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Habsburg — Johann 284 Habsburg — Johann
Maßnahmen, den mißlichen Ereignissen der
Dinge — herbeigeführt durch 'jeden Man-
gel einheitlichen Willens — eine bessere
Wendung zu geben, wurden durch die mitt-
lerweile verlorene Schlacht von Austerlitz
vereitelt, der alsbald der Waffenstillstand
folgte. I n Anerkennung seiner Verdienste,
deren Fruchtlosigkeit in den beabsichtigten
Erfolgen er nicht verschuldet hatte, erhielt
er in der 70. Promotion (22. Jänner
4806) das Commandeurkreuz des Maria
Theresien-Ordens. Nach dem Feldzuge
1803 setzte der Erzherzog seine Denk-
schrift auf, worin er die Ideen zur Orga-
nisirung eines Volkskrieges aussprach,
welche er spater in dem mit der bayerischen
Herrschaft unzufriedenen Tirol verwirk-
lichte. Indessen griff der Gedanke einer
allgemeinen Volksbewaffnung durch, und
Johann war es, der 1807 die inner«
österreichischen Provinzen, dann Salz-
burg und das Küstenland bereiste, und
überall die Landwehr orgQnisirte. 1809
brach der Krieg von Neuem aus und
begann in Italien. Der Erzherzog er-
hielt den Oberbefehl des Heeres, er
befehligte das achte und neunte Armee-
corps (42.000 Mann). Der Vicekönig
Eugen stellte ihm 70.000 Mann ent-
gegen. Am 9. April begannen die Feind-
seligkeiten; am 13. zog der Erzherzog in
Udine ein; am 15. schlug er die feindliche
Nachhut bei Pordenone, 500 Franzo-
senleichen deckten das Schlachtfeld, 1900
wurden gefangen, 2 Adler, 4 Kanonen
und Anderes erbeutet; Tags darauf
(16. April) schlug der Erzherzog den
Vicekönig bei Sacile und brachte ihm
einen Verlust von 3000 Todten und
Verwundeten, 6000 Gefangenen bei und
nahm ihm 1 Adler, 19 Geschütze und
14.000 Gewehre ab. So wurde der Vice-
könig zum Rückzüge über die Livenza
gezwungen. Aber die mißlichen, aus Deutschland eingelangten Nachrichten nö-
thigten den Erzherzog, die Fortsetzung
der Offensive aufzugeben und den Rück-
zug anzutreten; dabei war es seine Absicht,
die Verbindung mit Tirol herzustellen
und sich in Innerösterreich so lange zu
halten, bis er wieder die Offensive ergrei-
fen und durch einen Marsch gerade auf
Wien Napo leon 's Macht theilen
konnte. Mißgriffe einzelner Anführer ver-
eitelten diesen Plan. Er nahm nun den
Rückzug nach Ungarn, wo das heftige
Gefecht bei Raab (14. Juni) stattfand,
General Bianchi den Brückenkopf bei
Preßburg heldenmüthig vertheidigte und
dem Erzherzoge am 3. Juli aus dem
Hauptquartiere die Weisung zukam, mit
allen disponiblen Truppen zur bevor-
stehenden Schlacht bei Wagram mitzu-
wirken. Das war aber ob der Entfernung
des Weges und Erschöpfung der Truppen
nicht möglich. Der Erzherzog — der,
wenn er auch rechtzeitig eingetroffen
wäre, den Kampf kaum mehr hätte ent-
scheiden können, da Napoleon noch
große, gar nicht im Kampfe verwendete
Reserven ihm entgegeustellen konnte —
langte mit den durch forcirte Märsche
erschöpften Truppen am 6. um 2 Uhr
Mittags auf dem Scblachtfelde an, nach-
dem die Schlacht bereits 'geschlagen und
entschieden war; er zog sich nun nach
Komorn zurück, wo er Nachricht von
dem geschlossenen Waffenstillstände erhielt
und die drückenden Artikel desselben zu
vollziehen hatte. Einige vom Erzherzoge
unverweilt dem Kaiser vorgelegten An-
träge wurden zwar genehmiget, aber als
das Kommando der Armee nunmehr
an den Fürsten Johann Liechtenstein
überging, folgte der Friede, und der Erz-
herzog, welcher noch im Mai 1809 das
Großkreuz des Maria Theresien>Ordens
erhalten hatte, behielt nunmehr nur noch
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Volume 6
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Guadagni-Habsburg
- Volume
- 6
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1860
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 502
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon