Page - 268 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Habsburg-Hartlieb, Volume 7
Image of the Page - 268 -
Text of the Page - 268 -
268 Hammer-Purg stall
blieb in derselben neun volle Jahre, statt
der ĂĽblichen fĂĽnf oder sieben. Die letzten
Jahre widmete er vorzugsweise dem
Studium der persischen Sprache, um
sich auf eine Reise nach Persien vor«
zubereiten. Zugleich wurde H. um diese
Zeit mit Johannes von MĂĽl ler ,
dem berĂĽhmten Historiker, bekannt, der
damals mit Ienisch und StĂĽrmer
in einem und demselben Zimmer der
Staatskanzlei arbeitete. Ienisch bediente
sich des jungen Orientalisten zu Arbeiten bei
der Herausgabe des unter Meninsky's
Namen bekannten arabisch «türkisch-per-
sischen Lexikons, vornehmlich zu AuszĂĽgen
aus orientalischen Handschriften und dem
encyklopädischen Werke: „NaäLolii Oiia.1-
las"; Müller zu Nachweisen und Auf«
suchen aller den Orient betreffenden euro«
patschen Schriften; auch las H. dem
berĂĽhmten Historiker Nachmitttags, in
der Woche dreimal, das eben vollendete
Manuscript der 24 BĂĽcher allgemeiner
Geschichte vor. Im Jahre 1797 wurde
H. als Secretär des nach dem Frieden
von Campo Formio zum Hoftommiffär
ernannten Freiherrn von Ienisch ernannt
und sollte denselben auf einer Reise nach
Dalmatien begleiten, welche Reise jedoch
unterblieb. I n diese Zeit fallen H.'s erste
literarische Arbeiten, und zwar ist sein
Erstling die Uebersetzung eines tĂĽrkischen
Gedichts: „Ueber die letzten Dinge", wel«
ches MĂĽl ler an Wieland fĂĽr den
„Deutschen Mercur" einschickte; dann folg.
ten ein Paar seinen Gönnern Ienisch und
Müller gewidmete Oden: „Asta" und
„Weidling" bei Wien, an welch' letzterem
Orte H. zehn Jahre hindurch die Schul»
ferien verlebt hatte. Da die Reise nach
Dalmatien aufgegeben wurde, machte H.
mit dem damaligen Appellations-Präsi-
denten Johann Freiherrn von Kruff t
einen Ausflug nach Innerösterreich und Venedig. Das Ergebniß dieser Reise waren
die 1800 in Berlin erschienenen „Zeichnun-
gen" (Nr. 29) stie bibliographischen BĂĽ-
chertitel der Werke Hammer's siehe S.
274:1. V, 1—9, und die hier in () Klam-
mern eingeschlossenen Zahlen weisen auf
die Nummer des betreffenden Werkes hin^j.
Auch arbeitete Hammer bereits damals
an dem ein Decennium spater erschiene«
nen morgenläudischen Gedichte „Schirin"
(Nr. 63^); die beiden Weihegesänge dazu
dichtete er aber an Ort und Stelle, näm-
lich an den Ufern des Bosporus und auf
Troja's Ebene; und das um diese Zeit
entstandene ländliche Gedicht: „Wiens
Gärten und Umgebungen", erschien erst
1812inSartori's„MalerischesTaschen»
buch", welches bis 1817 von H. poetische
Verherrlichungen heimatlicher Gegenden
brachte. Im FrĂĽhling 1799 wurde H.
von dem Minister Freiherrn von Thugut
als Sprachknabe — es war dieß zu jener
Zeit der amtliche Titel fĂĽr die in ersten
Anstellungen nach dem Orient entsendeten
Zöglinge der orientalischen Akademie —
nach Conftantinopel geschickt. Dem dor»
tigen Internuntius Freiherm von Her»
bert empfohlen, fand Hammer an die»
sem Staatsmanne einen wohlwollenden
Mäcen, den Hammer mit seinen Kennt»
niffen und seiner Thätigkeit alsbald zufrie«
denstellte. Nachdem zwischen dem GroĂź-
vezier und dem französischen Obergeneral
Kleber die Convention abgeschlossen
und diese Herbert bekannt wurde,
erhielt Hammer von ihm den Auftrag
(Februar 1800), die Levante zu bereisen
und ĂĽber die Consulate daselbst, wie ĂĽber
die politischen Verhältnisse in Egypten
Bericht zu erstatten. Als aber England
dieser Convention seine Bestätigung ver«
weigerte und dadurch H a ni m er's Abreise
vor derHand aufgeschoben wurde, blieb er
bis auf weiteren Befehl an Bord des
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Habsburg-Hartlieb, Volume 7
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Habsburg-Hartlieb
- Volume
- 7
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1861
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 472
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon