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Habsdurg — Nudolph 143 Hllbsburg — Nudolph
durch die Spaltung in seinem eigenen
Hause bedeutend erhöht. Wie Rudolph
an Mathias Ungarn und Oesterreich
(23. Juni 4606) förmlich abtrat, endlich
von diesem in Prag selbst belagert wurdl
und nun auch (11. April 1611) die erb<
ländische Regierung, wie jene Böhmens,
an ihn abtrat, ist schon in der Bio«
graphie des Kaisers Mathias sNr.2
erzählt worden. Nud olph behielt nichts
mehr, als den deutschen Kaisertitel und
einen Iahrgehalt von 300.000 Ducaten.
der aber für seine Bedürfnisse so wenig
ausreichte, daß er das Reich um einen
standesmäßigen Unterhalt ansprach. Doch
nicht lange überlebte Rudolph die für
ihn so schmerzlichen Ereignisse; im Alter
von 60 Jahren, im 34. seiner Regierung,
schied er unter der Furcht, auch die
deutsche Kaiserkrone zu verlieren, aus
dem Leben, welche Besorgniß in ihm durch
die von den Churfürsten eifrigst betriebene
Wahl eines römischen Königs entstanden
war. So wenig Tröstliches also die
Geschichte von Rudolph dem Fürsten
zu melden vermag, so wird doch ihre
Meldung über ihn als Freund und För-
derer der Wissenschaften belangreicher. Die
Mathematik, die Natur« und Sternkunde,
das Studium der Alterthümer bildeten
Rudolph's beständige Beschäftigung.
Die Liebe zu den Wissenschaften galt ihm
bald über Alles, er vergaß über ihr das
Regieren; eingeschloffen in seinen Gemä'
chern, ließ er Niemanden vor sich kom-
men, und unbekümmert um Alles, was
außen geschah, ließ er die Dinge ihren
Weg gehen, der nicht immer der gerade
war. Rudolph malte mit besonderem
Geschicke und insbesondere besaßen die
Bildnisse, die er malte, große Aehnlichkeit.
Diesen seinen Lieblingsneigungen gemäß,
umgab er sich auch mit Männern, die ihm
als Mithelfer bei seinen Arbeiten geeig» net erschienen, und unter welchen Namen
wie Hagecius, Boethius, Longo-
montanus, Keppler, TyhoBrahe
vorkommen. Die nach ihm benannten
Rudolphinischen Tafeln sind jedoch uicht
sein Werk, sondern eben nur ihm zu
Ehren so benannt; es sind Tafeln, welche
zur Berechnung des Laufes der Gestirne
von seinem Hofastronomen TyhoBrahe
begonnen und von seinem zweiten, K ep p>
ler, nach Brahe's Beobachtungen, aber
nach eigener Theorie, ausgearbeitet wor>
den find. Rudolph war nie vermalt,
obwohl er an alle Höfe Gesandte schickte,
und von allen Nachrichten über Prinzes-
sinen einholie, auch mit mehreren Prin-
zessinen, als mit der Infantin Isabella,
mit Mar ia von Medicis, mit einer
Prinzessin von Lothringen, mit zwei Töch-
tern des Erzherzogs Kar l , mit einer
Tochter des russischen Großfürsten und
des Wojwoden der Wallachei, verlobt
war. Natürliche Kinder besaß er mehrere,
von denen er drei Söhne, Mathias.
Karl und Jul ius, und drei Töchter,
Karol ina. Dorothea und Elisa-
beth, als die seinigen erkannte. Von
letzteren war Karolina an Franz
Thomas, Grafen von Oiselay und
Cantecroir, vermalt, die zwei anderen
traten in Klöster und starben als Nonnen
n Wien und Madrid. Von jeher zur
Hypochondrie geneigt, nahm dieses Uebel
in den höheren Jahren in bedenklicher
Weise zu, und erklart dieser traurige
Gemüthszustand des Kaisers manche un>
heilvolle Thatsachen, welche eben in der
letzten Periode seines Lebens geschehen
waren,
l. a) Zur Biographie und Geschichte Nudolph's ll.
1627, I'oi.). — Oyzinger (Michael), Funff
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Habsburg-Hartlieb, Volume 7
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Habsburg-Hartlieb
- Volume
- 7
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1861
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 472
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon