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Heben streit Heben streit
beliebtes und gesuchtes Handbuch, welches
nicht wie die heutigen „Fremdenführer",
eines dem andern mit allen Unrichtig-
keiten nachgeschrieben, sondern auf
Autopsie und mit gediegener Sachkennt«
niß verfaßt war; es erschien in neuer Be>
arbeitung unter dem Titel: „Nrr Nrizrnde
nach Wien nnd der Znfrnthnlt brs Nrisrntttn in
Men" (Wien 1843, Tauer und Sohn,
mit3Pl.. 16".); — seine „M
litrramche l^iicqclllpWr >)rr Ärüthri
mci!llgi3ch'lmti5che3 Vürirrbnch der
Kn-nttüprache" (Wien 1842. Gerold, neue
T. N. 1847, Ler. 8".) befriedigte nicht
die Erwartungen; Ignaz Ie i t te les
war ihm mit seinem ästhetischen Leri»
kon zuvorgekommen, und hatte es ver»
standen, den Gegenstand in einer' die
Freunde solcher Lectüre anregenderen
Weist zu behandeln; noch aber hatte
H. den letzten Wurf nicht gethan, für den
er sein Werk: „Nci3 Fchiniüpirlmsei!. Nargr-
Ztellt nnt ürm StlNidpniiktr der Uniiüt, ticr Gr-
Zchgebung nnd dcä NiirgcrtlnullL" (Wim 1.^43,
Fr. Beck, gr. 8".) allfgespart hatte; in
diesem Werke voll Stockgelehrsamkeit und
gelehrten Zornes hatte er allen Groll,
den er seit Jahren dem Theaterwesen und
den Theaterleuten gegenüber getragen,
gesammelt und endlich diese bis an den
Rand mit (Halle gefüllte Schale — aber
so ungesckickt — ausgegossen, daß er,.sich
selbst damit am meisten beschüttete. Das
Buch ärgerte, ging aber, ohne tieferen
Eindruck zu hinterlassen, vorüber, nur der
geistvolle Rötscher würdigte es in seiner
Schrift: „Das Schauspielwesen. Darge-
stellt auf dem Standplmcte der Kunst,
der Gesetzgebung und des Bürgerthums.
Von Hebenstreit. Vom Standpuncte
heutiger Wissenschaft und Civilisation
beurtheilt von Dr. G< Th. Nötscher"
(Berlin 1843, Wilh. Besser, 8".), einer
eingehenden Abfertigung. Ein Kritiker nannte Hebenstreit's Buch kurz und
treffend „ein Werk, hervorgegangen aus
einer Vereinigung von Philisterthum und
altbackener Moral, das den Stock des
österreichischen Corporals und die schwarze
Brille des Orthodorismus trägt, und wenn
es auch einzelne Urtheilslose durch seinen
Citatenkram blenden könnte, für Kunst und
Wissenschaft wirkungslos verhallen wird."
Gmündn er Wochenblatt, IV. Jahrgang
si«54). Nr. 2?<: Nekrolog. - Faust, polygra-
phische Zeitschrift. Herausgegeben unter der
Oberleitung von Hofrath Au er (Wien, gr.4<>.)
Jahrgang 1834, Nr. ".. — Oesterrei«
chische Nat ional-Enryklopädie, her<
auög. von Grafs er und Czikann (Wien
1833, 8".) Bd. I I , 3. 53i lind Bd. VI , Sup'
plemmt, S. 477. — Der Gesellschafter
oder Blätter für Geist und Herz (Berlin, 4".),
herausgegeben von Gubitz, Jahrgang ls43,
Nr. 182—l84.- „He benstreit und die Schau-
spielkunst". — Fr an kl (L. A.), Sonntags-
blätter (Wien, 4".) I I . Jahrg. (l843), S. 323,
unter den Zileratur-Notizm von Franz Graf«
fer (in der Notiz.- „Shakespeare"). — Es gibt
noch mehrere Personen dcü Namen Heben-
streit, welche in Oesterreich denkwürdig ge-
worden, und zwar Franz von Heben streit
(Platz-Oberlieutenant in Wien, geb. in Böhmen
l7!ili, MN Tode verurtheilt und gehangt in
Wien am 8. Jänner 1793), trat als Soldat in
dic österreichische Armee und wurde Officirri
wie e5 qeschah, daß ihn rin so furchtbares
Schicksal ereilte, dieß erfährt man aus seinem
^odeöurtheile, worin es heißt: H. wuroe wegm
Ausstreuung fran;ösisch-de>nokratischer Grund»
sätze, Ansteckung und Aufwiegelung des Volkes,
wegen Beleidigung Seiner Majestät selbst, wegen
anbefohlenem Aufruhr und Aufruf an das Volt,
die Nnhe und Ordnung des Staates zu stören,
wegen Verfassung eines aufrührerischen Volks-
liedes, wegen neu erfundener Streitmaschinen,
die er nach Frankreich und Polen befördert
hatte, nebst Eonfiöcirung seines Vermögens,
seines Adels, seiner Charge ehrlos entsetzt und
zum Strange uerurtheilt; auf dem Glacis
zwischen dem Schotten« und Vurgthore an
einem neu errichteten Galgen aufgehangen,
mit einer an einer Kette abhängenden Tafel
mit der Aufschrift: „Franz Heben streit
wegen Staats« und Landesoerrätherey". ^Die
IakobinerinWien. Oesterreichische Memoi-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hartmann-Heyser, Volume 8
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Hartmann-Heyser
- Volume
- 8
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1862
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 514
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon