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Hardtmuth 363 Hardtmuth
Fortsetzung desselben. Die architektonische
Einrichtung der Bibliothek, der Styl
des auf Marmorsäulen ruhenden Mar»
stalleS, die Reitschule, Möbel, Tapeten.
Bronzeverzierungen, Malereien, kurz die
ganze Ausschmückung der Gemächer ist
nach Hardtmuth's Angaben und Zeich'
nungen ausgeführt. Auch bewies H. bei
diesem Bau eine Uneigennützigkeit und
Rechtlichkeit, welche für alle, die heut'
zu Tage in die Geheimnisse des Bau-
wesens einen Blick zu machen und deren
Folgen zu erproben Gelegenheit haben,
wie ein kaum glaubliches Märchen einer
längst vergangenen Zeit erscheinen mag.
Die Anerkennung seines Fürsten lind die
durch Meißl 's Tod erledigte Stelle
eines fürstlichen Architekten waren H.'s
Lohn. Das nächste Werk H.'s war der
orientalische Thurm in Eisgrub, mit
dessen Plan und Zeichnung H. seinen
Fürsten den nächsten Morgen überraschte,
nachdem dieser den Abend zuvor seinen
Wunsch ausgesprochen hatte. H. wurde
auch mit der Ausführung betraut und
besiegte in genialer Weise die nicht
geringen localen Hindernisse, die sich
dem Baue entgegenstellten. Als Fürst
Alois starb, ernannte Fürst Johann
Hardtmuth zu seinem Baudirector
und nun beginnt ein neuer Abschnitt
der künstlerischen Wirksamkeit H.'s. Die
großartigen Bauten und Anlagen auf
den fürstlich Liechtenstein'schen Herr«
scdaften in Adamsthal, Allssee, Eisgrub,
Feldsberg, Lundenburg u. s. w. sind
sein Werk. Während er aber mit der
Ausführung dieser Arbeiten beschäftigt
war, betrieb H. nächtlicher Weile das
Studium der Öekonomie und auch in
dieser zeigte sich alsbald sein schöpfe«
rischer Geist; so erfand er eine neue,
die bisherige in jeder Hinficht über-
bietende Art von Malzdörre, welche auch alsbald auf den fürstlichen Gütern und
bei anderen Privaten eingeführt wurde.
Durch eigene von ihm erfundene Ziegel,
die durch eine ebenfalls von ihm erfun-
dene Maschine gepreßt wurden, stellte er
die Mauer für den fürstlichen Thiergarten
im Umfange von mehreren Tausend
Klaftern und um einen Preis her, der
sonst nur für die Herbeischaffung des
Materiales hätte bezahlt werden müssen.
Diese Ziegel verhärteten in einem Zeit»
räume von zwei Decennien zu einer
Steinmasse, welche die Härte der getrock»
neten Ziegel übertrifft. Seine Studie
im Gebiete der Mineralogie und Geo-
gnosie erweckten in ihm lange schon
den Wunsch, die bis dahin übliche und
schädliche Metallglasur des Tafelgeschir-
res zu beseitigen. Endlich gelang es ihm,
ein Geschirr zu erzeugen, welches zwischen
Porzellan und Majolika die Mitte haltend,
den Steinfluß, die Reinheit und Stärke
des ersteren mit der Wohlfeilheit des
letzteren verband. Im Jahre 4798 erhielt
H. das Privilegium auf diese seine unter
dem Namen des „Wiener Steingutes"
bald allgemein gewordene Erfindung
und verband sich, da' ihm die Mittel
fehlten, seine Erfindung durch Anwen«
düng im Großen gemeinnützig zu machen,
mit dem industriellen Winkler. Bis
1804 bezog Oesterreich seinen Bleistift'
bedarf auS England, H. gelang es,
künstliche, die englischen vollkommen
ersetzende Bleistifte zu erfinden, durch
welche Erfindimg Oesterreich in Bezug
eines sehr gesuchten Artikels vom Aus«
lande unabhängig gemacht und mehrere
bisher unbenutzte, durchaus inländische
Stoffe verwerthet werden konnten. Im
Jahre 1804 erhielt H. das Privilegium
für seine Erfindung und brachte es dahin,
daß ein Dutzend seiner feinsten Stifte
einem einzigen Ztücke der englischen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Habsburg-Hartlieb, Volume 7
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Habsburg-Hartlieb
- Volume
- 7
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1861
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 472
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon