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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Habsburg-Hartlieb, Volume 7
Page - 237 -
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Page - 237 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Habsburg-Hartlieb, Volume 7

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Mirsch 237 Weltanschauung heworgegangene Idee aus. „Des Menschen Bestimmung ist Leben im edleren Sinne, harmonische Wirksamkeit der Seele und des Körpers; wer in der Kunst etwas Tüchtiges schaffen will, fuße fest im Leben, denn nur die Kunst, die aus dem Leben schöpft, wirkt zurück auf's Leben." Für's Zweite wußte er allen seinen Schöpfungen ein eigenthümliches Ge- präge zu geben, so daß, wer mit den Weisen seiner Muse nur etwas sich vertraut machte, gewiß von jedem seiner Werke, ohne früher den -Namen des Verfassers zu lesen, erkannt haben würde, daß es von Halirsch sei; ohne Zweifel ist diese Eigenthümlichkeit in einer Periode, wo die Mehrzahl selbst der Begabteren ihre Gedan» ken nur in die Formen zur Mode gewordener Tonangcber gießt, wo man es bequemer findet, sich einer sogenannten Schule anzuschließen, oder im Chorus einer beliebt gewordenen Clique mitzusingen, als sich eine eigene Bahn zu brechen und sie beharrlich zu verfolgen, ein nicht geringes Verdienst um die Vindicirung der poe- tischen Selbstständigkeit, die dann am Ende doch allein dem Dichter bleibende Dauer uer« sichert. Für's Dritte hatte er trotz aller Mangel im Einzelnen, trotz allen Ringens mit wider» strebenden Elementen, trotz aller Fehlgriffe in Stoff und Form, es zu jener Stufe des Geschmackes und der Bildung gebracht, auf welcher die Feder eines Schriftstellers, nebst ihren positiven Vorzügen auch den nicht wenig seltenen negativen besitzt, nichts produciren zu können, was ganz verfehlt oder geradezu geschmacklos wäre." Ueber Halirsch den Menschen gibt uns folgende Stelle aus einem seiner Briefe Aufschluß, die auch seine öftere Verkennung und schiefe Beurtheilung im Leben erklärt. I n einem vertraulichen Briefe aus Italien schreibt er.- „Eines hoffe ich allerdings, daß es mit der Zeit durch die neue Umgebung und durch reichere Erfahrungen gemildert oder vielmehr ganz getilgt werde; dieß ist die krank- hafte Heftig« und Bitterkeit, die mich oft nicht allein gegen das Schlechte, sondern auch gegen das überwältigt hat, was man ertragen soll und muß — ein Ucbel, das mir viele Unannehm» lichkeiten zugezogen hat, das aber jetzt, ich fühle es deutlich, einer humaneren Toleranz Platz zu machen anfängt, in der ein großer Theil des Glückes oder der wahren Philosophie besteht." Diese Intoleranz des Dichters entstand aber nicht aus seinem Bewußtsein eines moralischen Uebergewichtes oder etwa aus Eitelkeit und Selbstüberschätzung, sondern, wie Willibald Mexis einem seiner Freunde in Hinblick auf ihn richtig bemerkt: „Verwundende Verhält- nisse können auch einem ursprünglich gesunden Sinn Stacheln und Waffen in die Hand geben, die wieder verwunden". Zur Erklärung seiner vorherrschend trüben Gemüthsstinnnung diene die Thatsache, daß ihn die Hypochondrie durch sein ganzes Leben verfolgte; aus ihr entsprang eine für ihn und seine Umgebung gleich störende Reizbarkeit des Gemüthes, die sich immer erst dann, aber nur auf eine Zeit, verlor, wenn er Reisen in seinem Berufe oder zur Erholung unternahm. In einer solchen freien Stimmung entstanden auch seine „Erinnerungen an den Schnceberg". unstreitig das Beste, das H. geschaffen, und das jedem für Poesie empfäng- lichen Besucher des Schneeberges nüt seinem dichterischen Inhalte wohlthuend ' anmuthen wird. Bemerkcnswerth erscheint noch, daß H., wie in einem trüben Vorgefühle seines nahen Endes, welches jedoch durch keine Krankheit veranlaßt war, am lö. März 1832, also drei Tage vor seinem plötzlich eingetretenen Ende, das Gedicht „Abschied" schrieb, welches die letzte Nummer der in seinem Nachlasse abge- druckten „Erinnerungen an Venedig" bildet. Nach Ruhe suchte der Dichter auf seiner Wan- derung und: So eilt der Wandrer fort und fort, Von Land zu Land, von Ort zu Ort, I n ew'ger Flucht auf Erden; Er eilt thalein, er eilt thalaus, Ist nie daheim, ist nie zu Haus, Wann wird ihm Ruhe werden? So sang er und erhielt schon wmige Tage nach« her vom Schicksale die Antwort auf seine Frage. Hall, Placidus (Benediktiner und Schulmann, geb. zu Kaplitz in Böh^ men 13. Jänner 1774. gest. zu Pfarr- kirchen in Oberösterreich 2. Mai 1833). In der Taufe erhielt er den Namen Anton; er war der Sohn eines Schul- lehrers in Böhmen, der unter Kaiser Joseph wegen seiner Geschicklichkeit und fruchtbringendmWirksamkeitimLehramte zum Musterlehrer ernannt worden war. Die Schulen besuchte er anfänglich in Prag, wo er bei seinem Onkel, der im Hause des Grafen Lazansky Erzieher war, lebte. Da trat mit einer schweren Krankheit ein Wendepunct in H.'s Leben
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Habsburg-Hartlieb, Volume 7
Title
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Subtitle
Habsburg-Hartlieb
Volume
7
Author
Constant von Wurzbach
Publisher
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Location
Wien
Date
1861
Language
German
License
PD
Size
13.41 x 21.45 cm
Pages
472
Keywords
Biographien, Lebensskizzen
Categories
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