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Tage vonVolta, der 26. und 27. Juli,
worauf der Rückzug des Sardenkönigs
(am 28.) nach Cremona stattfand;
Radetzky folgte ihm auf dem Fuße,
Kar l Albert zog sich, vom Dunkel
der Nacht begünstigt, hinter die Adda
zurück und wollte den Flußübergang
streitig machen. Aber statt dessen sah er
sich genöthigt, am 31. Juli seinen Rück-
zug gegen Piacenza, von dort über Lodi
nach Mailand fortzusetzen, wo er am
4. August unmittelbar vor Mailand
seine Aufstellung nahm. Die Einnahme
von Mailand durch unsere Truppen
kostete noch einige blutige Kampfe.
Am 9. August sandte Kar l Albert
seinen Generalstabschef. General-Lieute-
nant Salasco, in das Hauptquartier
Radetzky's nach Mailand, wo General-
Quartiermeister Heß mit Salasco die
Waffenstillstands «Uebereinkunft zwischen
der sardinischen und österreichischen Armee
als Voreinleitung zu den Friedensunter-
Handlungen noch am nämlichen Tage
abschloß. Die Friedensunterhandlungen
aber wurden von Seite Piemonts, dem
es damit nie Ernst gewesen, in die Länge
gezogen, bis mit 42. März 1849 der
Waffenstillstand von Seite Piemonts auf»
gekündet wurde und der Kampf von
Neuem begann. Am 16. März über»
brachte ein piemontesischer Stabsofsicier
die ofsicielle Kunde in Rad etzky's Lager.
Die ganze Zwischenzeit hatte Heß zu sei«
nen strategischen Dispositionen benützt.
Den Winter über hatte er die Vertheilung
deS Heeres im Lande in einer Art getrof-
fen, daß die gesammte zum Schlagen
bestimmte Armee längstens binnen acht
Tagen auf jenen Puncten dazustehen
vermochte, die zur Sammlung der Streit»
kräfte für solche Fälle auserlesen waren.
Am nämlichen Tage noch, an welchem
die officielle Aufkündigung stattgehabt hatte und am folgenden, dem 47. März,
marschirten die in und um Mailand
befindlichen Truppen in der Richtung
gegen Lodi ab. Radetzky mit seinem
Hauptquartiere und dem Besatzungsreste
brach am 48. auf. Dieser „vorgespiegelte
Rückzug" wurde den feindlichen Befehls-
habern in möglichster Eile hinterbracht.
Indessen hatten
sich
alle früher am Ticino
in Mailand gestandenen Heerestheile mit
den von Piacenza und Brescia heran«
gezogenen Armeecorps in Pavia und
dessen Umgebung vereinigt; es standen
da 60 Bataillone, 40 Schwadronen und
186 Geschütze. Die Märsche waren in
ein so undurchdringliches Geheimniß
gehüllt, daß ein Corps von dem andern
nichts wußte und die freudige Ueber«
raschung jeder Abtheilung, alle anderen
hier zu finden, sehr groß war. Am
20. März hielt der Feldmarschall die
berühmte Heerschau und die Heeressäulen
setzten sich in Bewegung, wieder so, daß
keine einzelne Abtheilung von der Rich.
tung der andern Kenntniß hatte. In einem
von Spionen wimmelnden Lande, ja mehr
noch, in einem Lande, wo jeder Bauer ein
Spion war, war solch ein geheimnisvolles
Vorgehen unerläßlich. Das I.Armeecorps
erreichte Zerbolo, das 2. und 3< Gw>
pello, das 4. la Cava. das Reservecorps
Gravellone. Bereits war die feindliche
Linie getheilt, der rechte Flügel von der
Mitte getrennt. Am 21. brach die Armee
gegen Mortara auf. Um Mittag stieß
die Vorhut deS 4. Armeecorps bei
S. Syro und Vigevano auf den Feind,
ein hitziges Gefecht gegen eine bedeutende
Ucbermacht des Feindes endete mit ein«
brechender Nacht günstig für unsere Waf'
fen. Zu gleicher Zeit erfocht das 2. Armee«
corpS unter Benedek den schönen Sieg
bei Mor tara, welchem Nachts die Ein«
nähme dieses Ortes folgte. Am 22. setzte
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hartmann-Heyser, Volume 8
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Hartmann-Heyser
- Volume
- 8
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1862
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 514
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon