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— Leopold Wilhelm 448 Habsburg — Leopold Wilhelm
stärkt hatten, nach Ober« und Nieder«
sachsen bis an die Weser. Der Feind
zog sich nun, 1641, nach Regensburg
zurück und nahm seine Winterquartiere
in der Oberpfalz; da überfiel ihn der
Erzherzog, der zwischen Ingolstadt und
Regensburg, am andern Ufer der Donau,
vom Feinde unbemerkt, seine Truppen zu
sammeln verstanden, mit solcher Schnel-
ligkeit, daß der Feind über Cham und
durch den Böhmerwald nur mit vieler
Gefahr und genauer Noth entkam und
kaum die Lausitz erreichen konnte. Drei
Cavallerie'Regimenter mußten sich sogar
ergeben. Im Feldzuge des folgenden
Jahres, 1642, wurde das Schwedenheer
aus Schlesien getrieben, Brieg entsetzt
und Torstenson durch die Lausitz nach
Meifsen verfolgt. Hier kam es zu der
blutigen Schlacht von Leipzig, in welcher
die Kaiserlichen das Feld verloren, nach<
dem anfangs der linke Flügel der Schwe«
dm bereits zum Weichen gebracht worden
war. Leopold Wilhelm bot Alles
auf, um seine Truppen zum Stehen zu
bringen; keine Gefahr persönlich scheuend,
verschwendete er Bitten, Ermahnungen
und Drohungen, jedoch war Alles ver-
gebens ; aber strenge ahndete er auch den
Ungehorsam der feigen Truppen: die
Fahnen eines Regiments, welches zuerst
die Flucht ergriff, ließ er vom Scharf»
richter verbrennen, die Degen derOfsiciere
zerbrechen und aus den Regimentsstücken
Galgennägel schneiden. Die Officiere und
vom Gemeinen abwärts jeder zehnte
Mann wurden mit dem Strange bestraft
und die Uebrigen für Schelme erklärt.
Der Erzherzog verließ auch sofort die
Armee. Erst als diese in Kürze ihre
besten Führer verloren hatte, übernahm
er 1645 wieder den Oberbefehl. Nun
entsetzte er Brunn und zog sich nach
Franken, wo er die Franzosen alsbald nöthigte, die von ihnen besetzten Platze
zu räumen. Im Jahre 1646 übertrug
ihm König Phi l ipp IV. von Spanien
die Statthalterschaft der Niederlande.
Hier war er nun zehn Jahre hindurch im
beständigen Kampfe gegen Frankreich
begriffen. Er nahm den Franzosen Armen-
tieres, Lens, Landrecy und Courtray ab
(1647), verlor aber nach dem unglück-
lichen Treffen bei Lens (1648) Ypern
und mehrere andere feste Plätze. Später
eroberte er Ipern wieder zurück, nahm
noch La Chapelle und St. Venant und
erhielt während der inneren Unruhen
Frankreichs von den Mißvergnügten noch
Stenay, Guise und Chastelet; auch drang
er in die Champagne ein, brachte Rhetel
Mousson, Winorbergen, Mordyk, Gräve-
lingen, Dünkirchen und Rocroy (1630—
1633) zur Uebergabe; die 1634 begon-
nene Belagerung der Festung Arras mußte
er aber aufgeben. Alsbald legte er nun,
nachdem sich die Verhältnisse im Lande
immer mißlicher gestalteten und er in seinen
Unternehmungen immer weniger glücklich
war, die Statthalterschaft nieder und kehrte
nach Wien zurück, wo die Verwaltung
seiner Bisthümer, des deutschen Ordens
und die Familienangelegenheiten des kai-
serlichen Hauses ihn zunächst beschäftigten.
Nach dem Tode Ferdinand's HI.
brachten ihn mehrere Churfürsten in
Vorschlag zur Kaiserwürde. Indem er
die auf ihn entfallende Wahl nicht ableh-
nen zu wollen schien, hatte er doch keine
andere Absicht dabei, als Zeit zu gewin»
nen, damit sein Neffe das in der goldenen
Bulle vorgeschriebene Alter erreiche, und
in der That nach Ferdinand's IH.,
am 2. April 1637 erfolgtem Tode, bestieg
Leopold I. am 22. Juli 1638, im
Alter von 18 Jahren, den deutschen
Kaiserthron. Nachdem sich Leopo ld
Wilhelm fortan den Staatsgeschäften
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Volume 6
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Guadagni-Habsburg
- Volume
- 6
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1860
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 502
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon