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Habsburg — Aunigunde 49 8 Msburg — Kunigunde
bereits ziemlich weit gediehen zu sein, als
ein unerwartetes Ereigniß den Plan ver-
eitelte. Kunigunde hatte sich nämlich
mit Erzherzog Sigmund's und ihres
Bruders Maximilian's, jedoch ohne
ihres Vaters Wissen und Einwilligung,
mit dem schönen, geistvollen, tapfern und
liebenswürdigen Albrecht IV., Herzog
von Bayern, vermalt. Am Neujahrstage
4487 hatte sich Albrecht zu Innsbruck
die schöne Erzherzogin durch den Bischof
Wilhelm von Eichstädt antrauen
lassen, und am Sonntage nach Dreikönig
verließ er mit ihr Innsbruck. In München
hielt das fürstliche Ehepaar, begleitet von
Georg ;u Landshut, Bischof Sir-
tus zu Freisingen und BischofFried-
rich zu Passau, mit aller Pracht seinen
Einzug. Kaiser Friedrich, als Vater,
Kaiser und Erzherzog von Oesterreich,
war über diesen Vorfall äußerst aufge«
bracht und drohte den erlittenen Schimpf
mit den Waffen zu rächen. Da wendete
sich Kunigunde an ihren Bruder
Max, ihn bittend, die Vermittlerrolle in
dieser Angelegenheit zu übernehmen. Aber
Friedrich war nicht leicht zu versöhnen.
Erst nach mehreren Jahren gelang es,
und zwar mußte Albrecht vorerst
Regenüburg dem Kaiser zurückgeben, wel»
ches er wenige Wochen vor seiner Heirath
ohne Wissen des Kaisers genommen und
Bayern einverleibt hatte. Auch die Schen»
kung Si gm und's, zufolge welcher Tirol
an Albrecht von Bayern fallen sollte,
wurde widerrufen. Mit ihrem Gemale
Albrecht lebte Kunigunde in glück»
licher Ehe. Albrecht IV. starb am i0.
März 5508. Kunigunde hatte ihm
sieben Kinder geboren, drei Söhne und
vier Töchter; die ersteren: Wilhelm IV.
(geb. 4493, gest. 6. März 1330); Lud-
wig (geb. 1493. gest. 1343) und Ernst
(geb. 1300, gest. 1340). Bischof zu Passau; die letzteren: Sidonie (gest.
1303), Braut Ludwig's V. von der
Pfalz; S ib yll a (gest. 1319), vermalt mit
dem frühern Bräutigam ihrer Schwester
Sidonie, Ludwig V.; Sabine (gest.
1364), vermalt mit Ulrich, Herzog
zu Württemberg, und Susanna (gest.
1343), vermalt zuerst mit Kasimir,
Markgraf von Brandenburg (gest. 1327).
zum andern Male mit Otto Heinrich,
Pfalzgraf. Ohne Vorwifsen Kunigun»
dens hatte Alb recht, einer der größten
Fürsten Bayerns, eine letztwillige Anord-
nung hinterlassen, in welcher die Untheil»
barkeit des Landes festgesetzt war und
nur Einer nach dem Rechte der Erstgeburt
herrschen sollte. Mit dieser Anordnung
gab
sich
aber Kunigunde nicht zufrie«
den. Es wurden hin und wieder aus
diesem Anlasse von Kunigunde an
Mar und von diesem an seine Schwester
Gesandtschaften abgeschickt und Entschei»
düngen ausgesprochen, aber nie kam es
zu einer Ausgleichung. Hieronymus
von Staus, Hofmeister des Herzogs
Wilhelm, der nach Albrecht's An-
ordnung regieren sollte, fand es in seinem
Interesse, die beiden Brüder Wilhelm
und Ludwig in feindlicher Stimmung
gegenseitig zu erhalten. Kunigunde
wendete nun ihren ganzen mütterlichen
Ginftuß an, um dieBrüder zu vergleichen.
Ohne Stauf's Wissen kamen am 2l),
November 4314 zu München Ludwig
und Wilhelm über gleiche Vertheilung
der Hoheit und Einkünfte und über ge»
meinschaftliche Regierung überein. Dieser
Vertrag lautete zuerst nur auf drei Jahre,
am 12. Februar 1516 wurde er auf fünf
Jahre erstreckt. Die Brüder lebten und
regierten in ungestörter Eintracht, denn
Stauf's Ränke kamen alsbald an's Ta»
geslickt; er verlor sein Hofmeisteramt und
wurde später zu Ingolstadt enthauptet.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Volume 6
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Guadagni-Habsburg
- Volume
- 6
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1860
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 502
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon