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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Habsburg-Hartlieb, Volume 7
Page - 313 -
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Page - 313 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Habsburg-Hartlieb, Volume 7

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Hanka 313 Sanka Quartbänden umfaßt, ist dem böhmischen Museum einverleibt worden. Er spricht alle slavischen Dialecte, seine Correspondenz führt er im Idiom dessen, mit dem er sich eben unter- hält. Bei fester Gesundheit, zu deren Zustande er durch Abhärtung viel beigetragen hat, ist er noch sehr rüstig und fast jugendlich (1836). Die Naturfreuden sind ihm die liebsten. Neisen hat er außerhalb Böhmens fast nicht gemacht. Dresden und Wien sind die Endpuncte seiner Ausflüge." — Ida von Dür ingsfe ld schreibt in der Leipziger „Illustrirten Zei< tung" über Hanka: „Mit großer Lebhaftig« keit betheiligte er sich an jedem vaterländischen Unternehmen und war überall, wo eS galt, den Sinn und die Liebe für das Oechische zu fördern und zu heben. So fehlte er, wenn er nicht krank war, fast nie bei einer dramatischen Vorstellung in böhmischer Sprache, bei einer böhmischen Vorlesung oder einem Concerte, wo slavische Musik vorgetragen wurde. Sogar die Balle, welche oechische Gesellschaften und Vereine gaben, versäumte er nicht zu besuchen, so ungern er auch große Toilette machte. Merkwürdiger Weise hatte Hanka trotz seiner großen Herzens- güte, seiner Menschenfreundlichkeit und seines zurückhaltendenWescns eine ungewöhnliche Zahl von gehässigen Angriffen zu bestehen. Schon Dobrowsky, den er so sehr geliebt, trat gegen ihn auf und der bekannte Proceß, welchen Hanka wegen Verläumdung seines Namens führte und gewann (gegen den Herausgeber des „Tagesboten aus Böhmen" im Jahre 1858), verbitterte ihm durch den unerwarteten Ausgang noch die letzte Zeit seines Lebens." — In einer im Jahre 1849 in einem Berlincrblatte erschie' nenen Reihe von „Porträts Lechischer Gelehrter" wird von Hanta das folgende Bild entworfen: „ ,. wenn Sie im Nationalmuseum waren, errinnern Sie sich gern deS liebenswürdigen Empfanges von Seiten des Bibliothekars Nencesl aus Hanka, Ritter u. s. w. Wenn Sie ihn vor dem März gesehen im unscheinbaren grünen Qberrock — in dessen einem Knopfloche aber stets zwei Ordenskreuze hingen — in den kurzen schwarzen Unaussprechlichen ohne Stegen, in dicken grauen Filzschuhen am Arbeitspult stehend, wie er, die mächtige Adlcrfcoer in der von Brillant» und RubiwRingen strotzenden Hand, mit colossalen Schriftzügen irgend einen cyrillischen Text zusammenstauchte, würden Sie ihn im April, Mai und den folgenden Monaten des verflossenen Jahres schwerlich wieder erkannt haben, wennIhnen das volle, geröthete, behäbige, etwas pockennarbige Gesicht, die gutmüthigen Augen, die runde braune Atzel und die hohe embonpointirte Gestalt nicht zu fest im Gedächt- niß geblieben wäre. An der Spitze eines Zuges Swornost — blutdürstigen und verrufenen Andenkens — sah man den würdigen Gelehrten in der vollen, schön verschnürten Uniform eines wohlbestallten Capitäns einherschreiten, die graue Kosakenmütze mit der langen rothen Troddel auf dem Haupte, den blanken Säbel in der Rechten, den er jedoch genau mit denselben sterotypen Geberden und Handgriffen zu schwin» gen liebte, wie sonst die lange Schreibfeder aus dem Fittich des Steinadlers daheim im Museums-Bureau. Hanka, unstreitig eine der ersten Celebritäten der slavischen Gelehrtenwelt, verdankt seinen Ruhm und seine Tüchtigkeit sich selbst, er ist ein komo psr ss laoms. Bei einer und der andern barocken Eigenheit ist Hanka ein durch und durch edler, gediegener Charakter und trotz der russischen Ehrenzeichen schlägt in ihm ein echt oolksfreundliches Herz. Von außen ein aristokratischer Gelehrter, in seinem Herzen ein Demokrat vom reinsten Waffer, ist er doch bei all' seiner großen Gelehr« samkeit nichts weniger als eine politische Capacität. Seine Thätigkeit als Präsident der LiovanLkä lipa war eine rein ceremonielle, er war ein bloßer Name, nie aber ein wirklicher Factor der Agitation. H. hielt sich nicht aus kluger Vorsicht so passiv, sondern aus Selbst» kenntniß, weil er wohl einsah, daß seine poli- tische Bildung weit hinter seinem redlichen Willen und seiner übrigen Gelehrsamkeit nach« hinke." IV. Hauka's Ansicht und Ausstruch über den Pllnslavisnlus. „Eine Schriftsprache ist den slavischen Stämmen ein unabweisliches Be» dürfniß. Verschiedene gleichberechtigte Idiome wetteifern miteinander und.dasjenige wird den Preis davontragen, dem die meiste Pflege dcö Staates zu Theil. Eine solche Pflege wird der russischen Sprache zu Theil, und zwar sehr freigebig sie eilt mit Riesenschritten vorwärts. DaS einzige Hinderniß für die Russen ist ihre cyrillische Schuft, so langc sie diese beibehalten, können die Diplomaten ruhig schlafen, aber wehr, wenn ihnen die lateinische Schrift anzu- nehmen einfällt, dann havcn sic alle Slaven für sich. Dieser Gefahr laßt sich begegnen, sobald die österreichische Regierung ebcnso für die oechische Sprache und Literatur sorgt, wie Ruß- land für die russische. Die Vorsehung hat Böhmen an die äußerste Spitze des aufgeklärten Nachbarn gestellt, von diesrr bedeutsamen Stelle aus werden alle slavischen Stämme
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Habsburg-Hartlieb, Volume 7
Title
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Subtitle
Habsburg-Hartlieb
Volume
7
Author
Constant von Wurzbach
Publisher
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Location
Wien
Date
1861
Language
German
License
PD
Size
13.41 x 21.45 cm
Pages
472
Keywords
Biographien, Lebensskizzen
Categories
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