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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Hartmann-Heyser, Volume 8
Page - 178 -
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Page - 178 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Hartmann-Heyser, Volume 8

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178 Hebbel Tage für einen solchen Dichter ein Publikum von Eingeweihten erforderlich wäre. Der Ver« fasser der „Agnes Bernauer" hat einen Augen- blick hoffen lassen, daß er sich zu einer natür- licheren Poesie gewendet habe; er fiel bald zurück und tiefer als je in das System der Mythen und Symbole. Sein letztes Drama, „der Ning des Gyges". würde das nöthig haben, was die Dichter coiumLut^i-Iuä psrpstuuk, nennm." — Wenngleich Karl Rosenkranz in seiner „Aesthetik des Häßlichen" (Königsberg 1833. Bornträger. 8<>.) S. tl)9 u. f.. nur das „Häßliche" in Heb bel's „Julia" in Betracht zieht, so ist sein Ausspruch doch zu bezeichnend, um hier nicht mitgetheilt zu werden. „H ebbcl, der Dichter des Pessimismus und der Bizarre- rie, wie Henneberger ihn treffend genannt hat, möge uns gestatten, an seiner Julia nach- zuweisen, wie das Tragische, wenn es die Knoten seiner Widersprüche weder recht schürzt noch recht löst, schon in das Komische umzu- schlagen anfängt, jedoch wcil es noch zu ernst und gewichtig ist, vorerst häßlich bleibt." Nun bringt Rosenkranz eine Analyse des ganzen Stückes, und nachdem er diese Analyse gegeben, fährt der Kritiker fort: „So endet diese durch das Talent ihres Urhebers bis in die kleinsten Züge hinein verzerrte Tragödie, deren Inhalt wir mit schlichten Worten angegeben haben und dabei doch nicht verhüten konnten, nicht schon komische Streiflichter darauf fallen zu lassen. Wir bezweifeln nicht im Geringsten den subjektiven Ernst der ethischen Tendmz, den Hebbel in seinem Vorwort mit so großem Pathos verkündet, doch lassen wir uns dadurch nicht bestechen und erkennen, daß diese Tragö- die im Grunde durch die Art ihrer Dishar- monie eine gräßliche Komödie, ein Ungeheuer von Scheincontrasten ist. Wir wollen von crasseren Motiven, die in dieser Tragödie vor- kommen und oft höchst komischer Beschaffenheit sind, wegsehen; wir wollen nur bei den funda- mentalen Verhältnissen bleiben, so sind sie nicht tragisch, sondern komisch. Daß ein Mädchen, welches sich heimlich hat schwängern lassen, als Königin der Jungfrauen bei einem Feste erschei- nen soll. ist gewiß komisch. Daß ein Vater, dessen Tochter, wie er glaubt, mit ihrem Lieb- sten durchgegangen ist. die Stadt durch einen Scheintod und cincn Scheinfarg feiner Tochter täuscht, ist gewiß komisch. Daß ein deutscher Graf nach wüst durchgenossenem Leben eine hypochondrische Anwandlung zur Tugend be- kommt und seinem blasirten Leichnam noch die Ghre anthun möchte, zu irgend etwas Nützli< chem, wohl gar Eolcm, zu dienen, ist gewiß komisch. Daß ein schwangeres Mädchen in einem Zande, worin es doch auch Gendarmen gibt, so ohne weiteres zu Fuß umherirrt und todessehnsüchtig im Waldesdunkel einem Ban- diten durch eine vorgehaltene Börse die Just sie zu todten, beibringt, statt» daß man erwarten sollte, er werde sich der Börse auch ohne Mord versichern und das Mädchen als eine schöne Beute zu seiner Luft zwingen, ist gewiß komisch. Daß Bertram und Julia eine Ehe schließen, die doch keine ist; er. um doch, bevor er stirbt, sich noch zu etwas Gutem brauchen zu lassen; sie, um doch ihre Ehre durch cinen Gatten Zu salviren, das ist gewiß komisch. Daß endlich alle drei Liebhaber, jeder von seinem Standpunct aus den andern anerkennend, ja verehrend, sich auf dem Schloß in Tirol trefflich vertragen und der Graf Antonio und Julia die angenehme Aussicht gibt. nächstens zu ihrer Bequemlichkeit für immer zu verschwinden, nun, das ist gewiß komisch. Komisch! Ja, im Aristophanischen Sinne, so weit derselbe auch die ethische Nulli' tat in sich faßt, nicht abcr in dem weitern auch Aristophanischen Sinn der heitern Ausgelassen- heit der absoluten Nullität, die ohne Prätension ist. Vielmehr sind diese corruptcn Verhältnisse im feierlichsten Ernst mit großwortigen Reden behandelt, so daß statt seligen Lächelns nur die Trübseligkeit in un6 aufkommt, eine mißrathene Tragödie vor uns zuhaben." — Da denn im Vorstehenden schon Vergleichungen Hebbel's mit Grabbe und H alm gegeben worden, so möge hier noch insbesondere, da sie kurz ist, und als Curwsum, eine Parallele H ebb el's mit Klcöhei m Plal; finden. Der Contrast ist grell und gerade in dieser Gegenüberstellung des unbedeutenden Dialectreimers und des titanischen Dramatikers und Dichters liegt eine tiefe Ironie: „Hcbb el baut sich sein Haus aus Granit und Eisen, Klcsheim macht sich sein „Ncsterl" aus Zweiglcin, Waldmoos und Roscnblatteln. Die Charaktere Hebbcl 's sind aus Verstandes», die Klesheim's aus Gemüths - Combinationen construirt. Während die Hebb el'schcn Men» schen größtenteils herzlos sind, hat bei Kles» heim Alles ciu „Herzc-rl", das Noscrl, der Mai» käfcr und auch die „gelbe Nuabn". Während Hcbbc-l die socialen und geschlechtlichen Diso« nanzen aufdeckt und consequrnt festhält, sucht sie Kl es heim conucntionell auszugleichen. Kleshcim laßt seine „Liebesleut" eigentlich mehr „busserln" als Hebbcl, nur vertuscht Ersterer die Folgen, während Letzterer sie mit auffallender Ostcntation bloßlegt. Hcbbcl
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Hartmann-Heyser, Volume 8
Title
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Subtitle
Hartmann-Heyser
Volume
8
Author
Constant von Wurzbach
Publisher
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Location
Wien
Date
1862
Language
German
License
PD
Size
13.41 x 21.45 cm
Pages
514
Keywords
Biographien, Lebensskizzen
Categories
Lexika Wurzbach-Lexikon
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