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Dabskurg — Leopold 428 Habsburg — Leopold
Oranien, nachmaligen König von Groß>
britannien, und im folgenden Jahre bei
Neerwinden (29. Juli 1693); endlich
Catinat bei Marsaglia (4. October
1693). Der Bund löste sich nunmehr
auf und Frankreich, nach Karl's I I . ,
des letzten Habsburgers in Spanien,
Tode auf die spanische Erbschaft lauernd,
bewies im Frieden von Ryswick (30. Oc»
tober 1697) jene unerhörte Mäßigung,
die sich nur aus dessen Anhoffung auf
einen größern Raub erklären läßt: denn
es gab in Folge dieses Friedens alle seine
Eroberungen über Spanien und das Reich
heraus und setzte den Churfürsten von
der Pfalz und den Herzog von Lothrin»
gen wieder in seine Lande ein. Wenn
der Löwe eine Beute fahren läßt, so ist er
schon einer doppelt so großen gewiß. Und
so war es auch, Karl der II., der letzte
Habsburger in Spanien >^s. Nr. 133 j^,
starb (i. November 1700) und Frankreich
machte ein ihm unterschobenes Testament
geltend, dem zu Folge Philipp, Sohn
des französischen Dauphin Ludwig,
Karl's Nachfolger in Spanien werden
sollte. Dem Kriege auszuweichen, war
bei dem guten Rechte Oesterreichs für
dasselbe keine Möglichkeit, französischer
Seits kein Wille. Frankreich begann
(1701) den Krieg m Italien, wo Spanien
seine bedeutendsten Nebenländer besaß,
und wo Mailand, Neapel und Sicilien
der Löwenantheil war, den
sich
Frankreich
ausersehen', aber in Italien fand Cati-
nat, der sich hinter der Etsch aufgestellt
hatte, seinen Mann. Eugen kam über
nie betretene Alpenpfade Airols heran
und drang unaufgehalten vorwärts,
schlug bei Carpi (9. Juli 1701) den
General Saint-Fremont, bei Chiari
den in Toilette und Spiel, aber nicht in
der Taktik erfahrenen Höfling Villeroy
und nahm Mantua, Modena und Parma ohne Widerstand. Bisher hatte Leopold
allein mit Frankreich gekämpft. In Eng-
land stach plötzlich König Wilhelm
(19. März 1702) und seine Schwagerin,
Königin Anna, seinem politischen
Systeme getreu, kündigte zugleich nur
den Generalstaaten (13. Mai 1702)
Ludwig XIV. und Philipp V. offen
den Krieg an. Deutschland, mit Ausnahme
Cölns und Bayerns, welche zu Ludwig
hielten, rüstete gegen Frankreich. In
Italien dauerte der Krieg fort; Eugen
that den merkwürdigen Ueberfall bei
Cremona (2. Februar 1702), hingegen
wurde General Trautmannsdorfbei
Mantua (26. Juli) von Marschall T esse,
General Visconti am Flusse Crostolo
im Modenefischen von Marschall Ven«
dome zurückgedrängt und am 13. August
von beiden Heeren die unentschiedene
Schlacht bei Luzzara geschlagen. In
Deutschland kam es nach langen Hin«
und Hermärschen zum Treffen bei Fried-
lingen (14. October 1702) zwischen Lud«
wig von Baden und Vil lars, und
der Churfürst von Bayern nahm den
Waffenplatz Ulm weg. Die Politik Eng.
lands, gereizt durch Ludwig's Ver«
halten, welcher von seiner Maitreffe
Mad. Maintenon bestimmt, sich für
den vertriebenen König Jacob II.
erklärt hatte, siel nunmehr entscheidend
in die Wagschale. Im Juli 1702 hatte
der Herzog von Marlborough das
Kommando einer britisch'hollandischen
Armee übernommen. DerAdmiralRo o ke
hatte am 22. October die aus Amerika
rückkehrende französisch «spanische Flotte
unter dem Marquis Chateau-Renaud
auf der Rhede von Vigo geschlagen und
38 Schiffe theils genommen, theils zer«
stört und 9 Millionen Piaster erobert;
einen zweiten Sieg erfocht die englische
Flotte über die spanische bei Carthagena.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Volume 6
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Guadagni-Habsburg
- Volume
- 6
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1860
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 502
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon