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Hahinger 223 Saizmger
deutsche Oper, sie das deutsche Schauspiel
in der französischen Hauptstadt zu Ehren
brachte, und ihr die Pariser Journale den
Beinamen der „deutschen Mars" ver«
liehen, welches Epitheton mehr die Galan«
terie der Franzosen als Verständniß des
GeniuS der Frau Haizinger beurkun«
der. Seit ihrer zweiten Verheirathung
unternahm
sie ihre Gastspielreisen gewöhn«
lich in Gemeinschaft ihres Gatten und
ihrer beiden Tochter; 4833 gaftirte sie
mit glänzendem Erfolge in St. Peters»
bĂĽrg, 1836 zu Dresden und Leipzig,
1837 mit ihrer altern Tochter Louise
in Breslau, 1838 mit derselben und mit
der zweiten, Adolph ine, in Wien und
Dresden; 1839 und 1840 mit der lehtern
in Hamburg, Caffel, Leipzig und Braun-
schweig. Nach dem Tode ihrer jĂĽngern
Tochter Adolph ine (gest. 1844) verlieĂź
sie die Karlsruher HofbĂĽhne, an der sie
24 Jahre hindurch eine ihrer Zierden
gewesen, und nahm ein Engagement an
der Wiener HofbĂĽhne an, an welcher sie
noch gegenwärtig wirkt und sich
in unver»
änderter Gunst des Publikums erhalten
hat. In die erste Periode ihres theatra-
tischen Wirkens fallen Rollen, wie die
Elsbeth im „Grafen von Burgund",
Gurli in den „Indianern in England",
„Käthchen von Heilbron", Mar«
garetha in den „Hagestolzen", Sus>
ch en im „Bräutigam aus Mexico", über»
Haupt Rollen, in welchen Naivität und
tiefes GemĂĽth vorherrschen und worin
sie einen namenlosen Zauber zu entwickeln
verstand. Mit ihrem Engagement an der
Wiener HofbĂĽhne tritt ein Wendepunct
in ihrem KĂĽnstlerleben ein, sie ging in
ein anderes Fach, in das der Anstands»
und Salondamen und komischen MĂĽtter
ĂĽber, und wie ehedem in den naiv senti-
mentalen Rollen glänzte sie nunmehr in
dem neuen Fache. Es ist nicht möglich, die große Zahl ihrer meisterhaften Leistungen
hier aufzuzählen; aber einiger sei gedacht:
Die Oberförsterin in Iffland's
„Die Jäger", die Feldern in „Hermann
und Dorothea", Frau von Mainte«
non in der „Marquise de Vilette", die
Generalin inLaube's „Karlsschüler",
die Amme in „Romeo und Julie", die
Manon im „Kind des Glückes", die
Braumeisterin in der „Grille", die
Doris in „Eine kleine Erzählung ohne
Namen", die Katharina in „Ich bleibe
ledig", die Crescenz im „Sonnwend.
Hof", die Frau von ThĂĽngen in
„Häusliche Wirren", die Kammer»
räth in in „Verirrungen", die Gräfin
Lilienfeld in „Kunst und Natur", die
Martha in „Faust", die Louise von
Schlingen in „Geistige Liebe", die
Frau von Silber in „Das letzte Mit-
tel", die Tante im „Bräutigam aus
Mexiko", dieLandräthinDurlach in
„DasSchmuckkäftchen",MadameHerz
in „Reue und Ersah". Ba bette in den
„Krisen", die Gertrude Grimmin»
ger in „Rosa und Röschen", Martha
Null im „ZerbrochenenKrug", Bärbel
in „Dorf und Stadt", u. v. A. Wie schon
bemerkt worden, war Frau Haiz in ger
zweimal vermalt. Von den drei Kindern
ihrer ersten Ehe mit dem Hofschauspieler
Neu mann hat sich der älteste Sohn
dem praktischen Leben gewidmet und
nimmt zur Stunde in Amerika als Kauf«
mann eine geachtete Stellung ein. Von
den zwei Töchtern war die ältere, Louise,
seit 4838—1837 die noch heut' umrsetzte
Zierde des Wiener Burgtheaters; sie ist
seit 14. Jänner 1837 mit Karl Grafen
von Schönfeld vermalt und lebt in
Gratz; die jĂĽngere, Adolphine, welcher
als Künstlerin eine schöne Zukunft zu
lächeln schien, starb, 25 Jahre alt, am
8. April 1844 in Berlin ftergl. den Neuen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Habsburg-Hartlieb, Volume 7
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Habsburg-Hartlieb
- Volume
- 7
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1861
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 472
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon