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Habslmrg — Karl 346 Habsburg — Karl
von Brandenburg erfochten hatte, erhal-
tenen Wunde zwei Tage nach dem Siege
(11. Juli 1833) gestorben. Auch der
Krieg, den Kar l mit Frankreich führte,
nahm keine glückliche Wendung für den
Kaiser; die Belagerung von Metz mußte
der Kalte und im Heere ausgebrochener
Seuchen wegen aufgegeben weiden. Der
in der Abtei Vaucelles bei Cambrai
(3. Februar 1336) abgeschlossene Waffen-
stillstand brachte Metz. Toul und Verdun
in französischen Besch. Plötzlich änderte
sich die politische Sachlage durch des
Kaisers freiwilligen Entschluß, der Regie-
rung zu entsagen. Am 26. October 1333
schon hatte er seinem Sohne Phi l ipp
zu Brüssel die Niederlande übergeben
früher noch (1334) Mailand und beide
Sicilien, um seine Vermälung mit
Heinrich's VIII. Tochter Mar ia, die
einst dem Kaiser selbst verlobt gewesen,
zu erleichtern. Am 16. Jänner 1336
übertrug ihm Karl auch die spanischen
Staaten und ließ seine Entsagung der
römischen Kaiser« und deutschen Königs
würde feierlich bekannt geben. Von
Rammekens im Seelande segelte Kar l
am 17. September 1336 mit seinen beiden
Schwestern, den verwitweten Königinen
Maria und Eleonore ab. Als er zu
Laredo in Biscaya landete, stieg er der
Erste aus dem Schiffe, küßte die Erde
und sprach: „Nackt bin ich aus meiner
Mutter Leib gekommen, nackt kehre ich
wieder dahin zurück". Nur 10 Tage
blieb er in Valladolid und betrat am
14. October das kleine Gartenhaus,
welches er sich schon drei Jahre früher
in dem Hieronymitanerkloster St. Just
in Eftramadura hatte herstellen lassen.
Dort bewohnte er sechs Gemächer und
seine ganze Dienerschaft bestand aus
12 Personen, er bebaute daselbst seinen
Garten, verrichtete in Gemeinschaft mit dem berühmten Mechaniker Turr iano,
der bei ihm war, mechanische Arbeiten,
richtete feine 100 Uhren, die er in den
wenigen Gemächern hatte, und als es
ihm nicht gelingen wollte, zwei Uhren
vollkommen gleich gehen zu machen, rief
er einst voll Wehmuth aus: „O ich Thor,
und ich wollte die Gemüther von Millio-
nen über die Verwickeltesten und geheim»
nißreichsten Gegenstände gleich stimmen!"
Geplagt von seinem Gichtleiden, ge»
schwächt von der Strenge des mönchischen
Lebens, verfiel sein Körper immer mehr.
Kurz vor seinem Ende (30. August)
hatte er den unheimlichen Gedanken,
sein eigenes Leichenbegängnis; zu feiern.
Jedoch haben neuere Forschungen, und
vornehmlich jene des Engländers Stir-
l ing, die alte Tradition, daß der Kaiser
sich in den Sarg gelegt habe, beseitigt.
Nach dieses Forschers Darstellung, welche
übrigens aus neuen Quellen geschöpft ist
^vergleiche die Quellens habe der Kaiser
dieser Feier nur als Zuschauer und Theil-
nehmer, nicht aber als Leichnam beige»
wohnt. War es, daß ihn diese Ceremonien
so erschüttert, merklich nahmen seitdem
seine Kräfte ab. Am 21. September 1338
fühlte er sein Ende nahen. Gegen 2 Nhr
Morgens rief er: „Es ist vorbei", ließ sich
die Litanei für Sterbende vorbeten, und
die Todtenlichter anzünden, dann mußte
ihm der Erzbischof das Crucifix geben,
welches die Kaiserin in ihren letzten
Augenblicken in den Händen gehalten;
dieses führte er an seine Lippen und preßte
es zweimal an seine Brust. Dann in der
rechten Hand die Todtenkerze haltend,
die Linke gegen des Crucifix ausstreckend,
welches der Erzbischof erfaßt hatte und
hm gegenüber hielt, rief er aus: „Der
Augenblick ist da", hauchte noch leise den
Namen „Jesus", stieß zwei oder drei
Seufzer aus und war nicht mehr. —
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Volume 6
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Guadagni-Habsburg
- Volume
- 6
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1860
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 502
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon