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Habsburg — Joseph 293 Habsburg — Joseph
war Baron Fischer von Erlach sein
Zehrer. Mit 18 Jahren besaĂź der Prinz
schöne Kenntnisse, insbesondere aber in
Sprachen, von denen er auĂźer der deut-
schen die lateinische, italienische, spanische,
böhmische, ungarische und französische
geläufig sprach. Die Kriegführung hatte
er unter Eugen von Savoyen und
Ludwig von Baden erlernt. 1702
ĂĽbernahm er den Befehl ĂĽber das Be-
lagerungsheer Landau's, und den Rath-
schlägen Ludwig's von Baden und
des Feldmarschall-Lieutenants vonThĂĽn-
gen folgend, entriĂź er nach anderthalb-
monatlicher Belagerung den Franzosen
diesen Platz, der als MeisterstĂĽck Vau-
b an'scher Kriegsbaukunst fast fĂĽr unĂĽber-
windlich galt. Indem Joseph bereits am
9. December 1687 — also im Alter von
9 Jahren — zu Preßburg zum Erbkönige
vonUngarn gekrönt worden war, erhielt er
am 26. Jänner 1690 die römisch-deutsche
Königskrone. Im Alter von 27 Jahren —
am 3. Mai 1708 — bestieg Joseph
den Thron seines Vaters, dessen Kriege
mit Frankreich und in Ungarn erbend, in
welch' letzterem Nakoczy von Frankreich
heimlich unterstĂĽtzt ward. Das Verhalten
Max Vmanuel's von Bayern, der die
Franzosen in's Herz Deutschlands gefĂĽhrt
und das Haus Habsburg wie die deutsche
Verfassung stĂĽrzen zu wollen schien,
zwang Joseph zu noch schärferen Maß-
regeln gegen diesen FĂĽrsten, als schon
Leopold angewendet hatte. Am 29.
April 1706 erfolgte im Rittersaale der
kaiserlichen Burg in Wien die feierliche
Achtserklärung des Churfürsten und seines
Bruders Joseph Clemens von C ö ln,
und desgleichen am 11. Mai 1706 zu
Regensburg. Bayern wurde von kaiser»
lichen Truppen besetzt, in MĂĽnchen allein
rückten 3000 Mann ein; die vier ältesten
Söhne ließ Joseph nach Klagenfurt in Kärnthen abführen und dort als einfache
Grafen von Wittelsbach gut erziehen,
die ĂĽbrigen vier, darunter eine Prinzessin,
blieben in den Händen einer Oberhof«
Meisterin zurĂĽck. Das Land selbst vertheilte
der Kaiser an Freunde und bewährte
Diener und nur ein kleiner Theil zwischen
Salzburg und Passau wurde den öster-
reichischen Erblanden einverleibt. Die
bayerische FĂĽrstenfamilie wurde nunmehr
nirgends erwähnt und gleichsam für erlo-
schen betrachtet, aber Deutschland gegen«
ĂĽber hatte die Einwilligung der Chur-
fĂĽrsten zu diesem Gewaltacte nicht genĂĽgt,
die ĂĽbrigen ReichsfĂĽrsten wollten auch
ihre Meinung in dieser Sache abgeben.
Die Sache blieb noch unentschieden, als
der Tod den Kaiser in seiner schönsten
Jugend dahinraffte. Die Anhänglichkeit
des Herzogs von Mantua an Frankreich
zog diesem gleichfalls die Achtserklärung
zu, die am 30. Juni 1708 erfolgte. Der
Kaiser nahm das Land fĂĽr sich, nur
Montserrat schenkte er an Savoyen und
Bozzolo nebst Sabionetta an Guastalla.
Energischer als sein Vater betrieb er den
Krieg gegen Frankreich. Durch den Sieg
bei Turin — 7. September 1706 —
befreite Eugen von Savoyen ganz
Italien von den Franzosen, wie Deutsch»
land zwei Jahre früher durch die Nieder«
läge der Franzosen bei Hochftädt frei
gewordenwar. DerVertragvom13.März
1707 machte dem Kriege in Italien
zwischen Frankreich und Oesterreich ein
Ende. Die Oesterreicher besetzten nun
Neapel, und dem Bruder Joseph's,
Karl , ward in Mailand und dann in
Neapel gehuldigt; Sicilien kam in die
Hände Oesterreichs. Im folgenden Jahre
siegte Eugen mit Marlborough
bei Oudenarde — 11. Juli 1703
— über die Franzosen, welche nun
auch ganz Flandern verloren. Einen noch
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Volume 6
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Guadagni-Habsburg
- Volume
- 6
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1860
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 502
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon