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Hadsdurg — Johann 282 Habsburg — Johann
das Gmeral.Directorium des Genie- und
Fortificationswesens und der beiden
Akademien. An den Feldzügen der Jahre
1813 und 18l4 nahm er keinen Theil;
18li> erhielt er den Auftrag, die Be-
lagerung von ßüningen zu leiten, welche
Festung sich am 26. August ergab und
nun geschleift wurde. Nun unternahm der
Erzherzog eine Reise über Basel nach
Paris, wo er den Prinzregenten von
England im Namen des Kaisers begrüßte.
Am 20. October schiffte er sich mit
seinem Bruder Erzherzog Ludwig nach
England ein, wo beide Prinzen die
ehrenvollste ausgezeichnetste Aufnahme
fanden. Fragmente aus dem Tagebuche
der Reise beider Erzherzoge theilte zu
jener Zeit das Stuttgarter Morgenblatt
(1817, 1818 und 1819, siehe unten die
Quellen) mit. Im April 18! 6 kehrte
er in seine Heimath zurück und lebte
seitdem in seiner geliebten Steiermark,
wo er sich am 2. September 1823 mit
Anna, Tochter des Postmeisters Plochl
zu Aufsee, die nachmals zur Baronin
Brandhof ernannt wurde, vermalte.
Im Jahre 1832 reiste der Erzherzog
nach Italien, um die Pläne zur Be-
festigung von Verona und der Mincio>
Linie zu entwerfen; auch leitete er den
.Befestigungsbau bei Briren und Nauders
in Tirol. Ein anderer, von ihm schon
1819 entworfener Plan der Befestigung
des Karpathengebirges, dessen Zweck-
mäßigkeit jetzt mit jedem Tage mehr
einleuchtet, wurde, obgleich ihn der Erz-
herzog ganz ausführlich ausgearbeitet,
unberücksichtigt gelassen. Die übrige
Zeit lebte, der Erzherzog in Steiermark,
den Winter über in Wien, der Leitung
seiner Geschäfte sich widmend. Im Spät-
sommer 1833 besuchte er die preußischen
Lager bei Liegnitz und Kapsdorf, dann
die russischen bei Kalisch; im September 1837 das großartige Lager bei Wos-
nefsensk mit einem zahlreichen Gefolge
von Generalen, Stabs» und Oberofficieren.
unternahm dann eine Reise in's südliche
Rußland, besuchte Constantinopel, wo
ihn Sultan Mahmud I I . mit allen
ihm gebührenden Ehren empfing, und
kehrte über Trieft, Mitte November, in
sein geliebtes
steirisches Alpenland zurück.
Im Jahre 1838 begleitete der Erzherzog
den Kaiser Ferdinand zur Erbhul-
digung in Tirol und zur Krönung in
Mailand; im September 1842 wohnte
er dem Uebungslager des 7. und 8. preu-
ßischen Armeecorps in Düsseldorf und
1843 dem Feste bei. welches anläßlich
der 30jährigen Jubelfeier des Erzherzogs
Karl als Großkreuz des Maria Theresien-
Ordens in Wien begangen wurde. Die
Ereignisse des Jahres 1848 entrissen den
Erzherzog endlich seinem, steiermärkischen
Stillleben. Kaum war die Bewegung in
den kaiserlichen Staaten ausgebrochen,
als sich die Blicke Aller nach diesem
populärsten der Erzherzoge richteten.
Schon nach den Vorgängen am 13. Mai,
als der Kaiser Ferdinand Wien verließ
und nach Innsbruck sich begab, ernannte
der Kaiser den an seinen Hof berufenen
Erzherzog zu seinem Stellvertreter in
Wien, als welcher er den constituirenden
Reichstag eröffnete. Auch in Frankfurt
hatte die Majorität der deutschen Reichs-
versammlung auf den Prinzen ihr Auge
geworfen. Selbst die republikanische Partei
des Reichsparlaments wollte gegenüber
der deutschen Reformbewegung derselben
ihren monarchischen Charakter bewahren
und wählte demgemäß einen deutschen
Fürsten zum Reichsverweser. Die nöthige
Popularität zur Uebernahme dieser Würde
besaß nur der Erzherzog, der schon im
September 1812 bei den vom Könige
von Preußen am Rhein veranstalteten
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Volume 6
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Guadagni-Habsburg
- Volume
- 6
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1860
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 502
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon