Page - 334 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Guadagni-Habsburg, Volume 6
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Hadsburg — Zuan 334 Habsburg — Juan
Bürgschaft und Wache — denn die seit
Jahren im Lande ausäßigen Spanier
traten entweder zu den Rebellen ĂĽber,
oder verlangten, wenn sie, wie es die
Heimischen forderten, das Land verlassen
sollten, Befriedigung ihrer AnsprĂĽche
und Forderungen, — Was auch Don
Juan unternahm, entsprach wenig den
Erwartungen; seine an Philipp wieder-
holt gestellte Bitte, ihn dieses Postens zu
entheben, blieb unberĂĽcksichtigt; vielmehr
erließ Philipp neue Verschärfungen,
einige Hinrichtungen fanden der Religion
wegen Statt und die Jesuiten wurden
zu Lehrern der Jugend bestellt. Noch
verwickelter gestalteten sich die Dinge,
als Königin Elisabeth von England
von Don Juan's, im Einverständnisse
mit dem Papste unternommenen Ver-
suchen, ihre Feindin Maria Stuart
zu befreien, zu heirathen und alsdann
ihre AnsprĂĽche auf die Krone Englands
geltend zu machen, in KenntniĂź gesetzt,
nun offen Partei nahm für die aufstän-
dischen Niederländer. Parteiungen unter
den Aufständischen selbst erschwerten
vollends jede Verständigung. Ein Theil
des niederländischen Adels hatte des
Kaisers Rudolph II. Bruder, den Erz-
herzog Mathias, zum Generalstatthalter
der Niederlande erwählt. Aber Don
Juan, anstatt entfernt zu werden, wurde
vielmehr dem Erzherzoge als Rathgeber
beigegeben, und so geschah es denn, daĂź
Don Juan und sein Anhang von den
Ständen als Vaterlands feinde erklart
wurden. Unter solchen Verhältnissen und
bei dem allmaligen Abfalle der einzelnen
Provinzen — indem nur noch Luxemburg
und Namur dem Könige treu geblieben
waren — erklärte endlich Don Juan,
aufs Aeußerste gebracht, am 23. Jänner
1378 öffentlich, daß er die Waffen ergreife
zum Besten der katholischen Religion und der königlichen Gewalt. Karl Graf von
Mannsfeld fĂĽhrte ihm 18.000 Mann
Truppen zu, in seinen Fahnen prangte
ein Kreuz mit der Inschrift: „In diesem
Zeichen besiegt' ich die TĂĽrken und werde
die Ketzer besiegen." Indessen hatte Don
Juan durch ĂĽbereilte AeuĂźerungen und
in Folge von Verleumdungen, wozu sein
Unmuth und Ehrgeiz genug Stoff boten,
König Philipp's Vertrauen verloren.
Das erste Opfer dieses Verlustes war
Don Juan's Geheimschreiber Esco-
vedo, den Juan selbst nach Madrid
geschickt hatte, um dort seine Geschäfte
zu unterhandeln. Man hielt es nicht fĂĽr
gerathen; Escovedo, welcher die gegen
Juan am Madrider Hofe herrschende
Stimmung kennen zu lernen genug
Gelegenheit gehabt, zu seinem Gebieter
zurückkehren zu lassen. König Philipp's
Staatsrath, Antonio Perez, wuĂźte
dagegen Rath. Am 31. März 1378
ward Escovedo in Madrid ermordet.
Escovebo's Ermordung raubte nun
Don Juan selbst allen Muth. In allen
Hoffnungen getauscht, von vielen end-
losen und gehässigen Schwierigkeiten um»
ringt, endlich von einem Kriege bedroht
in einem aufständischen Lande, und ohne
die nöthigen Mittel, ihn energisch zu
fĂĽhren, verfiel Don Juan in TrĂĽb-
sinn, der endlich in ein hitziges Fieber
ausartete, das mit einem raschen und
verdächtigen Tode endete. So siel Don
Juan im Alter von 33 Jahren, ein
Opfer feines unbändigen Ehrgeizes, wel-
cher sich schon in seinem Wahlspruche
beurkundet: „Wer nicht vorwärts strebt,
geht zurück". Er wurde mit Gepränge
in der Kathedrale von Namur beigesetzt;
später ließ Philipp seine Gebeine nach
Spanien zurĂĽckbringen und ihn am 24.
Mai 1379 mit gebĂĽhrenden Ehren im
Escurial neben seinem Vater bestatten.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Volume 6
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Guadagni-Habsburg
- Volume
- 6
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1860
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 502
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon