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verzeichnet, auf welche hiermit gewiesen
wird. Von Paris begab sich H. nach I ta
lim, und zwar zuerst nach Rom, dann
nach Neapel, und nur kurze Zeit lebte er
in Palermo. Es muß hier ausdrücklich
bemerkt werden, daß H. mit seinen Reisen
und mehrjährigem Aufenthalte in Frank-
reich und Italien durchaus nicht litera-
rische Zwecke verband; H. wollte genie-
ßen, und wenn ihm eben einmal dieMuse
lächelte, wendete er ihr nicht den Rücken,
aber verfolgte sie auch nicht, sondern zog
es vor, sie bei sich zu erwarten. Ueber«
Haupt ist es mit dem Dichten bei Hebbel
nicht so bestellt wie bei jenen Poeten,
die alle Tage ihre Portion Verse fertig
haben muffen, wie der Schufter Schuhe,
der Schneider Kleidungsstücke. Hebbel
dichtet, wenn er Lust hat; hat ihn aber
die Schaffenslust ergriffen, dann dichtet
er rasch und viel. Von seinen Arbeiten in
Italien ist mit Ausnahme seiner Poesien,
darunter mehrere epigrammatischen In-
haltes, welche zwei Jahre nach seiner
Rückkehr (1848) gedruckt erschienen, nur
der Torso eines Drama'S bekannt, über
dessen Beendung noch heut' — also 17
Jahre später — nichts bekannt ist. Es ist
der in der Presse oft genannte „Moloch",
ein Drama aus der germanischen Urzeit,
wovon er den ersten Act vollendet hat.
In Rom verkehrte H. viel mit Malern,
wie Gur l i t t sBd. VI, S. 38). Koch,
Rahl , dann mit den damals dort wei-
lenden geistvollen Forschern und Aesthe.
tikern Momsen, Hettner und Adolph
Stahr. Als er im Frühling 1846 Ita-
lien verließ, beabsichtigte er die akade»
mische Laufbahn einzuschlagen und nach
Kopenhagen zurückzukehren, wo sein
Mäcen, der König, es wohl an neuen
Beweisen der Huld nicht hätte fehlen
lassen. Hebbel reiste über Wien, wo er
im Mai 1846 eintraf. Daselbst machte er Halt und die Liebe fesselte ihn bleibend
an diese Stadt. Hebbel hatte im Hof.
burgtheater das Fräulein Christine Eng»
haus ^siehe die Folgendes in der Rolle
der Chrimhild in Raup ach's Nibelun«
genhort gesehen. Von ihrer Darstellung
im hohen Grade ergriffen, suchte er ihre
Bekanntschaft zu machen, und schon am
26. Mai 1846 fand Hebbel's Vermä-
lung mit der Künstlerin Statt. I n die
Zeit seines 16jährig?n Aufenthaltes in
Wien, das er seit einigen Jahren nur
während der Sommermonate verläßt, um
ein kleines Landhaus am reizenden
Gmundner See zu beziehen, oder aber
wenn er an fremde Hofbühnen reist, um
die Aufführung seiner Stücke persönlich
zu leiten, fällt eine Reihe dramatischer
Arbeiten, von denen nur einige zur Auf«
führung gelangten, die meisten aber durch
den Druck veröffentlicht und verschieden
beurtheilt wurden. Eü erschienen (die mit
einem '" bezeichneten wurden auch, doch
meistens außerhalb Wim, aufgeführt):
„Hemdes und Marinnme" (1830), „Inlill",
Ner Anbin" und „NaZ Oranerspirl in Sici-
lieil" (alle drei 1831), ^„Michel Jugrlo"
(1834), "„ZM5 Nrrnlillmn" (1835),
WZ nnd sein King" (1836), und in
jüngster Zeit die noch ungedruckte Trilogie
„NKAibelnngrn", zu deren Aufführung der
Dichter persönlich nach Weimar gereist ist,
wo diese jüngste dramatische Dichtung
Hebbel's mit gro ßem Beifall aufgenom-
men wurde, und deren Aufführung an
den Hoftheatern zu Dresden und Berlin
(für den Winter 1861/62) vorbereitet
wird. In den letzteren Jahren (1839)
rschim auch sein episches Gedicht „Mnwr
und Kind", ein Seitenstück zu Göthe's
„Hermann und Dorothea", welchem von
er Tiedge. Stiftung in Dresden der
Preis zuerkannt wurde. I n neuester Zeit
'Sommer 1861) hielt sich H. mehrere
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hartmann-Heyser, Volume 8
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Hartmann-Heyser
- Volume
- 8
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1862
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 514
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon