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bei St. Anna und im Civil - Mädchen-
Pensionat, zugleich Lehrer der Katechetik
für geistliche Präparanden, als welcher
er praktisch und theoretisch sich wahrhaft
zum katechetischen Classiker ausbildete.
1802 wurde er niederösterr. Regierungs-
rath für geistliche Schul« und Studien-
sachen , und Mitglied der Convicts«Her-
stellungs < Hofcommifsion, 1806 Hofrath
und Referent für dasselbe Fach bei der
vereinigten Hofkanzlei; als solcher bear-
beitete er unter anderem das (erst 1817
erledigte) Organisations-Statut für das
Erzbislhum Salzburg und bereiste als
geistlicher Hofcommisfär 1808 ganz Ga«
lizien; 1812 erhielt er die Titularabtei
Ardagger und 1813 das Ehrendiplom
eines Doctors der Theologie von der
Wiener Universität. Am 8. Sept. 1816
zum Bischof von Laibach geweiht, lernte
er noch im 53. Lebensjahre slovenisch mit
solcher Ausdauer, daß er in dieser Sprache
selbst predigen konnte; hier opferte er Zeit
und Geld im Hungcrwinter von 1616
auf 1817 dcr Bildung und Thätigkeit
wohlthätiger Hereine, und begründete
das Laibacher Armen-Institut. Stets
mild und liebreich, dabei gelehrt und
ausdauernd, selbst tiefgläubig und eben
darum gemäßigt und gerecht gegen An-
dere, ihat er Wunder in der Besiegung
des hartnäckigsten Indifferentismus, näm^
lich solcher, die obwohl ohne Glauben,
übrigens sittlich tadellos leben und da-
durch alleiu ethisch Schwächere zum Un-
glauben verleiten. Mehrmals supplirte
er durch Visitation und Firmung in be-
nachbarten Diöcesen die dort fehlenden
Bischöfe. I n seinem Hause beherbergte
er oft die höchsten Personen der kaiserl.
Familie und 1821 selbst den russischen
Kaiser Alexander I., welcher seiner stets
mit größter Ehrfurcht gedachte. I n die-
sem Jahre erhielt G. die k. k. geh. Raths-
würde. 1823 ernannte ihn auf kaiserl.
Empfehlung P ius VII. zum Erzbischof von Salzburg, als welcher er im selben
Jahre von Leo XII . präconisirt wurde.
I n seiner neuen Stellung wirkte er als
eines der glänzendsten Glieder des Epi-
scopates; nicht nur, daß bei dem 1826
eingetretenen allgemeinen und bei dem
1828 gefeierten Salzburger-Jubiläum,
dann 1830 beim Herannahen der Cho-
lera und 1832 bei der Feier der vier-
zigjährigen Negierung Sr. Majestät des
Kaisers Franz I., G.'s herrliche Hirten-
briefe und Predigten an die Sprache der
Apostel erinnerten uud in allen Herzen
zündeten, scheute er trotz des höheren Al-
ters keine Mühe und Anstrengung, um
auch die fernsten Diöcesanen aufzusuchen,
zu belehren und zu unterstützen. Von
dem glücklichsten Erfolge gekrönt ward
die ebenso kluge als edle Weise, in wel-
cher er auf Beseitigung der von den Man-
härtern seit 1809 gehegten Irrthümer
hinwirkte, und ihren Häuptern die Be-
willigung zur Reise nach Rom erwirkte.
Auf diesen Visitationen zeigte er die
größteGewandtheit im Predigen; er fragte
die Seelsorger um die eben passenden
Themate und Predigte sofort darüber;
hier auch legte er durch Vergessen seiner
eigenen Bedürfnisse den Grund zu dem
schmerzlichen Leiden, das ihm zwar mehr-
mals durch Gasteins Heilquellen gemil-
dert wurde, endlich aber doch ihn über-
wältigte. Seine geistliche Negierung ver-
ewigte er untern Andern durch die Re-
stitution des uralten S. Nupprecht'schen
Collegial - Capitels von Seetirchen und
die Einführung der Michelbairn'fchen
Benedictiner statt der ausgestorbenen
Augustiner auf das Priorat Mülln; noch
in die fernste Zukunft wirkte er aber und
nicht blos für seine Diöcese durch den
liebevollen Einfluß, den er auf den ihm
mit inniger Treue anhängenden Fürsten
Friedrich Schwärzend erg, derzeitCar-
dinal-Erzbischof von Prag, im täglichen
stundenlaugen Umgang und auf die Ge-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Füger-Gsellhofer, Volume 5
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Füger-Gsellhofer
- Volume
- 5
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1859
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 426
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon