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Habsburg — Friedrich 268 Habsburg — Friedrich
Friede zwischen den beiden Brüdern —
denn Albrecht VI. war Friedrich's
Bruder — währte nicht lange. I n Wien
selbst bildeten sich Parteien und Ulrich
Holzer, Bürgermeister von Wien, stand
gegen den Kaiser, der in seiner eigenen
Burg belagert und nur durch die Hilfe
des zum Entsahe herbeigeeilten Georg
Podiebrad gerettet wurde. Ein Ver<
gleich kam nun 1462 zu Stande, aber der
Streit entbrannte von Neuem, als Fried«
r i
ch über seinen Bruder (1463) die Reichs-
acht aussprach, der bei Neustadt einen
Sieg errang und in Verfolgung weiterer
Vortheile nur durch den plötzlichen Tod
unterbrochen wurde. In Ungarn konnte
Friedrich nichts erwirken, die Ansprüche
auf das Königreich mußte er fallen lassen,
nur den Königstitel behielt er bei und
für den Fall. daß des Mathias Ge-
schlecht erlosch, das Erbfolgerecht. Zu
diesen Wirren und Unruhen gesellten sich
die mächtigen Besorgnisse vor einem
Türkenkriege, die, als 1433 durch Con-
stantinopels Fall das griechische Kaiser-
thum zertrümmert worden, sich nur noch
steigerten. Schon Papst Nikolaus V.
hatte zum Kampfe für das Kreuz aufge»
fordert; als er aber starb, entstanden neue
Zwiste betreffs der Papstwahl, da sich die
Stimmen der Churfürsten gegen den neu-
gewahlten Calixtus I I I . erhoben, und
nur dessen bald (1437) erfolgter Tod half
weiterem Zwiespalte ab. Nun wurde
A ene a s Sylv i u s, als Papst P iu s II.,
gewählt. Um der drohenden Türkengefahr
ein machtiges Gegengewicht zu bieten,
bedürfte es dringend der Einigkeit unter
den deutschen Fürsten, die aber damals,
wie schon früher und nachher, als traurigen
Gegensatz, das Bild der Zerrissenheit und
tiefsten Zerwürfnisse darboten. Die Fürsten
bekriegten sich untereinander, der Adel
und die Städter thaten ein Gleiches, und die Genossenschaften, Gewerbetreibenden,
Handwerkervereine nahmen durch Fehde-
briefe an diesen Wirren und Kämpfen
Theil. Es war eine heillose Wirthschaft,
der selbst dann nicht zu steuern war, als
die Türken ihre Eroberungen bereits durch
Kärnthen und Krain, ja schon bis Salz.
bürg ausdehnten. Die Sehnsucht nach
einem allgemeinen Landfrieden wurde
immer lebhafter und allgemeiner, aber
die Aussichten nach einem solchen immer
geringer. Mathias Corvinus strebte
nach Georg von Podiebrad's Tode
in Böhmen nach der Krone dieses Landes.
Darüber entspann sich ein langwieriger
Krieg mit Mathias, der selbst dann noch
mit Erbitterung geführt ward, als sowohl
die Staude Böhmens wie Ungarns über
die Bedingungen eines Friedens ernstlich
unterhandelten. I n dieser Noth richtete
Friedrich alle Hoffnung auf das Reich
und erwartete Hilfe von demselben, um
so mehr, als es ihm gelungen war, die
Wahl seines Sohnes Max zum römischen
Könige (16. Februar 1486) durchzusetzen.
Jedoch mit der Reichshilfe ging es nur
langsam von Statten. Erst wurde nur
ein großer und ein kleiner Heerzug bewil-
liget, dann wurde ein Landfrieden auf
10 Jahre errichtet, und nur in dem, dem
Stamme der Habsburger eigenthümlichen
Schwaben kam über Friedrich's Ver-
anlassung ein Bund zu Stande, der zu
Eßlingen (14. Februar und 9. März
1488), anfänglich bloß von Prälaten,
Herren, den zur St. Geyrgergesellschaft
gehörigen Rittern und von 22 Städten,
später aber von einer ansehnlichen Zahl
Fürsten und Churfürsten und von dem
Bunde der Löwenritter, geschlossen wurde.
Dieser Bund war geeignet, Ruhe und
Sicherheit mit größerem Nachdruck zu
erhalten. Auch war mittlerweile Mari«
milian's Krönung zu Aachen (9. April
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Volume 6
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Guadagni-Habsburg
- Volume
- 6
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1860
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 502
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon