Page - 138 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Habsburg-Hartlieb, Volume 7
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Habsburg — Nudolph 138 Habsburg — Nudolph
Oesterreich, Tirol verblieb semer hinter-
lassenen Tochter Mar gare tha, genamr
dieMaultasche. Ueber Kärnthens Ver
lust erbittert, verband
sich
Margaretha
mit Bayern und siel in Kärnthen ein
in nicht weiblicher Art in dem schönen
Lande hausend. Bald wurde ihr Heer
aus dem Lande vertrieben. Marga
retha, welche nach der Scheidung von
ihrem ersten Gemal Johann, Mar5
grasen von Mähren, zur zweiten Ehe
mit Ludwig, Markgrafen von Braun
schweig, geschritten war, hatte von letz
terem einen Sohn Mein hard, der mit
Albrecht's II. Tochter Margaretha
vermalt war, aber in jungen Jahren starb.
Margaretha Mauliasch, welche
zwar in einem früheren Vertrage den
Anfall Tirols den bayerischen Herzogen
zugesichert hatte, trat, weil
sie
mit diesen
in beständiger Feindseligkeit lebte, Tirols
wegen mit den österreichischen Herzogen
in Unterhandlungen. Rudolph, um
seiner Sache gewiß zu sein, begab
sich nun
selbst nach Meran zu Margarethen
und erreichte es, daß
sie
ihm mit Beistim»
mung der tirolischen Stände nicht nur die
Erbfolge zusicherte, sondern sogar das
Land bei Lebzeiten schon abtrat (1363).
Rudolph aber nahm die Herzogin
Margaretha nach Wien, wo er ihr
in einem Dörfchen nahe bei Wien ein
Schlößchen zum Wohnsitz anwies, wel«
ches nach ihr Margarethen benannt
wurde und später einer Vorstadt Wiens
den Namen gab. Margaretha starb
in Wien, über 60 Jahre alt (13. März
1366). Uebrigens war die Besitzergrei«
fung Tirols für Nudolph mit um
so ernsteren Kämpfen verknüpft, als
mehrere Adelige, wie Hanns von
Freund sberg, der Landeshauptmann
Ulrich Graf von Matsch, Petermann
von Schena, Heinrich von Rotten- bürg, Conrad Knnnersberger
von Kundelberg u. A. sich gegen den
neuen Herrn auflehnten und auf Seite
Stephan's, Herzogs von Bayern,
schlugen. Der Kampf um Tirol mit
Bayern endete erst vier Jahre nach
Rudolph's Tod, und nur die Treue
der Bürger von Innsbruck und Hall
rettete Rudolphen vor einem meute-
rischen Anschlage der Aufrührer. Nun
nahm Rudolph IV. den Titel Pfalz-
erzherzog von Oesterreich (^rokiäux
paiatinus) an, der seinem Hause schon
nach einer Bulle Kaiser Friedrich'sI.,
1186 gebührte. Weil zu diesem Range
ein Erzamt gehörte, fügte er noch den
Titel: Des heiligen römischen Reiches
Oberjägcrmeister bei, und seiner Abstam»
mung wegen nannte er sich noch Fürst
zu Schwaben und im Elsaß. Den Pfalz,
erzherzogmtitel, wie jenen von Schwa«
ben und Elsaß legte er aber über Andrin»
gen des Kaisers Karl IV. wieder ab,
jedoch mit dem ausdrücklichen Vorbehalt:
„Daß die etlichen Dinge, so er Kaiser
und Reich zu Ehren und zu Liebe gethan,
ihm und seinen Nachkommen bei künftigen
römischen Kaisern unschädlich seinsollen."
So kurz die Regierung R u d o l p h's war,
o inhaltreich war sie für Oesterreich.
Vor Allem legte er den Grundstein zum
Weiterbau des Stephansdomes, woraus
ich der nachherige Prachtbau entwickelte.
Zu diesem Zwecke führte er eine Consum«
i^onssteuer ein, die sich nachmals in die
Tranksteuer verwandelte, und gab das
bisherige Vorrecht, die umlaufende Münze
alljährlich zu verändern, wobei die alte
durch eine neue tief unter ihrem Werthe
stehende erseht wurde, auf. Unter den
Kaufleuten und Handwerkern hob er alle
Innungen, Zechen und Zünfte auf und
ührte vollständige Gewerbefreiheit
in; die Steuerfreiheit für Geistliche unh
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Habsburg-Hartlieb, Volume 7
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Habsburg-Hartlieb
- Volume
- 7
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1861
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 472
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon