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Habsburg — Karl Leopold 393 Habsburg — Karl Leopold
wahrend er selbst mit einer Armee nach
Essegg hinabeilte, wo die Türken aus
ihrer sehr vortheilhaften Position bei
Darda, ohne angegriffen zu werden,
flohen und hinter sich die Effegger Brücke
verbrannten. Den Feldzug des Jahres
1687 eröffnete der Herzog, vier Verschiß
denen, im Kriegsrathe entworfenen Pro>
jecten entgegen, nach seinem Plane.
Die Türken lagen, 80.000 Mann stark,
zwischen Effegg und Belgrad im ver>
schanzten Lager. Nach mehreren Schein«
bewegungen, um den Feind zu täuschen,
während derselbe in ähnlicher Weise ma-
noeuvrirte, kam es doch am 11. August
bei Mohacs zum Zusammenstoße. Beide
Theile machten sich lange Zeit den Sieg
streitig; Prinz Eugen, welcher bereits
als General mitfocht, verrichtete Wunder
der Tapferkeit, endlich ergriff der Feind
in Schaaren die Flucht, 20.000 Mann
an Todten und Verwundeten betrug der
Verlust der Türken, während jener der
Kaiserlichen unter 2000 Mann aus-
machte; daS ganze türkische Lager, 1600
beladene Elephanten und Kameele, viele
Tausend Pferde und anderes Vieh, 36
Fahnen, 80 Kanonen, 12 Mörser bilde«
ten die reiche Beute. Auf jeden gemeinen
Mann entfiel bei der Theilung außer
seidenen und anderen werthvollen Stoffen
eine beträchtliche Summe Geldes, manche
Soldaten hatten ihre Tornister voll Du»
catm. Prinz Eugen wurde von dem
Herzoge nach Wien entsendet, den Sieg
zu melden, für welchen Kar l Leopold
im Zelte des Großveziers am 14. August
das feierliche Te Deum absingen ließ.
Karl begab sich nun nach Preßburg,
wo der Kronprinz, Erzherzog Joseph,
am 9. December 1687 zum Könige von
Ungarn gekrönt wurde, welche Feier die
schönste Frucht seiner Siege war. Den
Feldzug des folgenden Jahres (1688) zu eröffnen, hinderte den Herzog eine
Krankheit; und ihn zu vollenden Zart«
gefühl, da er dem Churfürsten die volle
Ehre der Eroberung Belgrads überlassen
wollte. Den Feldzugsplan für 1689 im
Reichskriege gegen Frankreich hatte wieder
der Herzog entworfen, der überdieß in
demselben von Frankreich sein rechtmä»
ßiges Erbe zurückforderte. Die Ergebnisse
desselben waren der Fall von Mainz,
die Vertreibung der Franzosen aus dem
Kölnischen und Iülichschen. Aber die
geschwächte Gesundheit des Herzogs
nöthigte ihn, die Nuhe des Familien«
lebens aufzusuchen und sich nach Inns-
bruck zurückzuziehen, wo er den Winter
über verlebte. Im Frühling 1670 begab
er sich nach Wien, theils einem Rufe des
Kaisers folgend, theils um die Angelegen»
heiten betreffs seines HerzogthumeS per»
sönlich beim Kaiser zu betreiben. Der
Held kam aber nur bis Wels, wo er
plötzlich nach einem nur dreistündigen
Leidm starb; man vermuthete an einer
mittelst der Perücke durch seinen Kammer«
diener ausgeführten Vergiftung. Der erst
47jährige, um den Kaiserstaat hoch.
verdiente Fürst nahm von seinem Kaiser,
seiner Familie und seinen Lothringern
schriftlichen Abschied. Aus seiner Ehe mit
der verwitweten Königin Eleonore
hatte er fünf Söhne: Leopold Joseph
Kar l (geb. 11. September 1679, gest.
27. März 1720). dessen Sohn Franz I.
Stephan ^s. Nr. 94), Mar ia There-
siens Gemal und deutscher Kaiser wurde;
LeopoldIoseph Karl ^s.d.Nr.17l)
wurde durch den Frieden von Ryswick
(1697) in den Besitz seines Herzogthumes
wieder eingesetzt; Kar l Joseph Ignaz
(geb. 24. November 1680, gest. zu Wien
4. December 4718), war Großprior
in Castilien (1693). Bischof zu Olmi'ch
(1693), zu Osnabrück (14. April 1698),
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Volume 6
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Guadagni-Habsburg
- Volume
- 6
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1860
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 502
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon