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Habsburg — Nudolph 129 Sakskurg — Nudolph
mit fürstlicher Entschlossenheit vom nahen
War das Crucifix herabnahm und die
Fürsten anredete: „Hier ist das Zeichen
dessen, der sein Blut für uns Alle gab,
ich werde mich dessen als des trefflichsten
Scepters gegen alle mir und dem Reiche
Widerspenstige bedienen." Die Belehnung
ging nun ohne weiteres Hinderniß vor
sich. Kaum König geworden, hatte er
drei mächtige deutsche Fürsten, Otto
von'Brandenburg, Albrecht von
Sachsen und Ludwig den Pfah-
grafen bei Rhein, zu Eidamen für seine
drei Töchter Hedwig, Agnes und
Mechtild gewonnen, wie er auch seinen
ältesten Sohn Albrecht an Elisa-
beth, Erbtochter Meinhard's. Gra-
fen von Görz und Tirol, vermalte. So
gestärkt durch verwandtschaftliche Bande,
wie durch sein Rechtsgefühl und seine
hehren Tugenden, mußte er nun einem
mächtigen Gegner entgegentreten, mit dem
er in früheren Jahren eine Heerfahrt
wider die ungläubigen Preußen unter»
nommen; eS war Przemysl Ottocar,
König in Böhmen, Herzog in Schlesien,
Markgraf in Mähren und in der Lausnitz,
welcher nach des letzten Babenbergers,
nach Friedrich's des Streitbaren Tode,
Oesterreich und Steiermark mit seiner
Krone vereinigt, einen großen Theil
Polens angesprochen, Karnthen und Krain
an sich gerissen hatte und nun im Gefühle
semer Macht durch seine Gesandtschaft
Bedenken wider die Rechtmäßigkeit der Kö«
nigswahl Rudolph's hatte vorbringen
lassen. Die Achtserklärung Ottocar's
war die erste Folge dieser Schritte und
alsbald wurde auch ein Zug wider ihn
beschlossen. Rudolph mit femem Eidam,
dem Pfalzgrafen Ludwig, sollte gegen
Prag aufbrechen; Meinhard von Görz
und Tirol in Karnthen einfallen und
Steiermark besetzen, und Albrecht,
v. Wurzbach, biogr. Lexikon. VII. Rudolph's Sohn, mit dem Srzbischofe
von Salzburg durch das Land ob der
Enns gegen Wien und.Klosterneuburg
vordringen. Zu diesem Bunde gesellten
sich noch Andreas, Herzog von Sla-
wonien, und sein Bruder Ladislaus
von Ungarn, welche beide Rudolph
an Kind es
statt
angenommen und ersteren
überdieß mit seiner Tochter Clementia
verlobt hatte. So war Ottocar von
allen Seiten eingeschloffen, und der Plan
war vollends gelungen. Meinhard
hatte Kämthen und Krain unterworfen
und ebenso Steiermark, wo nur noch die
Hauptstadt von Ottocar's böhmischer
Besatzung hartnäckig vertheidigt wurde;
das Land ob der Vnns war am rechten
Ufer bald in Rudolph's Händen;
Wien wurde eingeschlossen und Kloster-
neuburg, welches am rechten Donauufer
noch der einzige feste Platz war, den
Ottocar inne hatte, war durch Lift
gefallen, und so wurde Ottocar macht»
los und genöthigt, sich dem SMdspruch
zu unterwerfen, der am 22. November
4276 gegen ihn gefällt wurde und wsl»
chem zufolge er auf alle österreichischen
Lande, auf die Reichspfandschaft Eger
Verzicht leisten, Böhmen und Mähren
aber vom Könige Rudolph zu Lehen
nehmen mußte; die Acht wurde zugleich
aufgehoben und zwischen Ottocar's
Sohn Wenzel und einer Tochter Ru>
dolph's, und zwischen Rudolph's
Sohn Hartmann und Ottocar's
Tochter Kunigunde eine Wechselhei-
rath beschlossen. Diese Schicksalswendung
lastete schwer auf Ottocar's Gemüth
am schwersten dann, als er, heimgekehrt,
von seiner eitlen, stolzen und gegen
Rudolph haßerfüllten Gemalin Spott
und Hohn erfahren mußte. Der mit dem
Könige geschlossene Vertrag reute ihn
alsbald und er ließ sich hinreißen, ihn
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Habsburg-Hartlieb, Volume 7
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Habsburg-Hartlieb
- Volume
- 7
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1861
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 472
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon