Page - 443 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Guadagni-Habsburg, Volume 6
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Habsburg — Leopold 443 Haösburg — Leopold
italienischen Gelehrtencongreß hatte 1839
in Pisa der Großherzog m Person eröff-
net. Die revolutionären Bewegungen,
die den Iulitagen (1830) folgten, hatten
Toscana unberührt gelassen. In der
Folge hatten schon vereinzelte Maßregeln
eine Trübung der Stimmung hervorge
bracht, jedoch noch mehr wa'r dieß der Fall,
als der Großherzog die zwei aufgeklärten
Minister Fossombroni (gest. 1844)
und Corsini (gest. 1843) durch den Tod
verloren hatte. Die Bewegung von 1847
ging schon nicht mehr spurlos an Tos-
cana vorüber und rief Concessionen her-
vor ,, welche in der Ertheilung einer
Konstitution am 13. Februar 1848 gipfel-
ten. Die radicale, von außen genährte
Partei gewann immermehr die Ober
Hand und drängte den Großherzog zur
Annahme eines demokratischen Ministe-
riums, welchem alsbald ein radicales
Wahlsystem« Theilnahme am Kampfe
gegen Oesterreich, Erklärung für eine
italienische Nationalversammlung und
eine bei längerer Dauer zur Auflösung
führende Gährung im Innern des Lan«
des, insbesondere in Livorno, folgten.
Der Großherzog entschloß sich in Folge
dessen, im Februar 1849, das Land zu
verlassen und eine provisorische Regie»
rung zu bestellen. Dieser folgte die Repu-
blik. Daß diese Vorgange nur das Werk
der Agitation von außen waren, stellte
sich bald heraus. Am 11. und 12. April
erhoben sich die Landleute freiwillig,
unterstützten die Florentiner, und die
Republik nebst ihren Anhängern räumte
alsbald das Feld, während Truppen
und Nationalgarde sich für den Groß-
herzog erklärten. Mit Ausnahme Livor-
no's. zu dessen Bezwingung auswärtige
Hilfe nöthig war, wurde die Restau-
ration durch das toäcanische Volk, dem
der gebildete Bürgerstand mit gutem Bei- spiele voranging, bewerkstelliget. Mit
Jubel wurde der Großherzog bei seiner
Rückkehr empfangen. Hatten alle diese
Vorgänge auch des Großherzogs milden
Charakter nicht verändert, mit Mißtrauen
gegen die liberalen Institutionen hatten
sie ihn erfüllt. Schon 1830 wollte er
die Regierung niederlegen, aber es kam
nicht dazu; er ertheilte nun umfassende
Amnestie und milderte die schweren Strafen
der von der Amnestie Ausgeschlossenen.
Die Constitution aber wurde vorerst
suSpendirt, später (8. Mai 1832) ganz
außer Kraft gesetzt. Um die Nachwehen
der Jahre 1847—1849 ganz auszutil-
gen , wurden verschiedene Maßregeln
ergriffen, welche aber nicht geeignet waren,
die noch vorhandene Gährung zu unter-
drücken, weßhalb die Hilfe eines Occu«
pationscorps von 19.960 Oesterreichern
mehrere Jahre nöthig wurde. Mehrere
dem liberalen Geiste des ersten Leopold
und dritten Ferdinand nicht entspre»
chende Reformen im Nnterrichtswesen wa>
ren noch weniger im Stande, den innern
Frieden zu festigen. Die Verfolgung des
Ehepaares Madai von kirchlicher Seite
erregte allgemein großes Aufsehen, doch
auch da trat der Großherzog vermittelnd
auf und beseitigte, die Auswanderung der
Betheiligten gestattend, die Beschwerde.
Da brachten die kriegerischen Ereignisse
des Jahres 1839 im Lande eine neue
Gährung hervor. Französische und fran-
zösisch-italienische Emissäre bearbeiteten
die öffentliche Meinung. Ein seit Wochen
vorbereiteter, ja öffentlich angekündigter
Putsch wurde ohne Widerstand am
27. April ausgeführt. Das Militär
schloß sich der Revolution an. Der
Großherzog beauftragte einen der Führer
der unitarischen Opposition, Paolo Coi>
i n i Marchese von Lajatico, mit
der Bildung eines neuen Ministeriums,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Volume 6
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Guadagni-Habsburg
- Volume
- 6
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1860
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 502
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon