Page - 329 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Guadagni-Habsburg, Volume 6
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Habsburg — «Joseph 329 Habsburg — Joseph
und Lukacsfalva im Torontaler Comitate
(1809), Herczegfalva im Stuhlweißen-
burger Comitate (1810); auch an den in
der Grenze seit 1812 errichteten Ort-
schaften: St. Helena, Elisabethfeld, Eiben-
thal, Lindenfeld, Wellenthal, Wolfsberg,
welche mit Czechen bevölkert wurden; ferner
an der Begründung der nach 1840 an der
Theiß entstandenen Tabakpflanzer-Ansied-
lungm: Apatzka, Aurelhaz, Mednyanski-
haz, Urmenyhaz, wie endlich an dem 1842
im Wieselburger Comitate gegründeten
und nach dem Orte des Sieges des Erz-
herzogs Friedrich: Sa'i'da. benannten
Dorfe hatte der Erzherzog wesentlichen
Antheil. Für die Auffindung und Erhal-
tung der alten historischen Denkmäler
Ungarns ernstlich bedacht, ließ der Erzher-
zog auf eigene Kosten Nachgrabungen in
verschiedenen Theilen Ungarns undSieben-
bürgens anstellen und die gefundenen Alter-
thümer und Denkmäler im Pesther Museum
aufstellen und aufbewahren. Für die Ver»
edelung der einheimischen Pferdezucht
sorgte der Erzherzog, indem er die besten
ausländischen Nacen in den Gestüten ver«
wenden ließ; ebenso wurden spanische
Merinos zur Hebung der Schafzucht in's
Land gebracht und namentlich anf den
crzherzoglichen Gütern in großer Anzahl
gehalten; auch ließ er zur Förderung der
Seidenzucht, welche nach den örtlichen
Verhältnissen Ungarns eines großen Auf-
schwunges im Lande fähig war, auf seinen
cigenm Gütern mannigfaltige Versuche
anstellen, welche dann in verschiedenen
Orten mit Erfolg nachgeahmt wurden.
Als die bedrängnißvollen Kriegsjahre
1803, 1808 und 1809 über das Kaiser-
thum hereinbrachen, half der Erzherzog
Palatin durch außerordentliche Recru»
tirungen und durch Kriegsbeiträge und
stellte sich
selbst an die Spitze der Insur-
rection. Nicht minder hilfreich und um Beistellung entsprechender Vorkehrungen
besorgt, zeigte sich der Palatin, als 1831
die Cholera ausbrach und die Bevölkerung
in nicht geringe Angst versetzt wurde. Als
Kaiser Ferdinand nach feines Vaters
Franz I. Tode am 2. März 1833 den
Kaiserthron bestieg, bestätigte der Monarch
durch ein liebevolles Handschreiben den
Erzherzog in seiner hohen Würde. Als es
am 20. März 1843 ein halbes Jahrhun-
dert wurde, daß der Erzherzog seinen'
bleibenden Sitz im Lande aufgeschlagen
und den Posten eines königlichen Statt-
halters angetreten hatte, feierte das
ganze Land auf das festlichste diesen denk-
würdigen Tag, an welchem auch die
Säcularfeier der wiedererlangten Privi-
legien der Iazygen und Kumanen in
Iaszbereny stattfand. Im folgenden
Jahre aber wurde auf des Kaisers aus-
drücklichen Befehl am 12. November die
30jährige Feier seiner, durch die einhelli-
gen Wünsche der Nation erfolgten Ernen-
nung zum Palatin im ganzen Lande
begangen. Aber nur ein paar Monate
sollte der Palatin dieses letzte Fest über-
leben. Gin mit Beginn des Jahres 1847
eingetretenes Unwohlsein ließ kaum die
nahe traurige Katastrophe ahnen; nach
einer vorübergehenden Besserung stellte
sich das Uebel mit verdoppelter Kraft
wieder ein und entrieß den geliebten
Fürsten im Alter von 71 Jahren dem
Lande, dessen Trauer über den Verlust
seines Palatins eine allgemeine war.
Sein Leichnam wurde nach vorausgegan-
genen Trauerfeierlichkeiten in Ofen nach
Wien gebracht und daselbst in der Kaiser-
gruft beigesetzt. Die Liebe des Volkes
hat das Andenken seines Palatins, der
mit einem liebenswürdigen Charakter
einen gebildeten Geist verband, der ebenso
ein Freund und Beschützer von Kunst und
Wissenschaft war, wie er sich in allen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Volume 6
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Guadagni-Habsburg
- Volume
- 6
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1860
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 502
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon