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Hessen 430 Hessen
Schlacht, welche um 2 Uhr Nachmittags
noch die günstigste Aussicht bot. war
nicht mehr zu gewinnen. Die Stellung
war eine zu ausgedehnte, die gegenseitige
Unterstützung der Corps in Folge dessen
nicht möglich. Der um 8 Uhr Morgens
begonnene Kampf hatte nach dreizehn»
stündiger Dauer um 9 Uhr Abends in
Folge allgemeiner Erschöpfung der Unse
ren wie des Gegners geendet. Die Divi-
sion des Prinzen, dessen Pferd einen
Schuß in's Bein erhalten hatte, brachte
eine peinliche Nacht in Volta zu. Der
Prinz ließ Volta, dessen Vertheidigung ihm
General Graf Schlick übertragen hatte.
befestigen. Der Kaiser ließ zu Verona
das Capitel des Maria Theresien-Ordens
zusammenberufen, um das heldenmüthige
Benehmen des Prinzen in der Schlacht
am Mincio mit der Aufnahme desselben
in den ehrenvollsten Orden der Monarchie
zu belohnen. Der Prinz aber unterwarf
freiwillig seinen Anspruch auf das Maria
Theresienkreuz der nochmaligen späteren
Prüfung des Capitels, das ihm und noch
17 Anderen dazu Berechtigten es einstim»
mig zuerkannte. Es ist bekannt, daß
mit der Schlacht von Solferino das
blutige Kampfspiel in Italien ein Ende
nahm und das aller Welt unerwartete
Schauspiel von Friedensunterhandlungen
begann. Nachdem Kaiser Napoleon
die Initiative zu Verhandlungen über
einen abzuschließenden Waffenstillstand
ergriffen hatte, wurde Prinz Alexander
von seinem Kriegsherrn ausersehen, die
vorbereitenden Schritte bei Ludwig
Napoleon einzuleiten, dem er bereits
persönlich bekannt war. Der Prinz hatte
nämlich schon im Jahre 183? seinen
Bruder, den regierenden Großherzog
Ludwig III., in die Bäder von Plorn-
vieres begleitet, ein Besuch, der die
Zusammenkunft der beiden Kaiser Lud' wig Napoleon und Alexander I I .
einleitete, wahrend der Prinz auch die
spatere Zusammenkunft der Kaiser Franz
Joseph und Alex and er I I . in Weimar
unterhandelte. Am 20. Juli 1839 kehrte
Prinz Alexander in die Heimat zurück,
beglückwünscht von seiner Familie, von
den Vorständen der Gemeinden, gepriesen
in Wort und Lied von allen Landsleuten,
und in Heiligenberg im stillen Familien-
leben ruhte er aus von den Drangsalen
des Krieges. Nach dieser Darstellung
der militärischen Laufbahn des Prinzen
haben wir noch seiner nach einer andern
Seite zu gedenken. Selbst wissenschaftlich
gebildet und ein Beschützer der Kunst
und Künstler war er es, der während
des Feldzuges im Kaukasus einigen
Künstlern eS möglich machte, Studien
zu Landschafts' und Schlachtbildern im
Kaukasus vorzunehmen, indem er ihnen,
darunter dem Hofmaler Frisch, die
Erlaubniß erwirkte, im Hauptquartier
den Feldzug mitzumachen. Die Zwischen-
zeit von dem Austritte aus russischen und
dem Eintritte in österreichische Dienste,
1831—1832, verlebte der Prinz theils
in Darmstadt, theils auf seinem schönen
Landsitze Heiligeuberg an der hessischen
Bergstraße, wo er durch reizende Anlagen
die Gegend verschönerte und die uralte
Kloster-, jetzt evangelische Pfarrkirche durch
einen schönen Chor erweiterte. Als beson»
derer Freund der Geschichte und Lander»
künde hatte der Prinz früh, namentlich auf
seinen Reisen, mit Kenntniß und Umsicht
den Grund zu einer allgemeinen Münz-
sammlung gelegt, die er später, um in Einer
Richtung etwas Vollständiges zu leisten,
bloß auf die hessischen Münzen, aber in
vollster Ausdehnung, beschrankte. Es ist
diese werthvolle Sammlung wohl die voll»
ständigste irgend eines deutschen Landes,
hinter hohen Glasrahmen von unpolirtem
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hartmann-Heyser, Volume 8
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Hartmann-Heyser
- Volume
- 8
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1862
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 514
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon