859
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 426
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon