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Hadsbur'g — Stephan 133 Habsdurg — Stephan
um im Einvernehmen mit dem neuen
Ministerium alle weiteren Einleitungen
-zu treffen. Da rief ein kaiserliches, die
Theilung der Staatsschuld betreffendes
Handschreiben eine Aufregung im Lande
hervor, welche durch die ziemlich gleich-
zeitige Erklärung der Croaten, sich von
Ungarn völlig lostrennen zu wollen, den
Ausbruch des Bürgerkrieges zur Folge
hatte. Der neue Ban von Croatien,
Freiherr von Iellaöiä, nahm eine
feindliche Stellung gegen Ungarn ein.
Ein Schreiben des Erzherzogs, welches
den Ban von weiteren aggressiven Schrit»
ten abmahnte, blieb erfolglos. Auch die
Serben hatten angefangen, sich zu regen.
Die Unruhen wuchsen mit jedem Tage
und unter solchen Verhältnissen wurde
am 3. Juli der neue Reichstag durch
den. Erzherzog Palatin in Pesth eröffnet.
Gleichzeitig tagte die Landesversammlung
in Croatien. Solche Conflicte zu lösen,
war selbst die einflußreiche Macht des
Palatin nicht im Stande. Noch ein Ver-
mittlungsversuch wurde gemacht, mit dem
der Kaiser den Erzherzog betraut hatte.
Die Verhandlungen, welche aus diesem
Anlasse am 23. und 29. Juli zwischen dem
Erzherzog Palatin, dem Grafen Bat-
thyanyi und dem Ban Iellaöiä zu
Wien gepflogen wurden, waren resultat-
los. Die in Ungarn wachsende Revolution
durchbrach alsbald wie ein rasender Berg»
ström alle Dämme. Was der Palatin
Tag über aufbaute, riß die Nmsturzpartei
über Nacht nieder. Sein Antrag, die
Regierung vorläufig allein zu führen,
wurde als verfassungswidrig vom Reichs«
tage verworfen, dagegen Kossuth zum
Ministerpräsidenten ernannt. Ein letzter
Versuch, am 18. September auf einem
Dampfschiffe des Neufiedler See's eine Zu«
sammenkunst mit dem Banus zu veranstal«
ten, scheiterte an dem Mißtrauen der Croaten, welche besorgten, der Banus
würde von den Magyaren trotz der
Befehle des Palatin gefangen genommen
werden. In seinem Wirken somit allseitig
gelahmt, kehrte der Palatin nach Wien
zurück und legte seine Würde in die Hände
des Kaisers nieder. Wenige Tage darnach
erfolgte die Ermordung des Grafen
Lamberg auf der Pefther Brücke.
Noch im Herbste desselben Jahres zog
sich der Erzherzog auf sein Stammgut
mütterlicher Seits, Schaumburg am
Rhein, zurück, wo er in der Jugend
einige Jahre bei seiner Großmutter zu«
gebracht hatte. Mit diesem selbstgewähl-
ten Asyl, wo er, zurückgezogen von
dem politischen Wirrwar des nächsten
Iahrzehends, sich, der Natur und huma-
nistischen Zwecken lebte, beginnt eine neue
Periode stines Lebens. Das Schloß, mit.
ten in einer waldigen Bergwelt an der
Lahn gelegen, wurde nun nach den
Angaben des fürstlichen Besitzers durch
den Baurath Boos aus Wiesbaden
theils renovirt, theils vergrößert. Es ist
der heilige Sitz der Wissenschaft im wah»
ren Sinne des Wortes, eS befinden sich
darin eine Bibliothek an 20.000 Bände
stark, ein Anfang zu einer Münzen» und
MedailleN'Sammlung, ferner eine werth,
volle Mineraliensammlung, darunter die
des berühmten Mineralogen H. Chr.
Gottfr. v. Struve. Dann sind da ein
Treibhaus, der spitzen Felsenkuppe abge«
Wonnen, ein Wintergarten, ein Palmen»
haus, in welchem sich die Palmen des Ge>
wächshauses zu Lüttich befinden. Da die
belgische Regierung die Summen zur Schal«
tung dieses Palmenhains, der die ver-
schiedensten Gattungen dieses königlichen
Baumes enthält, nicht ferner bewilligen
wollte, wurde dasselbe vom Erzherzog
Stephan erworben und diese Töchter
der Tropen in riesiglangen Kasten den
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Habsburg-Hartlieb, Volume 7
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Habsburg-Hartlieb
- Volume
- 7
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1861
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 472
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon