Page - 365 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Guadagni-Habsburg, Volume 6
Image of the Page - 365 -
Text of the Page - 365 -
— Karl 368 Zabsdurg — Karl
resia (geb. 18. Mai 1717, gest. 29. Nov.
1780), Nachfolgerin ihres Vaters durch
die pragmatische Sanction. Vahlspruch:
„Oonstalitis. 6t ^ortituäinh". hervona«
gende ^ebensmomenle. Seine Erziehung lei«
teten Anton Florian Fürst von siechten»
stein und der Jesuit Andreas Braun.
Von seinem Vater zum Regenten Spa-
niens bestimmt, wurde ihm dieß Erbe
streitig gemacht, und auf Grundlage eines
dem letzten Habsburger in Spanien, dem
König Kar l I I . ^s. Nr. 133^ unterschöbe-
nen Testamentes Ph i l i pp von Anjou
als PH i l i p p V. zum König proclamirt.
England und Holland schloffen eine
Allianz gegen Frankreich, welcher später
Deutschland, Portugal und Savoyen bei«
traten. Kar l wurde 1703 — 18 Jahre
alt — in Wien zum Könige von Spanien
proclamirt, ging über Holland nach Eng-
land und von da 1704 mit einem Heere
von 12.000 Mann nach Spanien, welches
von französischen Truppen überschwemmt
war. Als er in Catalonien landete,
bemächtigte er sich Barcelona's; Phi>
l ipp V. belagerte nun die Stadt. Die
Franzosen schickten sich an, sie mit Sturm
zunehmen und Kar l schien der Gefan»
genschaft nicht entrinnen zu können.
Nichtsdestoweniger leistete er hartnäckigen
Widerstand, und an der Spitze einer
Garnison, die kaum 2000 Mann zählte,
hielt er sich tapfer, bis die englische Flotte
erschien und die Blockade des Hafens
und der Stadt aufhob. Mit wechselndem
Kriegsglücke wurde in Spanien der
Kampf fortgesetzt. Bald Sieger, bald
besiegt, hielt Kar l zweimal feinen Ein-
zug in Madrid und mußte zweimal es
wieder verlassen. 1706 ließ er sich daselbst
zum Könige als Kar l I I I . ausrufen.
Als er später hinter die Mauern Bar-
celona's sich zurückziehen mußte, erhielt
er, 1711, die Nachricht von dem unver- mutheten Tode Ioseph 's I. ss. Nr. 123).
seines Bruders. Zufolge der letzten Ver.
fügung Leopold's vereinte nun Kar l
die zwei Kronen Karl 's V. auf seinem
Haupte. Seine Aussichten auf Spanien
gewannen nun sichereren Halt, aber die
Eifersucht der Verbündeten wollte es nicht
zulassen, daß so viel Macht mit einem
Fürstenhause vereiniget bleibe. Ka r l , in
Oesterreich als Joseph's Nachfolger
anerkannt, ließ seine Gemalin in Spanien
und kehrte nach Deutschland zurück, wo
er Kunde erhielt von seiner Wahl zum
deutschen Kaiser. Am 12. October 1711
fand seine Krönung zum Kaiser, im fol»
genden Jahre, 22. Mai 1712, jene zum
Könige von Ungarn Statt. Nichtsdesto«
weniger gab er sein Recht auf Spaniens
Krone nicht auf. sondern führte den Suc»
cessionskrieg mit allem Nachdrucke durch
seinen Feldherrn, den großen Prinzen
Eugen, fort. Indessen war in England
die Partei der Torys, Harley nach»
mals Graf von Oxford, und Samt
John nachmals Graf Bolingbrocke
ihre Häupter, an die Spitze der Regie«
rungsgefchäfte getreten und die europäische
Politik nahm eine für Kar l ungünstige
Wendung. Der Friede zu Utrecht kam
(11. April 1713 und unter verschiedenen
späteren Daten) zu Stande, durch welchen
Kar l VI. in seinen gerechten Hoffnungen
sich so wenig befriedigt sah, daß er
dem allgemeinen Frieden nicht beitrat
und den Krieg allein — aber mit wenig
Glück — fortsetzte. Nun trat ein Congreß
zu Nastatt zusammen und als dieser, der
übermüthigen Forderungen Frankreichs
wegen, eben im Begriffe stand, sich auf-
zulösen, schloßen Eugen und V i l la rs
zu Baden in der Schweiz den Definitiv«
Tractat vom 7. September 1714,» in
welchem auch das Reich mit inbegriffen
war. So war der Friede überall —
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Volume 6
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Guadagni-Habsburg
- Volume
- 6
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1860
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 502
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon