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Habsburg — Johanna 29 < Habsburg — Johanna
Cosmus I. und dem ersten vom Kaiser
anerkannten Großherzoge von Tos
cana, fand erst 1363, ein Jahr nach
dem Tode Ferdinand's, des Vaters
Johanna's, Statt. Den Titel eines
Großherzogs erhielt Franz als Entschä
digung für die ihm in Folge der Ver
dienste seines Vaters, — der namentlich
der Insel Malta gegen die Türken große
Dienste geleistet, — vom Pavste Pius zu
gedachte Würde eines Erzherzogs.
Iohann a's Bruder, der damalige Kaiser
Maximilian I I . , hatte nichts gegen
diese Rang- und Titelerhöhung, aber die
kaiserlichen Räthe und der König von Spa
nim, Philipp II., weigerten sich
dessen,
weil die erzherzogliche Würde ein Vor
recht des Hauses Oesterreich sei. Aber wie
etwa 70 Jahre später aus Anlaß eines
österreichischen Erzherzogs, des berühmten
Cardinal-InfantenF erdinand, ein Höf-
ling die Titulatur königliche Hoheit
erfand s^. Nr. 83^. so war es nun der
kaiserliche geheime Rath Johann Ulrich
Zasius, welcher für den Titel des Erz-
herzogs jenen des Großherzogs in Vor»
schlag brachte, um welchen sich Franz nun»
mehr auch bewarb und den er erhielt. Kurz
vor seiner Vermälung verfügte sich
Franz
an den kaiserlichen Hof nach Innsbruck
(1363). wo er eine sehr beifällige Auf-
nahme fand und namentlich durch seinen
Kunstsinn Aufsehen erregte. Franz, ein
großer Freund der Wissenschaften, war
insbesondere in der Chemie trefflich unter-
richtet; er verfertigte geschickt falsche Iu»
welen, welche nur der Kenner von echten
unterscheiden konnte; er erfand die Bombe,
konnte es jedoch nicht so weit bringen,
daß sie zur rechten Zeit zersprang, wes»
halb sie von König Philipp II. und
Don Juan von Oesterreich, welchen
Beiden er sein Geheimniß mittheilte, nicht
eingeführt werden konnte. Mit eigenen Händen verfertigte er Porcellangefäße
und schenkte sie anderen Fürsten. Am
kaiserlichen Hofe fand Franz eine sehr
gastliche Aufnahme. Das Beilager des
Großherzogs mit Johanna sollte in
Trient gehalten werden, aber Rangstrei»
tigkeiten, welche selbst der gewandte Car-
dinal-Legat Borrom ei nicht beizulegen
vermochte, veranlaßten den Kaiser zur
Anordnung, daß jeder Bräutigam sein
Beilager in seinen eigenen Staaten halten
solle. Johanna's Ehe mit Franz ward
durch dessen Verhältniß mit Bianca
Capello getrübt. Die Erzherzogin war
eben so schön, als fromm und tugendhaft;
sie nahm deshalb an dem Lebenswandel
ihres Gatten Anstoß und machte ihm Vor-
würfe darüber. Johanna's Bruder,
der Kaiser Max, entsendete selbst einen
Cavalier mildem ausdrücklichen Auftrage
nach Florenz, um seine Empfindlichkeit
über die Hintansetzung seiner Schwester,
welche ihre Klagen unter der Hand nach
Wien gelangen ließ, zu äußern. Erst die
Geburt eines Erbprinzen am 20. Mai
1377 machte diesem Unfrieden ein Ende.
Der Erbprinz erhielt dem Könige Phi-
lipp von Spanien zu Ehren den Namen
Philipp Cosinus, starb aber vor
dem Vater (1382). Außer diesem hatte
Johanna zwei Töchter, Eleonore
und Mari a, erstere (gest. 1611) Gemalin
des Herzogs Vi ncenz. von Mantua;
letztere (gest. 3. Juli 1643) Gemalin
Heinrich's IV., Königs von Frankreich.
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Volume 6
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Guadagni-Habsburg
- Volume
- 6
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1860
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 502
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon