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270 Hammer-Purg stall
geistige Thätigkeit, wenn nicht bestimmend,
so doch steigernd, wirkte die Bekanntschaft
mit A. W. von Schlegel und der
Baronin von Stas l , welche damals
in Wien lebte, und in deren Salons sich
der Glanz des Adels, der Staatsmänner
und Gelehrten versammelte. Als die
Franzosen in Wien einrückten, war Ham«
mer, der auf Stadion's ausdrück-
lichen Befehl mit den anderen Beamten
der Staatskanzlei dem Hoflager folgen
sollte, durch ein Versäumniß — indem
ihm keine Pferde zur Abreise zur Ver«
fügung gestellt wurden — zurückgeblieben,
und sein Verbleiben in Wien war in
anderer Hinficht von guten Folgen beglei»
tet. Der Intendant Graf Daru und
der zur Auskundschaftung literarischer
und künstlerischer Schätze ihm beigege<
bene Herr von Denon plünderten Gab
lerien und Bibliotheken; der kais. Hof»
bibliothek wurden werthvolle orientalische
Handschristen weggenommen und nach
Paris entführt. Durch einen Empfeh»
lungsbrief, den Hammer von dem fran»
zösischen Gelehrten Sylvestre de Sacy
sich verschafft, gelang es ihm nun, mit den
zwei Plünderern in Berührung zu kom»
men, durch sein Fürwort vermittelnd zu
wirken und zu erreichen, daß noch in Wien
300 der schon zum Transporte nach Paris
bestimmten orientalischen Handschriften
zurückblieben. 1810 verfügte er
sich
aber
persönlich nach Paris und erwirkte, daß
von den dahin gebrachten 200 Stücken
noch 100 an ihn zur Rückstellung an das
kais. Institut ausgefolgt wurden. Es
muß hier ausdrücklich bemerkt werden,
daß Hammer dieß, ohne einen diploma«
tischen Charakter zu bekleiden, bloß durch
Unterstützung des französischen Ministers
deS Innern, des Grafen Montal ivet,
und durch die freundschaftlichen Bezie«
hungm, in denen er zu Sacy stand, erwirkte. Die im ersten Bande der „Fund.
gruben" abgedruckte Abhandlung über
den Einfluß des Mohamedanismus in
den ersten drei Jahrhunderten der Hed-
schira war zu jener Zeit entstanden und
wurde von dem Pariser Institute durch
eine ehrenvolle Erwähnung ausgezeich.
net. Bei Gelegenheit der Vermälungs»
feierlichkeiten Mar ia Louisens beklei«
dete H. die Stelle eines Botschaftsrathes
in Paris und kam mit Depeschen nach
Wien. 1811 erfolgte seine Ernennung zum
wirklichen Staatskanzleirath und Hofdol»
metsch. Die Muße, die ihm seine amt>
lichen Arbeiten übrig ließen, wendete er
emsigen Forschungen und Studien über
den Orient zu. Sein für die Kunst und
Wissenschaft zu früh dahingeschiedener
Freund Prosper Fürst Sinzendorf
besorgte die Veröffentlichung seiner Ueber«
setzung der „SonetteSpencer's" (Nr. 36).
1813 gab H. sein Werk „Ueber des osma-
Nischen Reiches Staatsverfaffung" (Nr.7b)
heraus, wofür ihn der Kaiser von Ruß-
land und der König von Dänemark mit
ihren Decorationen auszeichneten, und
wozu er die unfreiwillige Muße, zu wel»
cher er durch einen Beinbruch verurtheilt
wurde, der ihn fünf Monate an's Kran»
kenlager und Zimmer fesselte, benützt
hatte. Im Jahre 1816, 42 Jahre alt,
vermalte er
sich mit Karol ine, ältesten
Tochter des Ios. Ritter von Henikstein;
im folgenden Jahre wurde er zum Hof«
rath ernannt, mit welcher Stelle, die
er 40 Jahre bekleidete, Hammer den
Höhenpunct in seiner amtlichen Laufbahn
erreicht hatte. Alles, was weiter geschah,
sind Ehren, die dem Gelehrten wider«
fuhren und selbst seine Erhebung in den
Freiherrnstand erfolgte nach dem Wort«
laute des Diploms vornehmlich in Wür-
digung seiner literarischen Verdienste,
deren hier nach den bemerkenswertheften
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Habsburg-Hartlieb, Volume 7
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Habsburg-Hartlieb
- Volume
- 7
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1861
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 472
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon