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Habsburg — Aarl 343 Habsburg — Aarl
werdenden deutschen Angelegenheiten zu
wenden. ImIahre1330 erschien der Kai
sec in Person auf dem Reichstage zu Augs
bürg. Melanchthon hatte die Confes-
sion der Protestanten in eine möglichst ver
söhnende Form gebracht; diese wurde nun
am 19. November 1330 auf dem Augs-
burger Reichstage übergeben; vier Städte
Straßburg, Memmingen, Lindau und
Constanz, der Lehre Ulrich Zwingli's
zugethan, reichten ein anderes Bekennt-
niß ein. Die katholischen Theologen lasen
ihre Confutation ab. Der Zwiespalt war
offenbar. Nur die Versicherung eines
allgemeinen Concils hielt die Gemüther
noch zurück. Die deutschen Fürsten aber,
als der Kaiser die Wahl seines Bruders
Ferdinand zum römischen Könige,
ohngeachtet des sächsischen Widerspruches
(3. Jänner 1331), durchgesetzt hatte, dem
Bedürfnisse, sich aneinander zu schließen,
folgend, schlössen den Bund von Schmal-
kalden (27. Februar 1331), um der
Macht des Kaisers ein Gegengewicht zu
bieten. Die Ruhe in Deutschland setzte
den Kaiser in die Lage, seinem Bruder
Ferdinand, den die Türken unter
Suleyman bedrängten, hilfreichen Bei»
stand zu leisten. Suleyman hatte einen
kühnen Abenteurer, Hayredin Bar-
barossa, der sich mit seinem Bruder
Horus zum Herrn Algiers und Tunis
gemacht und seither die spanischen, portu-
giefischen und italienischen Küsten auf
die verwegenste Weise beunruhigte, zum
Großadmiral seiner Flotte ernannt. Karl
unternahm nun in eigener Person den im
Epos unseres Sängers Iadislaus Pyr-
ker gefeierten Zug nach Tunis, wo er
Barbarossa und sein Heer schlug (30.
Juli 1338), so daß er nur mit genauer
Noth durch die Flucht entging, worauf
Kaiser Karl Tunis als Lehen Spaniens
erkannte. Am 17. August landete Karl wieder in Sicilien. Als bald nach seiner
Rückkehr Franz Sforza, Herzog in
Mailand, starb (24. October 1333),
nahm Leyva, des Kaisers General,
Mailand als eröffnetes Reichslehen in
Besitz. Karl's Schwager, König Franz,
erhob aber auch Ansprüche darauf. Nach
sechsjähriger Ruhe begannen die Feind-
seligkeiten von Neuem. Leyva drang
mit einer mächtigen Armee, in welcher
der Marquis de Guasto, der Herzog
von Alba und Ferdinand Gonzaga
dienten, in die Provence ein. An Marsckall
Montmorency und dem Könige fand
er ebenbürtige Gegner, denen gegenüber
er nichts auszurichten vermochte. Ebenso
resultatlos ging der Feldzug des Jahres
1337 vorüber. Wieder boten Fürstinen
die Hände zur Versöhnung. Eleonore,
Franzens Gemalin und Karl's Schwe-
ster, und Maria, verwitwete Königin
von Ungarn und Böhmen, Statthalterin
der Niederlande, vermittelten eine Waffen-
ruhe, anfänglich nur für 10 Monate;
dann legte sich der Papst in's Mittel,
und zu Air, wohin beide Fürsten, Karl
und Franz, in Person sich begaben,
aber sich nicht sahen, wurde (18. Juni
1338) ein 10jähriger Waffenstillstand
geschloffen. Später trafen der Kaiser und
der König zu Aigues mortes in Nieder«
Languedoc zusammen und versöhnten sich.
In Deutschland war indessen ein neuer
Bund zu Schmalkalden (Februar 1337)
den Protestanten geschloffen worden,
auf welchem die Competenz des von
Karl in Aussicht gestellten Concils, weil
>er Papst in dieser Sache kein unvar«
eiischer Gegner sein könne, verworfen
ward. Die Hoffnung Karl's also, durch
ine Kirchenversammlung die getrennten
Gemüther zu vereinigen, war vernichtet.
Die Katholischen schloffen sonach zu
Nürnberg einen Gegenbund (10. Juni
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Volume 6
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Guadagni-Habsburg
- Volume
- 6
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1860
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 502
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon