Page - 151 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Habsburg-Hartlieb, Volume 7
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Habsburg — Stephan Habsburg — Stephan
Höhe hob und unter homerischem Gelach-
ter der Versammlung hinaustrug, deut-
lich bewiesm. Erst fünfzehn Jahre alt,
ritt der Prinz auf den weiten Puszten
schon jedes Pferd und theilte seine Zeit
zwischen Studien und körperlichen Uebun-
gen auf der Jagd oder Reitbahn. Im
Winter 1838, wo sein erlauchter Vater
krankheitshalber nicht im Stande war,
selbst bei der furchtbaren Donauüber-
schwemmung einzuschreiten, welche in den
beiden Schwesterstädten Pesth und Ofen
so große Verheerungen anrichtete, war
es der noch nicht ein und zwanzigjährige
Erzherzog, der bei diesem hochwichtigen
Anlasse, von dem vaterlichen Segen be-
gleitet, ganz selbstständig alle Rettungs-
anstalten leitete und es durch unermüdete
Thätigkeit und Ausdauer dahin brachte,
daß verhältnißmäßig nur wenig Unglücks-
fälle eintraten und eine befürchtete Hun-
gersnoth ganz umgangen wurde. Städ-
tische Deputationen und Dankadressen ans
beinahe allen Comitaten des Landes waren
nebst dem eigenen Bewußtsein der schönste
Lohn, der dem Erzherzoge Stephan
hiebei werden konnte. Zwei und zwanzig
Jahre alt, war der Prinz bereits in den
Geschäften erfahren, für die er unter den
Augen seines Vaters vorbereitet worden.
Doch hatte es davon für den Augenblick
sein Abkommen, denn vorerst sollte der
Erzherzog im Auftrage des Kaisers einige
Provinzen des Kaiserstaates und mehrere
Gegenden des Auslandes bereisen, um
sich noch praktische Kenntnisse zu erwer-
ben, was die Jahre 1841, 1842 und
j843 erforderte, aber den jungen Fürsten
derart reifte, um mit Beginn des Jahres
1844 die General-Statthalterschaft in
Böhmen übernehmen zu können. Es war
ein eigenthümlicher Gegensaß, dieseUeber-
nähme der Regierung über eine in abso-
luter Gewalt beherrschte Provinz von Seite eines Prinzen, der unter den
freien Verhältnissen eines verfassungs»
mäßig regierten Königreiches groß gewor«
den, dort seinen Geist geschärft, wie sein
politisches Bewußtsein geregelt hatte. I n
väterlicher Weise handhabte der Prinz
sein Regiment, sein aufgeklarter, ruhig
die Verhältnisse durchschauender Geist
erkannte bald die Position, die er in
staatsmännischer Weise benutzte, um zwi»
schen Regierern und Regierten zum Frön?'
mm Beider zu vermitteln. Unter seiner
intelligenten, verständig liberalen Regie»
rung wuchs das Vertrauen im- Lande,
es entfaltete sich in demselben neues
Leben, der alte Adel Böhmens schloß sich
dem Erzherzoge in seinen Vornahmen
fördernd an und die wenigen Jahre, in
denen der Erzherzog an der Spitze des
Landes stand, gehören zu den segensvoll»
sten, deren Böhmen noch heute begeistert
gedenkt. Als im Winter 1843 ganz
Böhmen, besonders aber dle Hauptstadt
Prag, von der Moldau überschwemmt,
schwer heimgesucht wurde, war es der
durchlauchtigste Landvschef, der mit dieser
Calamität schon aus dem Jahre 1838
bekannt, durch persönliches Fürgehen,
durch sein Beispiel und durch die nach
allen Seiten hin getroffenen Anstalten
der Gefahr die Spitze brach und nach
überftandener Katastrophe Hilfscomitos
gründete und Sammlungen veranstaltete,^
die die Verluste weit weniger fühlbar
machten. Daß dieses Fürgehen auch durch
Seine Majestät Kaiser Ferdinand aller,
gnädigst anerkannt wurde, bewies die
Verleihung des Großkreuzes des öster»
reichisch kaiserlichen Leopold-Ordens. Als
die Fabriksunruhen in Prag ausbrachen,
gelang es dem Erzherzoge, ohne Blut-
vergießen die Streitigkeiten zu schlichten
und die Widerspänstigen zur Ordnung
zu bringen. Ein Jahr spater waren es
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Habsburg-Hartlieb, Volume 7
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Habsburg-Hartlieb
- Volume
- 7
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1861
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 472
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon