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Türkenkrieg; den Ausbruch der Gährun-
gen in Lüttich und in den Niederlanden;
die französische Revolution; die Krank»
heit Kaiser I o seph I I . und die während
derselben in verschiedenen Cabineten
angelegten, theils schon zur Reife gedie-
henen Plane, die durch einen kostspieligen
Krieg und durch innere Gährungen
geschwächte österreichische Monarchie zu
Grunde zu richten oder doch zu zer-
stückeln; Joseph'sII. Tod; das Reichs-
vicariat deS Churfürsten von Sachsen;
seine, ungeachtet der aus Veranlassung
des Fürstenbundcs mit Preußen ein»
gegangenen Verbindungen, fo billig
behauptete bewaffnete Neutralität in
dem Augenblicke, als das Kriegsfeuer
zwischen Oesterreich und Preußen aus-
brechen sollte, wodurch der Plan des
gefährlichsten Angriffs durch Sachsen und
die Lausitz vereitelt und Böhmen sicher»
gestellt wurde; die Reichenbacher Con»
vention; die Kaiserwahl Leopold's I I . ;
die neue Constitution in Polen, durch
welche dieser Staat für ein Erbreich
erklärt und die Krone dem Churfürsten
von Sachsen und seiner leiblichen Des»
cendenz angetragen wurde, und die deß-
halb am Dresdener Hofe gepflogenen
Unterhandlungen; die Zusammenkunft
Kaiser Leopold's und des Königs von
Preußen zu Pillnitz und die zwischen
beiden Monarchen aus Veranlassung der
französischen Revolution dort getroffene
eventuelle Convention; den Königsmord
in Schweden; Leopold's I I . Tod;
das abermalige Reichsvicariat des Chur»
fürsten von Sachsen; die französische
Kriegserklärung wider Oesterreich und
das deutsche Reich; Franzen's I I .
Kaiserwahl; die Opposition des russischen
Hofes wider die neue polnische Con-
stitution; den Einbruch der Russen in
Polen und die Aenderung der Lage der Dinge in diesem Reiche, wodurch der
Churfürst von Sachsen die Aussicht zur
dortigen Thronfolge wieder verloren hat;
den Feldzug wider Frankreich im Jahre
1792 und seinen ungünstigen Ausgang;
die schauderhafte Hinrichtung des Königs
und der Königin in Frankreich; die Coa-
lition der größten europäischen Mächte
wider die französische Nationalversamm»
lung; die Theilung Polens zwischen
Rußland und Preußen 1793; endlich die
noch fortwährenden Kriegsoperationen
mit ihren politischen Folgen. So wichtige
und so mannigfaltige Ereignisse dürften
viele Staatsmänner wahrend der längsten
politischen Laufbahn nicht erlebt haben.
I n manchen durch sie veranlaßten ebenso
dornigten als wichtigen Verhandlungen
lächelte mich das Glück so sehr an, daß
ich sie zum Wohl des Vaterlandes und
zur Zufriedenheit meines Hofes beendigen
konnte. Dafür ernannte mich Kaiser
Leopold zum Commandeur des kön.
ungarischen St. Stephan-Ordens und
bald darauf zum wirklichen Geheimrath;
der jetztregierende Kaiser Franz aber
begnadigte mich im Jahre 1792 mit dem
großen Kreuze eben dieses Ordens". So
bescheiden spricht Graf Har t ig von
seinen Verdiensten als Staatsmann. Ein
neuer Anfall seines Uebels, nachdem er
zehn Jahre davon befreit gewesen, entzog
ihn neuerdings dem Dienste. Viele Nacht»
wachen und unausgesetzte Kopfarbeit,
insbesondere während des Aufenthaltes
des Kaisers Leopold I I . in Pillnitz,
mochten denselben herbeigeführt haben.
Da die Genesung sich sehr in die Länge
zog und die Hoffnung auf gänzliche
Wiedererlangung der Verlornen Kräfte
beinahe gänzlich schwand, nahm Graf H.
die Entlassung, die er auch 1794 erhielt.
Indem er noch das Bad in Pyrmont
gebraucht, begab er sich, da ihn der Krieg,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Habsburg-Hartlieb, Volume 7
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Habsburg-Hartlieb
- Volume
- 7
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1861
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 472
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon