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an seinem Vorhaben, Italien zu besuchen,
hinderte, nach Böhmen, wo er einzig der
Wissenschaft lebte und nach des Grafen
Lazansky Tode von der kön. böh-
mischen Gesellschaft der Wissenschaften
zum Präsidenten derselben gewählt wurde.
Mit rastlosem Gifer nahm er sich nun der
Angelegenheiten der Gesellschaft an, be-
trieb vorzugsweise geschichtliche und natur«
wissenschaftliche Studien, und legte zum
Behufe der Letzteren, unter Anleitung des
böhmischen Astronomen Strnadt, reiche
Sammlungen an. Als Gutsherr war der
edle Graf der Freund und Sachwalter
seiner Unterthanen, und jene Bauern-
familien, deren zu Soldaten ausgehobene
Mitglieder ihre Pflicht dem Kaiser und
dem Vaterlande treu geleistet, sprach er
vom Frohndienste frei. Des Grafen
meist in französischer Sprache erschienenen
Schriften sind: „
?-" (ki'ÄF 1773) 8".); — „
1783, 8".); es sind dieß die
schon oben erwähnten Brieffragmente über
seine Reise, worin sich
seine Vorliebe für
Alles was Wissenschaft, schöne Künste und
Literatur betrifft, offenbart. Cubiöres
sagte anläßlich derselben, daß er im Ge»
folge der Weisheit gereiset und mit allen
Reizen der Dichtkunst geschrieben habe.
Von diesen Briefen erschien auch eine
schlechte deutsche Ueberschung (Msenach
1786) svergl.: Allgem. Literatur°Zeitung
1787, I, 302; Allgem. deutsche Biblio«
thek, Bd. 82, S. 3261. — „I/Nan<?s5
H<3 V6?-H 6? cis^OHs" (I>ai'l'5 1788) 8".)
!>ergl.: Allgem. deutsche Bibliothek, Bd.
96, S. 106; Goth. gel. Zeitung 1788.
Ausland. Literatur. S. 273). Durch
dieses Werk behauptet der deutsche
Graf H artig eine ehrenvolle Stelle auf dem französischen Parnaß; Dorat,
CubiöreS und Andere schreiben von
ihm mit vielem Lobe, und die Akademie
der Wissenschaften und schönen Künste in
Marseille, das akademische Museum in
Paris und die Gesellschaft zur Aufmun«
terung dor Wissenschaften und Literatur
in Lüttich ernannten H. zu ihrem Mit-
gliede. — „HiZtllrische Betrachtungen über die
Antnahme nnd den Vertall der FeldinirthZchlltt bei
verschiedenen Völkern" (Prag und Wien
1786) ftergl.: Allgem. Literatur.Zeitung
1787, I, 260; Allgem. deutsche Biblio-
thek, Bd. 82, S. 311; Goth. gel.
Zeitung 1787, S. 170; Gott. gel. Anz.
1787, 33H; von diesem Werke, dessen
jede Seite den denkenden Landwirth und
den warmen Freund des guten Land-
mannes beurkundet, veranstaltete Leroy
deLozembrune eine französische Ueber«
setzung. die unter dem Titel: „
st 1a
leg
1790, 8".) erschien; anläßlich desselben
ernannten ihn die ökonomische Gesellschaft
in Leipzig, und die patriotische Gesell-
schaft der Wissenschaften und Agricultur
in Bretagne zu ihrem Mitgliede; —
„'paT-^/s" (Irnpr. 5 OMiörs, 18<>.).
In den Abhandlungen der kön. böhmischen
Gesellschaft der Wissenschaften erschienen
von ihm: „Neber die Güte der Lütt in höheren
Negillnen" (1787. Bd. 3. S. 272) und
„Schreiben über die Pnnmnter Gegend" (neue
Abhcmdl. 1793, Bd. II, S. 71). Ferner
war Graf Franz Anton nicht nur ein
großer Freund und Förderer der Künste,
sondern componirte selbst Lieder, zeichnete
mit großer Gewandtheit und sammelte
mit Geist und Kenntniß vortreffliche
Kunstwerke. Der Graf starb im schönsten
Mannesalter, im noch nicht vollendeten
33. Jahre. Seit 10. September 1783
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Habsburg-Hartlieb, Volume 7
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Habsburg-Hartlieb
- Volume
- 7
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1861
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 472
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon